Anguilla, eine kleine Insel in der Karibik mit gerade mal 14’000 Einwohner, wird gerade reich. Nicht mit Tourismus, sondern mit Internetadressen: Denn der Insel gehört die «.ai»-Top-Level-Domain, die seit dem KI-Boom hoch im Kurs steht. Um die 100 Millionen US Dollar Einnahmen pro Jahr erwartet der Staat – inzwischen hat er auch einen Fonds gegründet, um langfristig vom Geldsegen zu profitieren.
Die Buchstabenlotterie
Neben einigen «generischen» Top-Level-Domains wie .com für «Company», also Firmen, oder .org für «Organisation», hat auch jedes Land Anrecht auf eine eigene Top-Level-Domain. Diese vergibt die internationale Organisation ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) entsprechend den ISO-Ländercodes (zum Beispiel «DE» oder «CH»).
Gewisse Länder haben Glück und ihr Kürzel steht für etwas, was Unternehmen besonders gerne als Internetadresse hätten. Dann lässt sich damit Geld machen – Tuvalu, ebenfalls eine kleine Inselnation, vermarktet seine «.tv»-Adressen aktiv bei Fernsehunternehmen und verdient damit Millionen.
Auch das SRF hatte mal eine .tv-Adresse
Auch die Föderierten Staaten von Mikronesien hatten Glück, .fm ist bei Radiostationen beliebt, Djibouti (.dj) bei Musikern und Antigua und Barbuda (.ag) bei deutschsprachigen Unternehmen. Berner Internetseiten, die eine Adresse auf «.be» haben, sind tatsächlich in Belgien registriert, Basler Adressen unter «.bs» auf den Bahamas.
Eigene Regeln
Andere Länder haben zwar nicht in der Buchstabenlotterie gewonnen, machen aber mit ihren Top-Level-Domains trotzdem Geld, indem sie besonders vorteilhafte Regeln aufstellen – denn jedes Land bestimmt selbst, wie es seine Internetadressen vergibt und verwaltet.
So ist Tonga (.to) besonders beliebt bei Streamingdiensten, weil Internetadressen anonym registriert werden können. Auch die Kokosinseln (.cc) sind beliebt bei allen, die sich Anonymität wünschen, da der Internetseitenbetreiber nicht abgefragt werden kann.
Die Explosion
Allerdings müssen Webseitenbetreiber heute gar nicht mehr so erfinderisch sein wie früher und bis nach Guernsey (.gg) gehen für eine schicke Adressendung. Die ICANN hat die Regeln vor rund zehn Jahren gelockert, sodass viel mehr Organisationen und Firmen eine eigene Top-Level-Domain beantragen können.
Inzwischen gibt es über 1500 Adressendungen, von «.academy» bis «.berlin» und «.zone». Auch in der Schweiz gibt es mit «.swiss» für Schweizer Unternehmen und «.zuerich» für Zürcher Firmen inzwischen Alternativen zur «.ch»-Domain.