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Legende: Die Armeen im 19. Jahrhundert forcierten das Duschen. Ziel: Möglichst viele möglichst schnell möglichst sauber bekommen. Keystone
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Duschen ist gesund – und dank dem Militär populär

Unser Tag beginnt mit der Brause, und wenn wir uns unter die Dusche stellen, dann verschwenden wir keinen Gedanken daran, dass vor 150 Jahren Duschen noch alles andere als selbstverständlich war, geschweige denn daran, dass man im Mittelalter das Wasser als Urheber von allerlei Seuchen fürchtete.

Mindestens einmal täglich duschen ist quasi der Eintrittspreis in die zivilisierte Welt. Die Duschkabine, eine im Grunde höchst einfache Vorrichtung mit Brause, Duschvorhang und Wanne, ist zum Lieblingskind der Architekten geworden: Der Boden beheizt, die Wände aus Naturstein und Glas, der Abfluss bodeneben und verdeckt – die Dusche ist ein Statussymbol und ihren stolzen Besitzern lieb und sehr teuer.

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Dusche
02:23 min, aus 100 Sekunden Wissen vom 27.11.2015.
abspielen. Laufzeit 02:23 Minuten.

Schon früher lieb und teuer

Geduscht wird seit Jahrtausenden. In Bädern der alten Griechen waren erste Duschen in Gebrauch, die Wasserfällen nachgebildet waren und deren kalter Strahl Löwen- oder Wildschweinköpfen aus Keramik entsprang.

In seiner «Naturalis Historia» beschreibt Plinius der Ältere, wie der geschäftstüchtige Gaius Sergius Orata im ersten Jahrhundert nach Christus Villen aufkaufte, mit Duschen ausstattete, die man «hängende Bäder» nannte und anschliessend mit sattem Gewinn wieder verkaufte. Den Namen hat die Dusche tatsächlich von den alten Römern. «Ductio», Latein für «Wasserleitung», wurde im Französischen zu «douche» und wanderte schliesslich ins Deutsche ein.

Im Mittelalter unbeliebt

Und doch: Lange Zeit war Duschen unbeliebt. Noch im Mittelalter meinten die Ärzte zu wissen, dass Wasser Krankheiten übertrug. Jean Pidoux, Leibarzt des französischen Hochadels, beschrieb zwar in einer Schrift von 1597 die heilende Wirkung regelmässigen Duschens. Und doch: Erst Ende des 19. Jahrhunderts begannen die Menschen in grossem Stil zu duschen.

Der Grund war, ausgerechnet, das Militär: Die Feldherren Frankreichs und Preussens erkannten, dass mit zum Himmel stinkenden, verlausten Heeren keine Schlachten zu gewinnen waren – und dass man allein mit Duschen so viele Soldaten so rasch wieder sauber bekam.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe , Gwatt
    Wasser wird ja jeden Tag wertvoller, vor allem für die "Rohstoffhändler" die daran sind die ganze Welt zu zerstören. Natürlich immer unter dem Vorwand von positiven Effekten. Hiermit hat man auf jeden Fall erreicht, was man gerne hätte: den Wasserverbrauch gesteigert. Denn ohne Warnung, dass eine 10-minütige Dusche viel zu viel Wasserverbrauch bedeutet + mit der Seife + Haarschampoos die in den 10 Minuten ebenfalls verbraucht werden, wird das ganze noch schlimmer. Früher lernte man Wassersparen.
    1. Antwort von Eduard Biner , Zermatt
      Wasser sparen: Kurz und gründlich abduschen, Wasser schliessen, einseifen, wieder kurz und gründlich abduschen. Das Wasser läuft so 2, höchstens 3 Minuten. Wieso lässt man es 10 Minuten ständig laufen?
    2. Antwort von M. Roe , Gwatt
      Biner: Ja genau so habe ich das gemeint. Falls der Beitrag aber eine Werbung gegen Badewannen sein soll, möchte ich folgendes dagegen sagen. Eine Badewanne zu haben ist immer ein Vorteil, denn man kann sogar besser in einer Badewanne duschen, als unter einer Dusche. Wenn man sich mit Waschlappen von oben bis untern wäscht (ist auch Massage) muss man sich in der Badewanne hinsetzen, sonst würde man umfallen, oder vom Stuhl fallen. Auch wenn man krank oder alt ist, braucht es öfter eine Badewanne.
    3. Antwort von Eduard Biner , Zermatt
      Roe: Nichts gegen die Badewanne, vor allem wenn man, wie Sie, vernünftig mit dem Wasser umgeht!
  • Kommentar von Kurt E. Müller , Zürich
    Mit Duschen kann man heutzutage sogar Politik machen. Duschen mit Doris!