- Die Tigermücke kann gemäss einer Studie das Chikungunya-Virus schon ab 14 Grad übertragen, viel früher als erwartet.
- Die Krankheit erhielt ihren Namen einst in Tansania, weil die Erkrankten wegen starker Gelenkschmerzen gekrümmt liefen.
Wer sich über den Stich einer Asiatischen Tigermücke mit dem Chikungunya-Virus infiziert, leidet zumeist an hohem Fieber, Hautausschlägen und starken Gelenkschmerzen. «Letztere können sehr schmerzhaft sein und Wochen oder sogar mehrere Monate andauern», sagt Mücken-Experte Pie Müller vom Swiss TPH in Allschwil bei Basel. Im Gegensatz zum ebenfalls über Tigermücken übertragenen Dengue-Virus sei die Krankheit aber viel weniger tödlich.
In der Schweiz gab es 2025 insgesamt 89 importierte Fälle von Chikungunya. Das sind knapp viermal mehr als 2024 mit 23 Fällen. Alle Betroffenen hatten sich im Ausland angesteckt. Für Schlagzeilen sorgte dagegen im Sommer 2025 ein Fall aus Frankreich: Rund 100 Kilometer von Basel entfernt, in Lipsheim bei Strassburg, erkrankte eine Person durch den Stich einer infizierten Mücke, ohne vorher in ferne Länder verreist zu sein.
«Es gab unweit der Schweizer Grenze letztes Jahr aber nicht nur in Frankreich, sondern auch in Italien sehr viele weitere Fälle von lokalen Übertragungen», sagt Müller. Das Risiko bestehe, dass es auch bei uns passiere.
Das Chikungunya‑Virus galt lange Zeit als Gesundheitsrisiko vor allem in tropischen Ländern Afrikas, Südamerikas und Asiens. Doch eine neue Studie britischer Forschenden zeigt nun, dass auch Europa vermehrt betroffen sein könnte. Demnach kann das Virus über den Stich einer hier lebenden Tigermücke bereits ab rund 14 Grad Celsius übertragen werden – zwei bis zweieinhalb Grad weniger als bisher vermutet. Optimal sind Temperaturen von 25 bis 26 Grad, also typische Sommerwerte vor allem im Mittelmeerraum.
Virenproduktion in Tigermücke
Je wärmer das Wetter ist, umso besser funktioniert die Übertragung des Virus durch die Tigermücke: Bei 30 Grad Celsius Umgebungstemperatur braucht es im Körper der Mücke weniger als zwei Tage, bis sie genug Viren in sich hat, um jemanden während des Blutsaugens anzustecken. «Bei tieferen Temperaturen ist die Mücke dagegen wenig aktiv und die Vermehrung des Virus dauert bis zu mehreren Wochen», sagt Müller.
Die neue Chikungunya-Studie hat nun das Übertragungsrisiko für Europa in Abhängigkeit von der Temperatur berechnet. Am höchsten ist es demnach im Juli und August. Rund die Hälfte der europäischen Fläche bietet in diesen Monaten geeignete Bedingungen. Vor allem Südeuropa – Italien, Spanien, Griechenland und Portugal – gilt als Hochrisikozone mit bis zu sechs geeigneten Monaten pro Jahr von Mai bis November. Aber auch Mitteleuropa, darunter Frankreich, Deutschland und die Schweiz, weist inzwischen einen drei- bis fünfmonatigen Eignungszeitraum auf.
«Das heisst aber nicht, dass es automatisch auch bei uns zu grossen Ausbrüchen kommen wird», sagt Müller. Entscheidend sei weiterhin, wie viele infizierte Reisende das Virus in die Region bringen und von Mücken gestochen werden.
Um die Wahrscheinlichkeit für eine Ansteckung in der Schweiz zu minimieren, sei es wichtig, die Populationen der Asiatischen Tigermücke zu bekämpfen. Und dafür könnten alle etwas tun, indem sie zum Beispiel potenzielle Brutstätten wie etwa stehendes Wasser in Gefässen in ihren Gärten während der Mückensaison einmal die Woche leeren. So können die gelegten Eier nicht ausschlüpfen oder die geschlüpften Larven sich nicht mehr zu ausgewachsenen Mücken entwickeln.