Von Tasse zum Darm zum Gehirn
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Mit oder ohne Koffein? Kaffee wirkt ohnehin
Kaffee kann auch unabhängig vom Koffein Hirnfunktionen und Stimmung beeinflussen. Eine aktuelle Studie hat die Rolle der Darm-Hirn-Achse dabei untersucht.
Mehr Aufmerksamkeit, Motivation und bessere Stimmung. Effekte, die wir oft dem Koffein im Kaffee zuschreiben. Doch Hinweise häufen sich, dass Kaffee auch ohne Koffein wirkt. Vor allem über die Darm-Hirn-Achse: Gewisse Inhaltsstoffe verändern nämlich das Darmmikrobiom, das wiederum das Gehirn beeinflussen kann.
Genau das hat nun eine Studie näher untersucht. Sie zeigt etwa, dass sich sowohl bei koffeinhaltigem als auch -freiem Kaffee sogenannte Polyphenole und ihre Abbauprodukte im Darm anreichern. Diesen Stoffen werden positive Effekte auf Hirnfunktionen und Stimmung zugeschrieben.
Versuchsablauf in 3 Phasen
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Die Studie bestand aus drei Phasen. Begleitet wurden diese durch Blut-, Speichel-, Urin- und Stuhlproben sowie Fragebögen und Tests zu Stimmung, kognitiven Fähigkeiten, Stresslevel und Schlaf.
Insgesamt nahmen 62 Personen an der Studie teil. Die Hälfte davon trinkt üblicherweise Kaffee, die andere Hälfte nicht.
- Phase 1: Zu Beginn werden die Kaffeetrinkerinnen und -trinker mit Personen verglichen, die keinen Kaffee konsumieren. In der vorliegenden Stichprobe zeichneten sich die Nicht-Kaffeetrinkerinnen und -trinker unter anderem durch eine geringere Impulsivität und emotionale Reaktivität, ein geringeres Entzündungsrisiko und potenziell gesündere Mikrobiom-Profile aus.
Die folgenden zwei Phasen durchliefen nur die 31 Kaffeetrinkerinnen und -trinker.
- Phase 2: Während zwei Wochen wurden die Versuchspersonen angewiesen, auf Kaffee zu verzichten. In dieser Phase sanken unter anderem die Konzentrationen sogenannter Polyphenole im Urin – plausibel, da Kaffee eine wichtige Quelle dieser Stoffe ist.
- Phase 3: Anschliessend sollten die Teilnehmenden über drei Wochen täglich vier Beutel eines bereitgestellten Kaffees trinken. Dieser enthielt bei einer Hälfte Koffein, bei der anderen nicht. Die Teilnehmenden wussten nicht, welche Variante sie erhielten.
In der Studie gingen beide Kaffeevarianten – also mit und ohne Koffein – mit geringeren Stress- und Depressionswerten einher. Gleichzeitig war nur koffeinhaltiger Kaffee mit weniger Angst und psychischer Belastung verbunden. Koffeinfreier dagegen mit besserem Gedächtnis und Schlaf.
Koffeinhaltigen mit -freiem Kaffee gleichzusetzen, wäre zu kurz gegriffen. Klar wird aber: Kaffee ist mehr als nur Koffein.