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User oder Maschine? KI-Bots fluten das Internet – was das für uns bedeutet

Über die Hälfte der Aktivität im Internet stammt nicht von Menschen, sondern von Bots, zu diesem Schluss kommt die Sicherheitsfirma Imperva in ihrem «Bad Bot Report». Was sind eigentlich Bots, und was bedeutet das alles für uns?

Bots sind Programme, die sich automatisch im Internet bewegen. Dazu gehören zum Beispiel die «Webcrawler» der Suchmaschinen oder Preisvergleichseiten, die das Internet selbstständig nach Informationen durchkämmen.

Verzerrter und durchgestrichener Text
Legende: reCaptcha Mensch von Maschine zu unterscheiden, wird immer schwieriger. Imago / Zoonar

Dazu gehören auch Bots, die sich als Menschen ausgeben, um betrügerische Inserate oder Spam-Kommentare posten.

Böse Bots

Nicht hinter allen Bots steckt eine böse Absicht – aber hinter vielen: Laut dem «Bad Bot Report» von Imperva sind rund ein Drittel des Internettraffics auf «Bad Bots» zurückzuführen.

Diese Bots werden von Kriminellen eingesetzt, zum Beispiel um via DDoS-Attacke Webseiten zu überlasten und lahmzulegen, um via Credential Stuffing an Logindaten zu kommen, um Spam zu verteilen, um Konzerttickets oder die neuste Konsole zu kaufen und teurer weiterzuverkaufen (Scalper), oder um auf den sozialen Medien Posts und Profile mit gekauften «Likes» zu boosten.

Bot-Farm

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Polizist schaut sich Kisten voller mit Kabel verbundener Geräte an.
Legende: Pro-russische Bot-Farm in der Ukraine Ukrainisches Innenministerium

Bots, die massenhaft Views und Likes generieren oder Kommentare mit Werbung und Propaganda verbreiten, die werden häufig in sogenannten «Bot-Farms» gesteuert.

Ein einzelner Mensch kontrolliert hier hunderte von Fake-Accounts. Er gibt ihnen Anweisungen, die sie dann mehr oder weniger automatisiert ausführen.

Besonders bekannt sind die Bot-Farmen aus Russland. Sie verbreiten ein pro-russisches Narrativ auf den sozialen Medien. Es soll der Eindruck entstehen, dass ganz viele Nutzerinnen und Nutzer nicht mit den Medienberichten einverstanden sind – «das stimmt nicht» oder «in Amerika ist es aber noch viel schlimmer» sind typische Argumente. In anderen Fällen säen sie ganz allgemein Zwietracht.

Die Anzahl und Qualität von Bad Bots dürfte in nächster Zeit stark steigen, denn dank der KI kann jede und jeder auch ohne Programmierfähigkeiten Bots erstellen.

KI-Bots fluten das Internet

Die neuen generativen KI-Bots können nicht nur im Hintergrund agieren, sie erstellen auch Inhalte. Besonders sichtbar ist der «AI-Slop» in Bildern und Videos auf Facebook, Instagram und Co.

Aber auch ein immer grösserer Teil der Musik auf Streaming-Diensten (laut Deezer 34%) und über die Hälft der Online-Artikel (laut Five-Percent) sind KI-generiert.

Dead Internet Theory

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Das Internet sei tot, und das schon seit 2016 – das glauben Anhänger der «Dead Internet» Verschwörungstheorie.

Alles was wir seither sehen, die Artikel, Videos, Fotos und andere Inhalte, sowie alle Reaktionen darauf – Kommentare, Likes und so weiter – all das sei Fake und von Bots vorgespielt. Eine Macht will uns so manipulieren und uns davon abhalten, uns auszutauschen und aufzubegehren.

Das ist natürlich Unsinn. Aber ein Kern Wahrheit enthält auch dieser Mythos: Vieles was wir im Internet sehen, ist tatsächlich Fake, und mit der generativen KI wird dieser Anteil weiter steigen.

Dahinter steckt keine einzelne böse Organisation, sondern verschiedene Akteure: Influencer, die ihre Viewerzahlen aufpolieren wollen, Betrüger, die andere abzocken wollen, oder Regime, die die öffentliche Meinung manipulieren wollen.

Steuern wir auf ein Internet zu, in dem KI die Inhalte generiert und eine andere KI diese liest und kommentiert? Werden die Menschen aus dem Internet verdrängt und greifen wenn überhaupt nur noch via KI-Assistent darauf zu? Oder geht es im Gegenteil in Richtung eines Internets, aus dem Bots ausgeschlossen werden?

Chatbots saugen das Internet ab

Bots gibt es so lange, wie es das Internet gibt. Bisher galt eine Art «Gentlemans-Agreement»: Gute Bots durften Webseiten anschauen und nutzen – zum Beispiel um sie in Suchresultaten anzuzeigen oder um Preisvergleiche anzustellen. Davon profitierten wiederum die Webseiten, da die Nutzerinnen und Nutzer an sie weiterverwiesen werden.

Mit der generativen KI wird jedoch aus dem fairen Deal eine einseitige Extraktion: Die KI-Bots grasen das Internet ab, setzten sich über Zutrittsverbote hinweg und saugen alles ein – um es via Chatbot wieder auszuspucken. Umgekehrt erhalten die Internetseiten kaum Traffic zurück: Bei der KI «Claude» zum Beispiel kommt für eine Internetseite auf 71'000 Besuche vom Bot nur ein einziger menschlicher Besucher.

Stopschild im Schnee
Legende: robot.txt Bisher reichte ein kleines Dokument im Hintergrund einer Webseite, um gutartige Bots wie jene von Suchmaschinen von Webseiten oder Teilen davon fern zu halten. Doch KI-Bots ignorieren die Hinweise in ihrem Datenhunger – nun müssen technische Schranken her. IMAGO / Depositphotos

Die Folge: Webseiten rüsten technisch auf, um Bots auszusperren. Dienste wie Cloudflare arbeiten daran, Zutritt für Bots kostenpflichtig zu machen. Das könnte zwar die Einnahmequelle der Inhalte retten – es macht aber auch das Internet weniger offen. Nicht nur gefrässige KI-Bots und böswillige Bad-Bots werden ausgesperrt, sondern möglicherweise auch Suchmaschinen, Vergleichsseiten, Forscher und Aggregatoren, von denen Nutzerinnen und Nutzer ebenso wie die Internetseiten profitiert hatten.

Ob dieses neue Modell funktioniert, ist noch nicht klar. Klar ist: Die Bots, die zum Internet dazugehören wie die Software zum Computer, ändern sich gerade grundlegend – und damit ändert sich das Internet an sich.

Radio SRF 1, 27.11.2025, 14:00 Uhr

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