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Was steckt hinter Domainnamen? Wie Anguilla dank «.ai» Millionen verdient

Für manche Länder sind ihre Internetadressen eine wahre Goldgrube.

Anguilla, eine kleine Insel in der Karibik mit gerade mal 14’000 Einwohner, wird gerade reich. Nicht mit Tourismus, sondern mit Internetadressen: Denn der Insel gehört die «.ai»-Top-Level-Domain, die seit dem KI-Boom hoch im Kurs steht. Um die 100 Millionen US Dollar Einnahmen pro Jahr erwartet der Staat – inzwischen hat er auch einen Fonds gegründet, um langfristig vom Geldsegen zu profitieren.

Zahlen und Fakten zu Anguilla

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Eine Flagge mit britischem Logo oben links und unten rechts ein Wappen mit drei Fischen über einem hellblauen Boden.
Legende: IMAGO/Panthermedia
  • Lage: Insel in der Karibik
  • Einwohner: Je nach Quelle zwischen 12’000 und 16’000
  • Bruttoinlandprodukt: Rund 200 Millionen US Dollar, wovon die Hälfte aus .ai-Domains stammt. Rund ein Drittel des übrigen BIP stammt aus dem Tourismus.
  • Anzahl .ai-Domains: Über eine Million (laut Regierung von Anguilla) und jeden Tag kommen rund 2000 dazu (Domaintechnik).
  • Preis für eine .ai-Domain: Die Domains werden versteigert, wobei eine einzelne Seite zwischen 140 und mehreren 100’000 Dollar kosten kann. Meist werden die Seiten auf zwei Jahre befristet vergeben.
  • Einnahmen aus den .ai-Domains: Nachgefragt werden die Internetseiten seit etwa zehn Jahren, die Nachfrage ist in den letzten Jahren aber explodiert. 2024 betrugen die Einnahmen 32 Millionen Euro, 2025 waren es bereits über 60 Millionen. Dieses Jahr könnte die 100-Millionen-Grenze geknackt werden. (heise)
  • Dafür wird der .ai-Geldsegen eingesetzt: Laut der Regierung wird Infrastruktur wie Strassen und der Flughafen ausgebaut, ausserdem seien die Steuern und Gesundheitskosten gesenkt worden. (Anguillafocus)

Die Buchstabenlotterie

Neben einigen «generischen» Top-Level-Domains wie .com für «Company», also Firmen, oder .org für «Organisation», hat auch jedes Land Anrecht auf eine eigene Top-Level-Domain. Diese vergibt die internationale Organisation ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) entsprechend den ISO-Ländercodes (zum Beispiel «DE» oder «CH»).

Gewisse Länder haben Glück und ihr Kürzel steht für etwas, was Unternehmen besonders gerne als Internetadresse hätten. Dann lässt sich damit Geld machen – Tuvalu, ebenfalls eine kleine Inselnation, vermarktet seine «.tv»-Adressen aktiv bei Fernsehunternehmen und verdient damit Millionen.

Auch das SRF hatte mal eine .tv-Adresse

Auch die Föderierten Staaten von Mikronesien hatten Glück, .fm ist bei Radiostationen beliebt, Djibouti (.dj) bei Musikern und Antigua und Barbuda (.ag) bei deutschsprachigen Unternehmen. Berner Internetseiten, die eine Adresse auf «.be» haben, sind tatsächlich in Belgien registriert, Basler Adressen unter «.bs» auf den Bahamas.

Eigene Regeln

Andere Länder haben zwar nicht in der Buchstabenlotterie gewonnen, machen aber mit ihren Top-Level-Domains trotzdem Geld, indem sie besonders vorteilhafte Regeln aufstellen – denn jedes Land bestimmt selbst, wie es seine Internetadressen vergibt und verwaltet.

Wer verwaltet .ch?

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Die Schweizer Top-Level-Domain «.ch» wird im Auftrag des Bundes von der Stiftung Switch verwaltet.

Die Switch fungiert als sogenannte «Domain Name Registry»: Sie protokolliert alle Internetadressen und stellt sie via ihrem Name Server zur Verfügung, damit jeder Computer auf der Welt die .ch-Internetadressen finden kann.

Um eine «.ch»-Adresse zu registrieren, muss man nicht aus der Schweiz sein. Es gibt aber gewisse Regeln: So sind die Adressen für die Gemeinden und die Namen der Bundesräte vorreserviert – es kann also niemand «köniz.ch» oder «ignaziocassis.ch» für sich beanspruchen.

Die Switch schaut auch auf die Cybersicherheit innerhalb der «.ch»-Domain: So kann sie bei der Registrierung eine ID verlangen falls ihr etwas verdächtig vorkommt, und sie sucht die Webseiten regelmässig nach Hinweisen auf Malware oder Phishing ab.

So ist Tonga (.to) besonders beliebt bei Streamingdiensten, weil Internetadressen anonym registriert werden können. Auch die Kokosinseln (.cc) sind beliebt bei allen, die sich Anonymität wünschen, da der Internetseitenbetreiber nicht abgefragt werden kann.

Die Explosion

Allerdings müssen Webseitenbetreiber heute gar nicht mehr so erfinderisch sein wie früher und bis nach Guernsey (.gg) gehen für eine schicke Adressendung. Die ICANN hat die Regeln vor rund zehn Jahren gelockert, sodass viel mehr Organisationen und Firmen eine eigene Top-Level-Domain beantragen können.

Inzwischen gibt es über 1500 Adressendungen, von «.academy» bis «.berlin» und «.zone». Auch in der Schweiz gibt es mit «.swiss» für Schweizer Unternehmen und «.zuerich» für Zürcher Firmen inzwischen Alternativen zur «.ch»-Domain.

Radio SRF 1, 12.2.2026, 14:10 Uhr

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