«Ich weiss nicht, wie ich noch schneller hätte fahren können. Camille Rast zeigte eine fantastische Leistung. Wenn doch nur die ganze Welt verstehen könnte, wie gross die Herausforderung ist, am selben Wochenende einen Riesenslalom und einen Slalom zu gewinnen.»
Diese Worte stammen von keiner Geringeren als Slalom-Königin Mikaela Shiffrin. In einem emotionalen Post auf Instagram würdigte die Amerikanerin am Sonntagabend die grossartige Leistung von Rast in Kranjska Gora. Die Walliserin hatte im slowenischen Skiort binnen 24 Stunden 2 Rennen gewonnen und Shiffrin im 6. Slalom der Saison die 1. Niederlage zugefügt.
Shiffrin weiss, wovon sie spricht. Die 106-fache Weltcupsiegerin hat das Double Riesenslalom/Slalom am gleichen Ort an 2 Tagen bereits 10 Mal geschafft. Unter anderem 2018 in Kranjska Gora.
Mit Shiffrin im Slalom in eigener Liga
Besonders eindrücklich war Rasts Triumph im Slalom. Ihr gelang das Kunststück, eine Shiffrin in absoluter Topform in deren Paradedisziplin zu bezwingen. Etwas, was in den letzten 13 Jahren nicht vielen Athletinnen gelungen ist. «Es war eine unvergessliche Erfahrung und ein Privileg, Teil dieses Duells gewesen zu sein», schrieb Shiffrin. Die Amerikanerin und die Schweizerin distanzierten den Rest der Welt um fast 2 Sekunden.
Der Sturz in Sestriere ist vergessen
Dass Rast dereinst Shiffrin im Slalom herausfordern könnte, hatte sich schon im letzten Winter abgezeichnet. In den ersten 7 Weltcuprennen der Saison 2024/25 klassierte sich die 26-Jährige ausnahmslos in den Top 5 (2 Siege). Mitte Februar 2025 holte sich Rast in Saalbach-Hinterglemm (AUT) zudem den Weltmeistertitel in dieser Disziplin.
Doch am 23. Februar kam Rast im 1. Slalom nach der WM beim Weltcup in Sestriere (ITA) beim drittletzten Tor zu Fall und rutschte über die Ziellinie. Es war ein Sturz mit Folgen: Die gehandicapte Rast kam in den verbleibenden Saisonrennen nicht mehr auf Touren und die lädierte Hüfte bereitete der Schweizerin über den Sommer hinaus Probleme.
Zum Saisonauftakt in Levi sagte Rast noch: «Ich bin noch nicht bei 100 Prozent.» In Finnland resultierte für sie Rang 15. Doch schon in Gurgl (AUT) kehrte Rast als Dritte aufs Podest zurück. Im 3. Slalom des Winters vergab die Walliserin in Copper Mountain im unteren Teil des 2. Laufs eine weitere Top-Klassierung.
Rast ist besser denn je
Doch seit dem 10. Platz in den USA klassierte sich Rast im Weltcup ausnahmslos in den Top 4 – und zwar im Slalom und im Riesenslalom. Die Schweizer Überfliegerin fuhr in den letzten 4 Wochen der Reihe nach die Ränge 4, 4, 2, 2, 2, 1 und 1 heraus. Und dies, obschon sich ihre Hüfte gelegentlich wieder meldet.
Damit hat sich Rast nicht nur zu einer ernst zu nehmenden Anwärterin auf die grosse Kristallkugel gemausert. In der Form ihres Lebens gehört sie auch in Milano Cortina 2026 zu den heissesten Medaillen-Kandidatinnen.