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App oder Sparschwein Braucht mein Kind eine Banking-App?

Alles läuft heute digital. Auch an der Kasse greifen die meisten Leute zum Handy statt zum Portemonnaie. Da kommt es einem schon fast anachronistisch vor, seinem Kind einen Fünfliber in die Hand zu drücken – wozu den Umgang mit Eisenmünzen lehren, wenn es am Ende wie alle anderen digital bezahlen wird?

Tanja Eder

Digitalredaktorin bei SRF

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Tanja Eder hat Wirtschafts- und Politikwissenschaften in Zürich und Genf studiert und am Schweizer Finanzplatz gearbeitet. Seit 2022 ist sie Teil der SRF-Digitalredaktion. Ihre Spezialgebiete sind die ökonomischen, geopolitischen und sozialen Dimensionen der Digitalisierung, die Cybersecurity und Games.  

Braucht mein Kind eine Banking-App?

Digitales Bezahlen ist heute allgegenwärtig. Sobald Kinder grössere Einkäufe machen als Kaugummis am Kiosk, wäre es auch für sie praktisch. Trotzdem ist es für Kinder wichtig, physisches Geld kennenzulernen, bevor sie zum digitalen Geld wechseln: Mit Münzen lernen Kinder besser als mit abstrakten Konzepten. Die Budgetberatung Schweiz empfiehlt ein eigenes Bankkonto ab der Oberstufe.

MrBeast kauft eine Bank

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MrBeast ist der wohl erfolgreichste Youtube-Star. Mit seinen Videos, in denen er Geld verschenkt, ist er reich geworden.

Zu seinem Imperium gehören inzwischen auch Snacks und Fernsehshows und seit neustem auch eine Banking-App für Kinder und Jugendliche.

Um ein Konto bei seiner Neobank «Step» zu eröffnen, gibt es kein Mindestalter, allerdings braucht es die Einwilligung der Eltern. Offen steht sie nur Kunden in den USA.

Ein besonderer Fokus von «Step» liegt darauf, dass Kids einen starken Kreditscore aufbauen können. Nur wer eine hohe Verlässlichkeit bei der Rückzahlung von Kreditschulden unter Beweis gestellt hat, kann später zu günstigen Konditionen Kredite aufnehmen. Im Gegensatz zu den USA sind in der Schweiz Kreditscores für Kinder kein Thema – hier ist es wichtiger, sparen zu lernen.

Welche Bank-Apps für Kinder gibt es in der Schweiz?

Die meisten Banken bieten Jugendkonten inklusive App ab 10 oder 12 Jahren, meist sogar gratis. Das Kinderkonto der UBS gibt es bereits schon ab sechs Jahren. Ein eigenes Konto unabhängig von den Eltern bietet zum Beispiel die Neobank «Yuh», allerdings erst ab 14 Jahren.

Bank vs. Neobank

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Während die meisten Banken für ihr Onlinebanking auch Apps anbieten, steht bei Neobanken die App im Vordergrund. Das merkt man als Nutzerin und Nutzer an den reibungslosen digitalen Prozessen, dem modernen und intuitiven Design der App und der günstigeren Preisen, da diese Banken auf Filialen verzichten können.

Die erfolgreichste Neobank der Schweiz, Yuh, gehört zu Swissquote. Seit Beginn richtet sie sich an junge Menschen, seit kurzem hat sie auch ein Angebot für Jugendliche: Yuh 14+. Das Ziel laut CEO Jan de Schepper: Dass die Jugendlichen «ein ‹Gspüri› für Geld bekommen und finanzielle Selbständigkeit erlangen können.»

Mit dem Jugendkonto kann man sparen und bezahlen, aber noch nicht investieren und auch keine Kredite aufnehmen. Yuh verzichtet auch auf das Punktesystem, das erwachsene Kunden zum Konsummieren anregen soll.

Philipp Frei von der Budgetberatung Schweiz bewertet die Jugendkonten der Schweizer Banken insgesamt als positiv: «Wir haben den Eindruck, dass da ernsthafte Interessen dahinter sind, dass Kinder und Jugendliche das lernen.»

Wie sicher sind diese Apps?

Banking-Apps von Schweizer Banken sind meist sehr sicher. Kinder- und Jugendkonten bieten zudem meist zusätzlichen Schutz, zum Beispiel kann man damit nicht ins Minus gehen und Schulden machen. Allerdings ist wie immer im digitalen Raum die Cyberhygiene wichtig: starke Passwörter setzen und nicht auf zwielichtige Links klicken.

Worauf müssen Eltern achten?

Im besten Fall begleiten Eltern ihre Kinder bei ihren ersten Schritten ins digitale Banking. Sie sollten sich die Funktionen der App gemeinsam anschauen und zum Beispiel zusammen mit dem Kind ein Budget erstellen, Limiten einrichten und Kaufentscheidungen reflektieren.

Besonders wichtig laut Budgetberatung Schweiz: Die Kinder selbständig entscheiden und auch Fehler machen lassen, denn so können sie am besten lernen. Und je früher ein Fehler passiert, desto weniger schlimm die Konsequenzen.

Wo lauern Fallen beim Übergang zum Erwachsenenkonto?

Mit dem 18. Geburtstag verschiebt sich das Narrativ von einem Tag auf den nächsten von «Schutz» zu «Selbstverantwortung». Je mehr Verantwortung die Jugendlichen vorher schon schrittweise tragen lernen, desto besser.

Aber junge Erwachsene, insbesondere junge Männer, sind anfällig für Spielsucht. Auf den sozialen Medien werden sie mit der Botschaft bombardiert, dass «richtige Männer» mit Investieren reich werden sollten. «Finance Influencer» preisen riskante Anlagestrategien wie Krypto oder Daytrading an – im Gegensatz zum klassischen Investieren, bei dem man ein diversifiziertes Portfolio eröffnet und mindestens fünf Jahre nichts anfasst, führen diese Strategien jedoch im Schnitt zu Verlusten.

SRF 3, 8.4.2026 15:15

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