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Handicapierter Olympiasieger Das Kreuz mit dem Band

Carlo Janka fährt in dieser Saison mit nur einem Kreuzband im rechten Knie. Ein Unterfangen, das kaum je funktioniert.

Carlo Janka an einer PK
Legende: Wie geht er mit seinem Handicap um? Carlo Janka. Keystone

Ohne geht nicht. Die Kreuzbänder braucht das Kniegelenk, damit der Unterschenkel zum Oberschenkel nicht nach vorne oder hinten verschoben werden kann. Diese Schubladenbewegung wird zwar hauptsächlich durch die Muskulatur verhindert, aber die Kreuzbänder – je zwei pro Kniegelenk – helfen mit. Wenn man sie noch hat. Was im Fall von Carlo Janka nicht vollumfänglich der Fall ist.

Janka verzichtet auf Chirurgie

Als sich Janka kurz vor der letzten Saison im rechten Kniegelenk eines seiner Kreuzbänder riss, entschied er sich gegen eine Operation. Er wollte bei Olympia unbedingt dabei sein, was durch einen operativen Eingriff und die nachfolgende Rehabilitation unmöglich gewesen wäre. Und nach den Olympischen Spiele von Pyeongchang war das Jahr 2018 bereits so weit fortgeschritten, dass eine chirurgische Wiederherstellung des kaputten Kreuzbandes auch die folgende Saison beeinträchtigt hätte.

Deshalb trainierte Carlo Janka den ganzen letzten Sommer über mit nur drei von vier Kreuzbändern, und er steigt mit diesem Handicap auch in die neue Wettkampfsaison. Das haben andere auch schon probiert, aber es hat kaum je funktioniert.

Vertrauen ist der Schlüssel

Ein prominentes Gegenbeispiel ist Jörg Abderhalden. Der dreifache Schwingerkönig hat irgendeinmal aufgehört, sich seine Kreuzbänder operativ reparieren zu lassen. Und er hat auch so grösste Erfolge gefeiert, was eine ganz erstaunliche mentale Leistung gewesen ist, denn die entscheidende Herausforderung in dieser Situation ist es, das Vertrauen ins Kniegelenk wieder zu gewinnen.

Jörg Abderhalden verletzt im Sagmehl
Legende: Knieprobleme begleiteten seine Karriere Jörg Abderhalden. Keystone

Vor genau dieser mentalen Herausforderung steht auch Carlo Janka. Er ist zwar schmerzfrei, aber es gab in der Saisonvorbereitung Trainingsfahrten, da zog er einen Linksschwung auf dem Innenski durch, um einem möglichen Schlag auf das rechte Knie auszuweichen. Das mit dem Vertrauen funktionierte in diesen Momenten noch nicht. Je näher allerdings die Wettkampfsaison rückte, desto entschlossener fuhr Janka seine Trainingsläufe. Offensichtlich ist da ein Prozess im Gang, der auf der Weltcupstrecke von Lake Louise seine Fortsetzung erfahren hat.

Nach dem zweiten offiziellen Training, in dem Janka auf den ausgezeichneten sechsten Rang gefahren war, sprach er im Zielraum davon, wie wichtig die Schläge auf der Piste für ihn gewesen seien. Das ist nur ein scheinbarer Widerspruch zum Umstand, dass diese Schläge ja genau das Problem sind. Aber je öfter dieses Problem gemeistert wird, desto mehr kann Janka das Programm überschreiben, das seine Verletzung ihm als Schutzmechanismus ins Hirn gebrannt hat. Ein Programm, das zur Vorsicht mahnt und deshalb bremst.

Schläge benötigt

Janka braucht also die Schläge, damit mal für mal die Gewissheit wächst, dass sein rechtes Knie hält. Das ist die Basis für das zwingend nötige Vertrauen. Und dann geht es eben vielleicht doch ohne. Ohne eines der Kreuzbänder, dessen Fehlen eine ganz besondere mentale Herausforderung mit sich bringt. Carlo Janka ist drauf und dran, diese Herausforderung zu meistern.

Legende: Video Janka über sein Knie abspielen. Laufzeit 00:44 Minuten.
Aus Sport-Clip vom 22.11.2018.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Beni Berner (Beni)
    ich dachte immer, gesundheit geht vor. so will ich doch nicht hoffen, dass aus pseudoheroisch dann plötzlich dummheit wird.
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    1. Antwort von Josef Graf (Josef Graf)
      Gibt es bei Ihnen nur schwarz oder weiss, Herr Berner? Carlo Janka wird das Risiko eines Totalausfalles schon kennen. In diesem Fall müsste er die Saison halt abbrechen, die er im Falle einer Operation sowieso nicht hätte antreten können. Und ob er in seinem Alter in einem Jahr dann als Berufsskirennfahrer wieder hätte einsteigen können, wäre sehr unsicher. So abwegig war also seine Entscheidung nicht, auch wenn es eventuell die falsche war. Die Entscheidung ist weder pseudoheroisch noch dumm.
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