Worum geht es? Bis vor wenigen Jahren war die hochansteckende Rinderseuche Lumpy Skin Disease (LSD) eine Krankheit, die weit weg war. Sie kam in Asien und Afrika vor. Doch im Juni 2025 dann gab es zuerst Fälle in Sardinien und kurz danach in Frankreich, nahe der Schweizer Grenze. Vor kurzem hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) nun entschieden: Schweizer Rinder dürfen diesen Sommer nicht nach Frankreich auf die Alp. Das Risiko, dass die Rinderseuche eingeschleppt wird, ist zu hoch.
Gibt es aktuelle Fälle? Momentan ist die Situation ruhig. Doch mit dem Frühlingsbeginn rechnet das BLV damit, dass es in Frankreich neue Fälle geben wird, weil dann wieder vermehrt blutsaugende Insekten wie die Stallfliege unterwegs sind. Sie sind es, die das Virus hauptsächlich verbreiten. Die Fliegen tragen es an ihren Mundwerkzeugen und bringen es so von Tier zu Tier. Einmal angesteckt, können infizierte Tiere das Virus auch untereinander weitergeben. Besonders viel Virus steckt in den für die Krankheit typischen Hautknoten, die aufplatzen oder abfallen können.
Für wen ist die Rinderseuche gefährlich? Vom Virus betroffen sind Rinder, Büffel und Bisons. Sie bekommen hohes Fieber und Knoten unter der Haut. Daher kommt auch der deutsche Name: Hautknotenkrankheit. Infizierte Kühe geben weniger Milch, tödlich verläuft die Krankheit jedoch nur selten. Für den Menschen ist sie ungefährlich.
Wie hat die Rinderseuche den Sprung nach Mitteleuropa geschafft? Das ist noch unklar. Hinweise auf einen Tiertransport eines infizierten Rindes gibt es keine. Eine Theorie, die aber diskutiert wird, ist die Verbreitung durch den Wind. Für andere Krankheiten, die durch Insekten übertragen werden, ist dies schon gezeigt worden.
Was passiert, wenn es einen ersten Fall in der Schweiz gäbe? Der betroffene Betrieb müssten gesperrt und alle empfänglichen Tiere auf dem Betrieb getötet werden. Um den Herd herum würden eine Schutzzone im Umkreis von 20 Kilometern und eine Überwachungszone im Umkreis von 50 Kilometern gezogen. Innerhalb dieser Zonen werden zum Beispiel Tiermärkte verboten sein und alle Rinder geimpft werden. Diese rigorosen Massnahmen sind laut BLV nötig, da LSD gemäss Seuchenverordnung zu den hochansteckenden Tierseuchen gehört.
Welche wirtschaftlichen Folgen hätte das? Das lässt sich nicht eindeutig beziffern. Das Bundesamt für Landwirtschaft, aber auch die Branchenorganisation Swissmilk gehen jedoch von grossen wirtschaftlichen Schäden aus, käme es zu einem grösseren Seuchenbefall in der Schweiz. Denn würde die Schweiz den Status «seuchenfrei» verlieren, könnten Länder, die Rohmilchprodukte aus der Schweiz beziehen, den Handel einstellen. Swissmilk rechnet auch damit, dass ein grösserer Seuchenbefall den Milchpreis unter Druck setzen würde.
Könnte man nicht einfach alle Tiere impfen? Mit einer Durchimpfung würde die Schweiz ihren Status als seuchenfreies Land verlieren, mit den entsprechenden wirtschaftlichen Folgen. Darum wird nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich geimpft.
Hat das Risiko für Tierseuchen zugenommen? Das Risiko hat in den letzten Jahren in ganz Europa zugenommen. Ein Grund ist die Globalisierung: Menschen reisen immer mehr, aber auch Waren und Tiere. Ein anderer Faktor ist die Klimaerwärmung. Es tauchen neue Insektenarten auf, die Seuchen übertragen können. In der Schweiz gilt aktuell Warnstufe Rot für Lumpy Skin Disease sowie die afrikanische Schweinepest.