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Shenzhen – Die «Smart City»
Aus Wissen Webvideos vom 15.10.2021.
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Internet der Dinge Unerwünschte Späher: Vorsicht bei «Smart Home»-Produkten

Licht an, Heizung hochgedreht und das Lieblingslied läuft auch schon: ganz automatisch beim Öffnen der Haustür oder per Sprachbefehl an eine Lautsprecherbox. Das Internet der Dinge ist Realität in immer mehr Schweizer Haushalten.

Roboterverkäufe nehmen zu

Laut einer Studie der Universität Luzern aus dem Jahr 2020 nutzen bereits 73 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer Produkte wie Fitnessuhren oder Roboterstaubsauger.

Die Tendenz ist steigend. Das bestätigen auch die Verkaufszahlen von digitec und Galaxus. Im Jahr 2020 stieg das Wachstum im Bereich «Smart Home» um durchschnittlich 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Ist ja auch bequem: Putzt samstags ein Roboter die Wohnung, bleibt mehr Zeit am Wochenende für die Velotour. Und das Licht per Zuruf zu steuern, ist einfacher als vom Sofa aufzustehen und den Schalter selbst zu drücken.

Was zum «Internet der Dinge» gehört

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Sobald ein Gerät, z.B. eine Lampe, mit dem Internet verbunden ist, gehört es zum «Internet der Dinge». Die Lampe sendet Daten an den W-Lan-Router. Dieser wiederum gibt diese weiter an die Herstellerfirma. Ans Internet angeschlossene Geräte können untereinander kommunizieren.

Dazu zählen:

  • Consumer Produkte wie Smartphones
  • Smart Home: Z.B. eine Lampe, die über das Smartphone gesteuert wird.
  • Industrie 4.0: Wenn im Onlinehandel z.B. Roboter anstatt Menschen die Produkte im Lager aus dem Regal nehmen und verpacken.
  • Smart Farming in der Landwirtschaft: Sensoren im Boden zeigen, ob die Pflanzen Wasser oder Dünger brauchen.
  • Smart City für eine bessere Lebensqualität. Z.B. Sensoren steuern Ampeln je nach Verkehr.

Hacker haben ein leichtes Spiel

Das Risiko dabei: «Internetfähige Produkte lassen sich unter Umständen einfach hacken», sagt Abraham Bernstein, Informatikprofessor an der Universität Zürich. Durch Sicherheitslücken in den Softwares von Lautsprechern, Lampen und Co. können Hacker auf die Geräte zugreifen. Weil darin immer öfter Mikrofone und Kameras eingebaut sind, können die Hacker Menschen ausspionieren oder die Geräte aus der Ferne steuern.

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Diktatur der smarten Geräte: Wie uns das Internet der Dinge durchleuchtet
Aus Einstein vom 14.10.2021.
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Die virtuelle Welt mischt sich weiter mit der physischen. Erst letzte Woche stellte Amazon unter anderem einen neuen Heimroboter und eine Sicherheitsdrohne vor, die sich eigenständig in der Wohnung bewegen. «Als Gesellschaft müssen wir einen Weg finden, damit umzugehen», sagt Informatiker Bernstein.

Smartphones und Computer aktualisieren sich regelmässig, um Sicherheitslücken mit sogenannten «Patches» zu flicken. «Bei all den anderen Geräten, die Menschen heute auf sich tragen oder in ihre Wohnung stellen, ist das nicht unbedingt der Fall», sagt Bernstein. Weil die Herstellerfirmen keine Updates zur Verfügung stellen oder Konsumentinnen und Konsumenten diese nicht installieren.

Wer bezahlt, ist unklar

Wer den entstandenen Schaden bezahlt, ist aktuell oft unklar. «Es gibt, was die Sicherheit betrifft, keine Regeln für die Herstellerfirmen», sagt Erik Schönenberger, Informatiker und Geschäftsleiter der «digitalen Gesellschaft». Sein Verein setzt sich für den Konsumentenschutz in der digitalen Welt ein.

«Steckdosen und Kabel, die diese Produkte mit Strom versorgen, müssen bezüglich Sicherheit strenge Normen einhalten. Nicht aber die Software der Kameras, Uhren oder Lampen», sagt Schönenberger. Darum fordert er Regulierungen im Bereich Internet der Dinge.

Wie man sich als Konsumentin schützen kann

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Reto Widmer von der SRF Digitalredaktion empfiehlt:

  • Gewisse Geräte wie zum Beispiel Kameras sind mit einem Passwort geschützt. Dieses beim ersten Gebrauch ändern.
  • Geräte, die eine Kamera oder ein Mikrofon enthalten, ausschalten oder vom Strom nehmen. Dann sieht oder hört sicher niemand mit.
  • Hochwertige Produkte von Firmen kaufen, die Sicherheitsupdates garantieren.

Digitale Helfer werden mehr

Immerhin: Beim Datenschutz haben sich die Regelungen bereits verbessert. Und auch in der Gesellschaft herrsche diesbezüglich ein immer grösseres Bewusstsein. «Wir teilen Daten meist nicht mehr leichtfertig», sagt Bernstein.

Das ist wichtig. Denn die Uhr am Handgelenk und der Lautsprecher im Schlafzimmer sammeln Unmengen davon.

Einstein, 14.10.2021, 21:00 Uhr

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Ich frage mich immer wieder, worin eigentlich der essentielle Mehrwert all dieser Geräte besteht. Klar benutze ich jetzt das Natel zum Schreiben, doch nicht einmal dieses Gerät bringt eine effektive Steigerung der Lebensqualität, geschweige denn all die anderen Dinge. Die Wirtschaft weckt lediglich Bedürfnisse die dann zum scheinbaren Bedarf werden. Den effektiven Mehrwert bringen diese Dinge dann nur den Aktienmärkten die riesige Gewinne abwerfen. Das ist der eigentlich Sinn dieser Waren.
  • Kommentar von Jonas Gnehm  (JoG)
    Das Smart Home ist eine (im Moment) freiwillige Angelegenheit. Anders sieht es bei der Schule aus. Die soll auf Biegen und Brechen auch "smart" werden. Es fragt sich nur, ob sich Google und Co. auch an die vorgegebenen Standards durch Konsumentenschützer halten werden. Die personalisierten iPads der Schüler sind jedenfalls gefundenes Fressen für unser Datengiganten. Da scheinen mir die Probleme beim Smarth Home schon fast harmlos zu sein.
  • Kommentar von Adrian Geiger  (agei)
    "Amazon stellt eine Sicherheitsdrohne und einen Heimroboter vor"... haha... das erschreckende ist, dass viele Menschen wirklich (noch) so naiv sind zu glauben, Amazon täte das im besten Interesse der Kundschaft... Und das dann noch "Sicherheitsdrohne" zu nennen ist ja schon eine ziemlich dreiste Marketingmasche...