Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Sommersprossen Science Was Sommersprossen über Sie verraten

Sie kommen im Sommer, verschwinden im Winter – und gelten heute als Schönheitsideal. Aber was sind Sommersprossen eigentlich, woher kommen sie, und sollte man sich Sorgen machen, wenn man viele hat? SRF Wissenschaftsredaktorin Gina Buhl ordnet ein.

Gina Buhl

SRF Wissenschaftsredaktorin

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Gina Buhl ist Wissenschaftsredaktorin bei SRF mit Schwerpunkt auf Stoffwechselerkrankungen, Ernährung, Sport und Frauengesundheit.

Wieso gibt’s Sommersprossen?

Weil die Haut ihren Farbstoff – das Melanin – nicht immer gleichmässig verteilt, sondern ihn an bestimmten Stellen konzentriert. Man kann sich das vorstellen wie ein Stadtplan, auf dem statt gleichmässiger Besiedlung einfach Ballungszentren entstehen. Genau das sind Sommersprossen. Und weil Melanin der Stoff ist, der uns vor UV-Strahlung schützt, reagieren diese Ballungszentren besonders stark auf Sonne – weshalb Sommersprossen im Sommer dunkler werden und im Winter oft fast verschwinden.

Wieso haben manche mehr, andere weniger oder gar keine?

Kurz gesagt: Es liegt an den Genen. Entscheidend ist vor allem das Gen MC1R. Wer eine bestimmte Variante davon trägt, hat oft helle Haut, rötliches oder blondes Haar – und eben Sommersprossen. Es gibt sogar eine Studie im Fachjournal Human Molecular Genetics, die zeigt: Wer gleich zwei Varianten dieses Gens trägt, hat eine elfmal höhere Chance, Sommersprossen zu kriegen. Elfmal – das ist genetisch gesehen eine ziemlich klare Ansage. Was Forschende bis heute aber noch nicht ganz verstehen: Das Gen erklärt zwar, warum jemand überhaupt Sommersprossen kriegt – aber nicht, warum sie genau dort entstehen, wo sie entstehen. Und nicht einen Zentimeter weiter.

Haben Sommersprossen einen bestimmten Nutzen?

Jein. Die Haut versucht es zumindest – das Melanin sammelt sich an bestimmten Stellen und absorbiert dort UV-Strahlung. Klingt nach eingebautem Sonnenschutz, hat aber einen Haken: Das Pigment, das bei Sommersprossen-Menschen dominiert, ist weniger effektiv als das bei dunklerer Haut – und reagiert bei zu viel Sonne sogar leicht  gegenteilig. Der Schutz ist also sehr begrenzt. Sonnencreme bleibt Pflicht.

Sind Sommersprossen gefährlich, wenn man zu viele hat?

Die Flecken selbst sind harmlos. Aber sie sind ein genetisches Signal – wer sie hat, trägt meist auch eine Variante des MC1R-Gens, die gleichzeitig die Anfälligkeit für Hautkrebs erhöht. Sommersprossen sind quasi die sichtbare Botschaft der Haut: «Ich bin empfindlicher – pass auf mich auf.» Das ist kein Grund zur Panik, aber ein guter Grund, die Haut regelmässig beim Dermatologen checken zu lassen und konsequent Sonnenschutz zu verwenden. Weniger Drama, mehr SPF 50.

Wie hat sich die Wahrnehmung verändert?

Früher war klar: Wer Sommersprossen hatte, war viel draussen – und das hiess meistens, man schuftet. Das galt nicht als schön. Es gab sogar einen ganzen Markt an Cremes, die versprachen, sie wegzumachen. Heute ist das komplett umgekehrt. Body Positivity, mehr Diversität in der Mode- und Beautywelt, Social Media – Sommersprossen werden jetzt bewusst gezeigt, nicht mehr versteckt. Es gibt mittlerweile Make-up, das sie aufs Gesicht zaubert, manche lassen sie sich sogar tätowieren. Was früher weggecremt wurde, wird heute draufgemalt. Die Biologie hat sich nicht verändert – nur was wir schön finden.

Noch mehr fleckige Fakten

Box aufklappen Box zuklappen
  • Babys kommen nie mit Sommersprossen zur Welt – sie entwickeln sich erst nach den ersten Sonnenkontakten, meist ab dem zweiten oder dritten Lebensjahr.
  • Im Alter verschwinden sie bei manchen Menschen wieder – ihre Melanozyten sind dann schlicht weniger aktiv.
  • Hormone spielen auch eine Rolle: Die Pille oder eine Schwangerschaft können Sommersprossen verstärken oder neue entstehen lassen.
  • Sommersprossen gibt es nur auf sonnenexponierten Stellen – unterm Arm oder auf der Fusssohle wirst du keine finden.
  • Der medizinische Fachbegriff lautet «Ephelides» – und taucht bereits in antiken griechischen Texten auf. Die Wissenschaft beschäftigt sich also schon sehr lange damit.

Radio SRF Virus, 27.4.2026, 07:15 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel