Bots sind Programme, die sich automatisch im Internet bewegen. Dazu gehören zum Beispiel die «Webcrawler» der Suchmaschinen oder Preisvergleichseiten, die das Internet selbstständig nach Informationen durchkämmen.
Dazu gehören auch Bots, die sich als Menschen ausgeben, um betrügerische Inserate oder Spam-Kommentare posten.
Böse Bots
Nicht hinter allen Bots steckt eine böse Absicht – aber hinter vielen: Laut dem «Bad Bot Report» von Imperva sind rund ein Drittel des Internettraffics auf «Bad Bots» zurückzuführen.
Diese Bots werden von Kriminellen eingesetzt, zum Beispiel um via DDoS-Attacke Webseiten zu überlasten und lahmzulegen, um via Credential Stuffing an Logindaten zu kommen, um Spam zu verteilen, um Konzerttickets oder die neuste Konsole zu kaufen und teurer weiterzuverkaufen (Scalper), oder um auf den sozialen Medien Posts und Profile mit gekauften «Likes» zu boosten.
Die Anzahl und Qualität von Bad Bots dürfte in nächster Zeit stark steigen, denn dank der KI kann jede und jeder auch ohne Programmierfähigkeiten Bots erstellen.
KI-Bots fluten das Internet
Die neuen generativen KI-Bots können nicht nur im Hintergrund agieren, sie erstellen auch Inhalte. Besonders sichtbar ist der «AI-Slop» in Bildern und Videos auf Facebook, Instagram und Co.
Aber auch ein immer grösserer Teil der Musik auf Streaming-Diensten (laut Deezer 34%) und über die Hälft der Online-Artikel (laut Five-Percent) sind KI-generiert.
Steuern wir auf ein Internet zu, in dem KI die Inhalte generiert und eine andere KI diese liest und kommentiert? Werden die Menschen aus dem Internet verdrängt und greifen wenn überhaupt nur noch via KI-Assistent darauf zu? Oder geht es im Gegenteil in Richtung eines Internets, aus dem Bots ausgeschlossen werden?
Chatbots saugen das Internet ab
Bots gibt es so lange, wie es das Internet gibt. Bisher galt eine Art «Gentlemans-Agreement»: Gute Bots durften Webseiten anschauen und nutzen – zum Beispiel um sie in Suchresultaten anzuzeigen oder um Preisvergleiche anzustellen. Davon profitierten wiederum die Webseiten, da die Nutzerinnen und Nutzer an sie weiterverwiesen werden.
Mit der generativen KI wird jedoch aus dem fairen Deal eine einseitige Extraktion: Die KI-Bots grasen das Internet ab, setzten sich über Zutrittsverbote hinweg und saugen alles ein – um es via Chatbot wieder auszuspucken. Umgekehrt erhalten die Internetseiten kaum Traffic zurück: Bei der KI «Claude» zum Beispiel kommt für eine Internetseite auf 71'000 Besuche vom Bot nur ein einziger menschlicher Besucher.
Die Folge: Webseiten rüsten technisch auf, um Bots auszusperren. Dienste wie Cloudflare arbeiten daran, Zutritt für Bots kostenpflichtig zu machen. Das könnte zwar die Einnahmequelle der Inhalte retten – es macht aber auch das Internet weniger offen. Nicht nur gefrässige KI-Bots und böswillige Bad-Bots werden ausgesperrt, sondern möglicherweise auch Suchmaschinen, Vergleichsseiten, Forscher und Aggregatoren, von denen Nutzerinnen und Nutzer ebenso wie die Internetseiten profitiert hatten.
Ob dieses neue Modell funktioniert, ist noch nicht klar. Klar ist: Die Bots, die zum Internet dazugehören wie die Software zum Computer, ändern sich gerade grundlegend – und damit ändert sich das Internet an sich.