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Ornithologische Sensation Auf den Spuren der Mini-Eule: Der Sperlingskauz breitet sich aus

Dank der hartnäckigen Suche eines Hobby-Ornithologen wird klar: Der seltene Sperlingskauz besiedelt in der Schweiz deutlich mehr Gebiete, als die Experten bisher wussten.

Es ist noch dunkel, knapp sechs Uhr. Martin Roost steht im Wald und lauscht. Wer den Sperlingskauz hören oder sogar sehen will, muss früh aufstehen. «Er ruft oft noch vor Sonnenaufgang und meist nur wenige Sekunden oder Minuten und dann ist der Spuk schon vorbei», sagt Roost, der seit bald 40 Jahren Vögel beobachtet. Wir sind auf dem Schaffhauser Randen, einem Ausläufer des Juras, fast am nördlichsten Punkt der Schweiz.

Der kleine Kauz ist nur etwa 17 Zentimeter gross, kleiner als eine Amsel. Er frisst Mäuse, macht aber auch Jagd auf Vögel, die grösser sind als er selbst. Er wird deshalb auch «kleines Teufelchen» genannt.

50 Reviere alleine im Kanton Schaffhausen

Vögel gehören zu den besterforschten Tiergruppen der Schweiz. Tausende von Ornithologen registrieren fast jeden nicht allzu häufigen Vogel und machen entsprechende Meldungen an die Vogelwarte Sempach – pro Jahr kommen so 1.5 Millionen Meldungen zusammen. Umso erstaunlicher ist es, dass der kleine Sperlingskauz vielerorts so lange übersehen worden ist. Das sich das geändert hat, ist zu grossen Teilen Martin Roost zu verdanken.

Mann im Wald schaut nach oben.
Legende: Der Ornithologe Martin Roost sucht seit zehn Jahren intensiv nach dem Sperlingskauz. Christian von Burg

Dass der Sperlingskauz in den Alpen und im Westschweizer Jura vorkommt, ist seit langem bekannt. Im Kanton Schaffhausen aber wurde er vor zehn Jahren nur per Zufall entdeckt. Seither ist Roost dem kleinen Teufelchen verfallen. «Alleine diesen Januar und Februar habe ich an 40 Morgen nach ihm gesucht», sagt der versierte Hobby-Ornithologe und Naturschützer. Der Aufwand hat sich gelohnt: Gegen 50 rufende Männchen hat er seither entdeckt, auch in tiefen Lagen und sogar in unmittelbarer Nähe zur Stadt Schaffhausen.

Kleine Eule auf einem Baumstamm sitzend.
Legende: Der Sperlingskauz hat einen durchdringenden Blick. Wenn er ruft, tönt es wie ein weiches, regelmässiges menschliches Pfeifen. Quelle?

Für die Experten der Vogelwarte war diese grosse Verbreitung überraschend. Und die Entdeckung hat sich bereits herumgesprochen. Unterdessen wird die kleine Eule auch in den Kantonen Zürich, Aargau und Baselland gesucht – und immer öfter auch gefunden. Der Sperlingskauz habe sich bisher nicht nur gut versteckt, sagt Roost, «er hat sich in den letzten Jahren wohl auch stärker verbreitet.»

Baumhöhlen dienen auch als Vorratskammern

Plötzlich hält der Ornithologe inne und vergrössert mit den Händen seine Ohrmuscheln. «Da ganz weit hinten hör ich ihn.» Wir gehen durchs Unterholz, den Rufen entgegen – aber dann ist plötzlich wieder Ruhe. Dafür stehen wir jetzt vor einer hohen, toten Buche. «Das ist mit grosser Wahrscheinlichkeit der Brutbaum», sagt Roost. Der Baum ist von einem Buntspecht völlig durchlöchert worden und sieht aus wie eine überdimensionierte Blockflöte.

Person im Wald mit hohen Bäumen und Laub auf dem Boden.
Legende: Die stärkere Verbreitung von Totholz dürfte zum Aufschwung des Sperlingskauzes mit beigetragen haben. Christian von Burg

«Nur eine dieser Höhlen hinter den Löchern braucht er zum Brüten», sagt Roost, «die anderen dienen sozusagen als Kühlschrank». Der Kauz lagert darin Mäuse, um seine Jungen auch bei einer Jagdflaute ausreichend mit Fressen versorgen zu können.

Plötzlich sind die weichen Rufe wieder zu hören. Roost setzt den Feldstecher an die Augen – und endlich: «Da zuoberst auf dieser Fichte.» In den ersten Strahlen der Sonne sitzt der heimliche Kauz. Er ruft und dreht dabei den Kopf abwechslungsweise nach rechts und dann wieder nach links.

Tagesschau 31.3.2026, 19:30 Uhr

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