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Hass gegen Frauen Mehr Gewalt, mehr Misogynie: Was eine Berner Studie zeigt

Christian Ulmen soll seine Ex-Frau jahrelang digital vergewaltigt haben – das bewegt Deutschland: Tausende demonstrieren gegen sexualisierte Gewalt und Frauenfeindlichkeit.

Doch nicht nur der Fall Ulmen macht deutlich: Frauenfeindlichkeit ist ein aktuelles, gesellschaftliches Problem. Im vergangenen Jahr nahm die Gewalt gegen Frauen auch in der Schweiz zu, wie die Kriminalstatistik des Bundes zeigt. In einer internationalen Umfrage sind rund ein Drittel der Gen-Z-Männer der Meinung, eine Ehefrau habe ihrem Mann zu gehorchen.

Eine besonders breit angelegte Studie der Uni Bern belegt nun, dass frauenfeindliche Medieninhalte dazu beitragen, den niedrigeren gesellschaftlichen Status von Frauen zu festigen. Studienautorin Christa Nater darüber, wie uns misogyne Inhalte beeinflussen.

Christa Nater

Psychologin

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Dr. Christa Nater ist Postdoktorandin in der Abteilung Soziale Neurowissenschaft und Sozialpsychologie am Institut für Psychologie der Universität Bern.

Foto: University of British Columbia/Paul Joseph

SRF Wissen: Warum braucht es diese Studie?

Christa Nater: Bisher haben Studien die Auswirkungen des Konsums frauenfeindlicher Inhalte meist in sehr spezifischen Formaten erforscht, in Pornografie etwa oder in Rapvideos.

Je mehr frauenfeindliche Inhalte konsumiert werden, desto stärker sind feindselige Einstellungen und Reaktionen gegenüber Frauen.

Wir hingegen haben erstmals umfassend untersucht, wie der Konsum über verschiedene Medienformate hinweg mit feindseligem Verhalten gegenüber Frauen zusammenhängt. Und wir haben untersucht, für wen der Konsum besonders gravierende Folgen hat.

Sie haben das ganzes Spektrum von Filmen, über Serien, Musik und Werbung bis hin zu sozialen Medien untersucht?

Genau. Gleichzeitig haben wir viele mögliche Reaktionen darauf – also unterschiedliche Formen von Frauenfeindlichkeit – untersucht: Von subtilen Stereotypen und abwertenden Witzen bis hin zu offener Gewalt oder der Objektifizierung von Frauen.

Zu welchen Ergebnissen kommen Sie?

Der zentrale Befund ist klar: Je mehr frauenfeindliche Inhalte konsumiert werden, desto stärker sind feindselige Einstellungen und Reaktionen gegenüber Frauen. Dieser Zusammenhang zeigt sich sowohl in Experimenten als auch in Befragungsstudien aus dem Alltag.

Gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen?

Ja. Männer reagieren im Durchschnitt stärker, doch auch Frauen sind nicht immun. Besonders auffällig ist der Effekt bei Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren. Eine mögliche Erklärung ist, dass Jugendliche stärker beeinflussbar sind, weil sie noch weniger Erfahrung im Umgang mit Medien haben und beobachtete Verhaltensmuster eher übernehmen.

Spielt die Art der Inhalte eine Rolle?

Nicht alle Inhalte wirken gleich. Explizite Gewalt gegen Frauen beispielsweise führt nur bei Männern zu stärkeren, aggressiveren Reaktionen, jedoch nicht bei Frauen. Subtilere Formen hingegen – etwa stereotype Darstellungen oder sexualisierte Inhalte – wirken auf beide Geschlechter.

Hat sie das Ergebnis überrascht?

Vor allem, dass sich der Effekt durch alle Medien zieht. Es ist weniger wichtig, ob sie aus Filmen, Musik oder sozialen Medien stammen – entscheidend ist, dass sie frauenfeindlich sind.

Wie können wir uns schützen?

Medien spiegeln gesellschaftliche Strukturen, verstärken diese aber auch. Veränderungen in der Darstellung von Frauen können deshalb langfristig Entwicklungen beeinflussen – auch zum Positiven. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach Regulierung, bei Werbung etwa oder in den sozialen Medien. Ein zentraler Schutzfaktor ist aber auch unser Bewusstsein. Wenn wir problematische Darstellungen erkennen, können wir uns eher davon distanzieren.

Das Gespräch führte Angelika Kren.

SRF 1, Tagesschau, 23.3.2026, 19:30 Uhr ; 

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