Es hätte eine der kitschigsten Ski-Stories der vergangenen Jahre werden können: Marco Odermatt holt seinen 100. Podestplatz im Weltcup mit einem Sieg auf der Streif. Die 100 hat der Nidwaldner am Samstag voll gemacht. Er ist erst der fünfte Skifahrer, der diese magische Marke knackt. Nur Ingemar Stenmark (155), Marcel Hirscher (138), Marc Girardelli und Henrik Kristoffersen (beide 100) haben dies vor ihm geschafft.
Ich fühle mich blöd, wenn ich mit einem 2. Platz enttäuscht bin. Von Kollegen getröstet werden, die weniger erreicht haben, fühlt sich blöd an.
Wäre da noch die Sache mit dem Sieg. Dieser Traum erfüllte sich für Odermatt einmal mehr nicht. Zum dritten Mal gab es für ihn eine «silberne Gams». «Ich hatte heute nur ein Ziel. Und wenn es dann so knapp ist, tut es schon weh», gab der Nidwaldner ohne Umschweife zu. Ihm fehlten am Ende nur 7 Hundertstel, um mit dem Triumph auf der Streif eine der ganz wenigen Lücken in seinem Palmarès zu schliessen.
Bei der Siegerehrung kullerten Odermatt einige Tränen über das Gesicht. Er ist wohl einer der wenigen, die angesichts eines 2. Rangs in Kitzbühel derart enttäuscht sind. Eine Tatsache, die ihm durchaus bewusst ist. «Ich fühle mich blöd, wenn ich mit einem 2. Platz enttäuscht bin. Von Kollegen getröstet werden, die weniger erreicht haben, fühlt sich blöd an.»
Odermatt wäre mit seinem 54. Weltcupsieg nicht nur zum grossen Hermann Maier aufgeschlossen, sondern hätte auch als erster Fahrer seit Didier Cuche 2010 innerhalb von 24 Stunden sowohl den Super-G wie auch die Abfahrt in Kitzbühel gewinnen können.
Bei Feuz klappte es auch erst im 11. Anlauf
So aber durfte sich ein anderer ausgiebig feiern lassen: Giovanni Franzoni. Der 24-Jährige ist mit seinem Streif-Sieg in die Liga der ganz Grossen aufgestiegen. «Im letzten Jahr habe ich das Zimmer mit Matteo Franzoso geteilt. Kitzbühel ist das Rennen, das jeder Abfahrer gewinnen will. Dieser Sieg ist für ihn», erklärte Franzoni im Interview nach dem Rennen mit brüchiger Stimme. Franzoso war vergangenen September nach einem Trainingssturz seinen schweren Verletzungen erlegen.
Franzoni hatte erst im Vorjahr seine Streif-Premiere gefeiert. Als 14. hatte er sich schon damals sehr wacker geschlagen, insbesondere auch deshalb, weil er damals noch die hohe Startnummer 53 trug. Dass er ein Jahr später bereits ganz zuoberst steht, hätte wohl nicht nur er kaum je zu träumen gewagt.
Dass es nicht bei allen derart schnell geht, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Es ist einer, der auch Odermatt Mut machen dürfte: Der dreifache Kitzbühel-Sieger Beat Feuz benötigte 11 Anläufe, um auf der Streif erstmals zu gewinnen. Vielleicht ein gutes Omen für das nächste Jahr. Odermatt steht bei 10.