Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben homosexuelles oder bisexuelles Verhalten bereits bei mehr als 1500 Wildtierarten dokumentiert – vorwiegend bei solchen, in denen soziale Bindungen eine zentrale Rolle spielen, wie Delfinen, Vögeln oder Primaten. Letztere standen im Mittelpunkt der aktuellen Untersuchung des Imperial College London. Die in der Fachzeitschrift «Nature Ecology & Evolution» veröffentlichten Ergebnisse legen nahe, dass homosexuelles Verhalten einen evolutionären Vorteil für die Art bieten könnte.
«Sexuelles Verhalten zwischen Individuen desselben Geschlechts kann die sozialen Bindungen innerhalb einer Gruppe stärken. Es kann sich positiv auf die körperliche Verfassung auswirken und die Überlebenschancen erhöhen», erklärte Chloë Coxshall, Doktorandin der Biologie und Autorin der Studie, am Donnerstag gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).
Vergleich mit dem Menschen
Nach der Auswertung wissenschaftlicher Literatur zu rund 500 Affenarten identifizierten die Forschenden eine «tiefgreifende evolutionäre Wurzel» dieser Praktiken. Sie helfen, Spannungen innerhalb der Gruppe auf natürliche Weise abzubauen und soziale Bindungen unter ökologischen und sozialen Belastungen zu festigen.
Die Forschenden warnen jedoch davor, diese Beobachtungen direkt auf den Menschen zu übertragen. Bei Tieren handelt es sich um rein biologische Verhaltensweisen. Kulturelle Faktoren, die die Entwicklung der Sexualität beim Menschen prägen, sowie Aspekte wie Geschlecht oder Identität bleiben dabei unberücksichtigt.