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Schlaue Vögel Raben bedienen sich am Jagdglück von Wölfen

Eine Studie im Yellowstone-Nationalpark zeigt, wie klug Raben Wölfe um einen Teil ihrer Beute bringen.

Raben sind schlau. Das ist nicht neu. Doch es lohnt sich immer mal wieder, genau hinzuschauen, dann findet man Erstaunliches. Die Mühe haben sich Forscher im Yellowstone-Nationalpark in den USA gemacht.

Sie verfolgten die Bewegungen der Tiere über zweieinhalb Jahre. 69 Kolkraben hängten sie winzige GPS-Sender um, 20 Wölfe bekamen ein GPS-Halsband.

Schwarzer Vogel im Schnee.
Legende: Die Vögel wurden zur Lokalisierung und Identifizierung mit einem GPS-Sender und farbigen Markierungen versehen. Matthias Loretto

Die Forscher wollten herausfinden, wie es Raben gelingt – oft scheinbar wie von Zauberhand –, zur richtigen Zeit am richtigen Ort aufzutauchen, nämlich dort, wo ein Rudel Wölfe grade fette Beute gemacht hat. Die Raben können sich dann reichlich an der Beute bedienen, egal wie sehr die Wölfe auch versuchen mögen sie wegzubeissen.

Aasfresser haben es schwer

Das Problem, das Raben hier immer wieder erfolgreich lösen, ist nicht trivial: Sie ernähren sich vor allem von Aas, können selbst nicht jagen, sie sind also um zu überleben darauf angewiesen, dass ein Tier stirbt. Durch Krankheit, Alter oder Jagd.

Raben und Wölfe im Schnee.
Legende: Raben und Wölfe im Yellowstone-Nationalpark. Daniel Stahler

Die These, die bisher die meisten Rabenforscher überzeugte, war, dass Raben jagenden Wölfen schlicht hinterherfliegen und sie solange verfolgen, bis die Wölfe ein Tier erlegen. Das wäre eine zielführende, aber ziemlich energieintensive Lösung.

Der Klügere wartet einfach

Es ist anders: Raben haben zwei Fähigkeiten, die ihnen hier entscheidend helfen. Erstens ein sehr gutes Gedächtnis, und sie können sich zweitens räumlich sehr gut orientieren. Dazu kommt die Tatsache, dass das Jagdglück der Wölfe offenbar nicht zufällig verteilt ist. Jagdglück haben die Wölfe immer wieder an den gleichen Orten.

Diese Orte merken sich die Raben, kehren regelmässig wieder dorthin zurück und warten einfach, ganz in Ruhe. Sie warten bis die Wölfe mal wieder Beute machen. Und dann bedienen sie sich. Ganz bequem.

Rabe auf Holzpfahl.
Legende: Die Raben verweilen regelmässig in der Nähe potenzieller Wolfsbeuteorte. Matthias Loretto

Ob es in der Schweiz solche Konstellationen auch gibt, ist nicht bekannt, aber doch einigermassen wahrscheinlich. Kolkraben und Wölfe gäbe es inzwischen wieder genug. Wer beim Wandern oder Klettern in Wolfsgebiet unterwegs ist, kann ja mal genauer hinschauen, und hat vielleicht Beobachterglück.

Publikation der Studie in «Science»

Radio SRF 1, Echo der Zeit, 13.3.2026, 18:00 Uhr

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