Ist es nur ein Mythos oder gibt es Studien, die «Wetterfühligkeit» belegen? In Umfragen berichten rund die Hälfte der Leute, dass sie mindestens einen leichten Einfluss des Wetters auf ihre Gesundheit spüren. Einen klaren, ursächlichen Zusammenhang zwischen Wetter und Gesundheit liesse sich aber nicht so richtig nachweisen, sagt Andreas Matzarakis. Er ist Professor für Bio- und Umweltmeteorologie an der Universität Freiburg im Breisgau. Man müsste für einen allgemeinen, klaren Nachweis enorm viele Daten sammeln und das ist kaum möglich. Etwas anders sieht es aus, wenn es um einzelne Krankheiten geht, da gibt es Studien, die Zusammenhänge finden – andere aber wiederum nicht. Zum Beispiel Studien zu Migräne und Wetterumschwüngen, die zu unterschiedlichen Resultaten kommen.
Wie lässt sich das Phänomen der Wetterfühligkeit erklären? Grundsätzlich reagieren alle Menschen aufs Wetter. Selbst wenn es nur ganz simpel ist: Was ziehe ich heute an? Braucht es einen Regenschirm? Menschen berichten aber auch von starken Schmerzen oder von Unwohlsein oder Unruhe. So können dunkle, neblige Tage für manche schwierig sein und zu schlechter Stimmung führen. Was aber die genauen Auslöser dafür sind, lässt sich nicht eindeutig beantworten. «Wir müssen uns bei Wetterwechsel körperlich anpassen», sagt Matzarakis. Das könne für einzelne Menschen schwierig sein. Es geht dabei nicht um die Änderung des Luftdrucks an sich: Ein Wechsel von einem Tief- zu einem starken Hochdruckgebiet macht nicht mehr aus, als wenn wir uns 300 oder 400 Höhenmeter hinauf oder hinunter bewegen.
Was bedeutet der starke Wetterwechsel, der diese Woche erwartet wird? Es scheint jetzt mal kurz Frühling zu werden, was für die Jahreszeit nicht total aussergewöhnlich ist. Viele werden das körperlich gut verarbeiten können. Zusätzliches Licht und wärmeres Wetter kann das Wohlbefinden fördern. Wer aber von sich weiss, dass er oder sie empfindlich auf Wetteränderungen reagiert, kann unter Umständen zwei bis drei Tage Anpassungszeit benötigen. «Ein Hochdruckgebiet macht unter normalen Verhältnissen den Menschen weniger aus», sagt Matzarakis. Die wärmeren Temperaturen und das trockene Wetter führen gemäss seinen Erfahrungen aber zu weniger Beschwerden, als wenn es kalt und feucht wird.
Welche Personen sind besonders von Wetterfühligkeit betroffen? Einige Forscher, so wie Matzarakis, unterscheiden zwischen «wetterfühlig» und «wetterempfindlich». Wetterfühlige Menschen werden oft von Kopfschmerzen und Schwindel geplagt. Diese Symptome würden sich je nach Wetterlage verstärken oder auch wieder abnehmen. Die wetterempfindlichen Personen hingegen seien Menschen, die oft eine längere Krankheitsgeschichte hätten. Ihr Körper könne sich deshalb bei Wetterveränderungen schwerer anpassen und die Symptome könnten zunehmen. Zum Beispiel Personen mit Rheuma, die bei Wetterwechseln von stärkeren Schmerzen berichten.
Kann man gegen Wetterfühligkeit etwas unternehmen? Da es gemäss Matzarakis bei den Reaktionen auf Wetterveränderungen auch um körperliche Anpassungen geht, könne man seinen Körper etwas trainieren. Und zwar mit Bewegung an der frischen Luft und genügend Schlaf, so der Bio- und Umweltmeteorologe. Alles Tipps, die auch generell das Wohlbefinden steigern können.