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Hundertjährige in der Schweiz Hundert Jahre alt – und biologisch überraschend jung

Forschende entdecken im Blut von Hundertjährigen 37 Proteine für ungewöhnliche Langlebigkeit. Ist das ihr Geheimnis?

Noch nie zuvor gab es in der Schweiz so viele Hochbetagte wie heute. Die Hundertjährigen sind bei uns die am schnellsten wachsende Altersgruppe. Allein im Jahr 2024 waren es fast 2200 Personen – rund 470 mehr als noch vier Jahre vorher. Um Hinweise auf Langlebigkeit zu finden, untersuchten Forschende von den Universitäten Genf und Lausanne im Rahmen der Studie «SWISS 100» das Blut von Hundertjährigen und jüngeren Personen.

Wie sie nun in der Fachzeitschrift «Aging Cell» berichten, konnten sie im Blut von Hundertjährigen 37 Proteine identifizieren, deren Profil mit einer verlangsamten Alterung in Verbindung steht. Denn diese Proteine gleichen stärker jenen von Erwachsenen zwischen 30 und 60 Jahren als jenen zwischen 80 und 90 Jahren. Besonders auffällig waren dabei unter anderem fünf Proteine, die mit oxidativem Stress in Verbindung stehen.

Hundertjährige aus der Studie

Oxidativer Stress wird durch sogenannte freie Radikale verursacht. Er entsteht hauptsächlich aus zwei Quellen. Zum einen durch chronische Entzündungen, bei denen weisse Blutkörperchen freie Radikale in grösseren Mengen produzieren, um den Körper etwa gegen Bakterien und andere Krankheitserreger zu verteidigen.

Und zum anderen durch nicht mehr so gut funktionierende Mitochondrien, also den Kraftwerken unserer Zellen. Erstaunlich sei, dass Hundertjährige in dieser Hinsicht sehr ähnlich wie junge Menschen funktionieren würden, sagt der Altersforscher und Mediziner Karl-Heinz Krause, der an der Studie beteiligt war.

Wer einmal die Altersgrenze «Hundert» geknackt hat, scheint oft auch kognitiv noch relativ lang fit zu sein. So ergab eine weitere Auswertung der Studie «Swiss 100», dass 37 Prozent aller Hundertjährigen in der Schweiz keine kognitiven Beeinträchtigungen hätten und 20 Prozent nur wenige Einschränkungen von ihrer Leistungsfähigkeit.

Erstaunlich robust trotz schwerer Zeiten

«Überraschend ist auch, wie viele von ihnen psychisch resilient sind», sagt die Psychologin Daniela Jopp von der Universität Lausanne. Fast alle von ihnen hätten eine hohe Lebenszufriedenheit, obwohl sie mehrere historische und persönliche Krisensituationen durchgemacht hätten.

Doch wie alt kann man überhaupt werden? Wo liegt die biologische Altersgrenze? «Da gibt es nur eine ehrliche Antwort», sagt Krause. Man wisse es nicht. Generell gilt aber, dass vor allem die Umwelt sowie der Lebensstil einen grossen Einfluss auf das Alter der Hundertjährigen haben, ergänzt der Genfer Mediziner. Denn bekannt sei, dass ungefähr nur 25 Prozent des Alterungsprozesses genetisch bedingt sei.

Ältere Frau mit Sonnenbrille und Tafel, zeigt Jahr 1997 und Alter 122.
Legende: Historischer Altersrekord: Jeanne Calment hat als Jugendliche noch die bekannten Maler Paul Gauguin und Vincent van Gogh persönlich gekannt. Keystone / GEORGES GOBET

Weltweit lebte niemand länger als die Französin Jeanne Calment aus Arles, die 1997 verstarb. Sie wurde 122 Jahre und 164 Tage alt, nahm mit 85 noch Unterricht im Fechten, fuhr bis 100 noch Velo und liebte offenbar Süssigkeiten. Erst mit 119 hörte sie auf Empfehlung ihres Arztes auf, regelmässig Schoggi zu essen. Sie lachte aber auch gern und machte Scherze: Zum Beispiel, dass Gott sie wohl vergessen haben müsse.

Rendez-vous, 18.03.2026, 12:30 Uhr

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