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40 Jahre Raumstation Mir Als Menschen im All zu leben begannen

Die frühe russische Raumstation war wegweisend für die Raumfahrt. Sie zeigte erstmals, dass Menschen über ein Jahr im All leben können.

Die russische Mir war die erste Langzeit-Raumstation. Ab dem 19. Februar 1986 kreiste sie 15 Jahre lang mit Kosmonauten und Astronautinnen an Bord um die Erde. Mit ihren Erkenntnissen bereitete die Mir den Boden für eine dreimal grössere Nachfolgerin: die heutige Internationale Raumstation ISS. Die einstigen Visionen von ganzen schwebenden Weltraumstädten haben sich bisher nicht erfüllt – werden aber weiterverfolgt.

Anita Vonmont

Wissenschaftsredaktorin

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Anita Vonmont ist Wissenschaftsredaktorin bei Radio SRF.

Wo liegt die Bedeutung der Mir, was hat sie geleistet? 

Sie gilt nicht nur als Meilenstein der bemannten Raumfahrt und internationalen Zusammenarbeit im All, sondern war auch ein wissenschaftliches Grossprojekt. Das hat gezeigt, dass Menschen länger als nur ein paar Tage im Weltall leben können: Der Mir-Kosmonaut Waleri Poljakow weilte 437 Tage nonstop im All, so lang wie niemand mehr nach ihm. Die internationalen Astronautenteams untersuchten auf der Mir auch die Auswirkungen von Langzeitflügen auf Skelett und Muskeln, aufs Immunsystem, oder das Herz; sie forschten an langlebigeren Metallteilen für die Raumfahrt oder dokumentierten Waldbrände und das Wetterphänomen El Niño. Nicht zuletzt war die Mir auch baulich eine Pionierin. Ihre Modul-artige Konstruktion wurde später auf der ISS übernommen.      

Astronaut im Raumanzug.
Legende: Waleri Poljakow verbrachte 437 Tage im All. Imago/SNA

Frühe Enthusiasten dachten, nach einzelnen Raumstationen werde es ganze schwebende Städte im Weltall geben. Warum ist man da nicht weiter? 

Zum einen spielt hier der zunehmende Weltraummüll im Erdorbit eine Rolle. Schon die ISS kann den anfliegenden Trümmerwolken manchmal nur knapp ausweichen. Für eine ganze Weltraumstadt wäre dies wohl nicht mehr möglich. Der Hauptgrund dürfte aber sein, dass ein Leben im Weltall sehr viel ungemütlicher und aufwändiger ist, als viele einst dachten. Oder manche immer noch denken. Elon Musk hat seine Vision, bald den Mars zu besiedeln, gerade kürzlich zurückgestellt. Er fokussiert nun – wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa und ihre Partner – auf eine Siedlung auf dem Mond. Städte im All bleiben damit ein Thema, wenn auch im kleineren Rahmen und nicht frei schwebend.

Astronauten und Mondfahrzeug auf Mondoberfläche mit Landefahrzeug.
Legende: Zukunftsvision: In den 2030er-Jahren könnte auf dem Mond eine kleine Siedlung entstehen. (Ilustration) Keystone / NASA

Wie wichtig war die Raumstation für das damalige Zusammenrücken von Russland und dem Westen? 

Mir bedeutet Friede oder Welt. Und diesem Namen wurde die Station gerecht: 1995, nach dem Ende des Kalten Krieges, liess Russland mit dem «Mir-Shuttle-Programm» erstmals Astronauten aus den USA und einigen anderen Ländern zu. Und dies, nachdem die beiden Grossmächte beim Wettstreit um die erste Mondlandung, aber auch danach, harte Gegner gewesen waren. Die Mir markiert damit einen historisch bedeutsamen Neubeginn in der Raumfahrt – hin zur friedlichen internationalen Zusammenarbeit im All. Doch aufs politische Tauwetter damals hatte dies wohl keinen Einfluss. Es passte einfach gerade, auch, weil Russland die Mir allein nicht mehr finanzieren konnte. Heute arbeiten zwei Russen an Bord der ISS – trotz Ende des politischen Tauwetters. Zugleich ist wieder ein Wettstreit um die Vorherrschaft im All in Gang, diesmal zwischen den USA und China. 

Radio SRF 1, 19.2.2026, 8:40 Uhr ; 

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