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Q&A Hartnäckige Infekte «Seit unser Kind in der Kita ist, sind wir krank. Hilft Zink?»

Lucas Boeck, Silvio Brugger und Alexander Harms haben Ihre Fragen im Chat zur «Puls»-Sendung beantwortet.

Fachpersonen im «Puls»-Chat

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Die Fachrunde des PULS-Chats.
Legende: Lucas Boeck, Silvio Brugger und Alexander Harms SRF

PD Dr. Lucas Boeck
Kaderarzt Pneumologie
Forschungsgruppenleiter DBM Universität Basel
Universitätsspital Basel

Prof. Silvio Brugger
Leiter Spitalhygienelabor
Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene
Universitätsspital Zürich

Prof. Alexander Harms
Phagenforscher
Labor für Molekulare Phagenbiologie
ETH Zürich

Die nachfolgenden Aussagen und Empfehlungen ersetzen nicht die individuelle Abklärung oder Diagnose bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Chat-Protokoll

Seit unser Kind in der Kita ist, sind wir alle ständig krank. Was gibt es für Strategien, um die Infekte abzukürzen/abzumildern? Ich habe gehört, dass eine Zink-Substitution bis zu 200mg/Tag helfen kann. Wie sehen Sie das?

Silvio Brugger: Das ist leider ein sehr typisches Muster: In den ersten Kita-Jahren bringen Kinder viele neue Viren mit und die Familie hat dadurch häufige Infekte (bis 10x/y oder mehr). Es gibt gewisse Daten, die bei Zinkeinnahme eine leichte Verkürzung der Symptome gezeigt haben. Die Dosierung mit 200mg/d ist aber sehr hoch, das würde ich nicht empfehlen. Ansonsten helfen generell gute Händehygiene soweit möglich und Allgemeinmassnahmen wie genügend Schlaf (auch nicht immer möglich mit Kindern).

Ich interessiere mich für Architektur und würde gerne wissen wie man sein Haus optimal einrichten kann, um Infektionen vorzubeugen. Gibt es hierzu Literatur? Danke für Ihren Einsatz jeden Tag.

Lucas Boeck: Wir leben mit Bakterien und anderen Mikroben und das ist auch gut so. Studien haben gezeigt, dass eine besonders «keimarme» Umgebung eher schädlich und eine Exposition gegenüber einer Vielzahl von Bakterien das Risko zb für die Entstehung eines Asthmas minimiert. Wichtig ist jedoch, dass man nicht einer sehr grossen Menge an Pathogenen exponiert ist (dies können zb Pilze bei feuchten Wänden sein). Also wichtig ist Feuchtigkeit zu kontrollieren, und zu lüften.

Wieso ist die Schweiz rund um postakute Infektionssyndrome so schlecht aufgestellt? Sowohl medizinisch als auch politisch und versicherungstechnisch gibt es kaum Versorgung bzw. Anerkennung.

Silvio Brugger: Guten Abend, das ist eine berechtigte, aber schwierige Frage. Aktuell sind postakute Infektionssyndrome wie Long COVID oder ME/CFS schwer greifbar, weil es (noch) keine klaren Biomarker gibt und die Symptome sehr unterschiedlich sind. Das Schweizer Gesundheits- und Versicherungssystem ist stark auf klar objektivierbare, spezialisierte Diagnosen ausgelegt, wodurch solche komplexen Krankheitsbilder oft zwischen Fachgebieten und Zuständigkeiten «durchfallen». Auch wenn sich ein besseres Verständnis durch neuere Studien abzeichnet, sind die Versorgung, Anerkennung und klare Behandlungspfade weiterhin lückenhaft und für die Patienten/Patientinnen oft nicht zufriedenstellend.

Ich leide an einer starken Bronchitis. Was kann ich noch tun ausser Inhalieren(symbicort)? Herzlichen Dank und freundliche Grüsse

Lucas Boeck: Eine akute Bronchitis die Tage bis wenige Wochen dauert ist meist viral bedingt, sehr häufig, und braucht keine spezifische Therapie; eine chronische Bronchitis die über mehrere Wochen geht kann verschiedene (auch nicht-infektiöse) Ursachen haben und sollte abgeklärt werden.

Ich, männlich und Mitte 30 habe immer wieder (seit Jahren) Blasenentzündungen sowie Niereninfekte (Doppelniere links) und dies mit diversen Keimen sowie auch bereits mit multiresistenten Keimen inkl. der Nutzung des Reserveantibiotika. Ich habe schon D-Mannose ausprobiert, ohne Erfolg. Mein Urologe ist leider auch ratlos. Was halten sie von der StroVac Impfung o. ä.? Was gibt es sonst noch für Möglichkeiten? Vielen Dank

Silvio Brugger: Es gibt für die diversen Impfungen wie z.B. Uromune/Uro-Vaxom Studien, die eine Reduktion der Infektionsraten zeigen bei sehr geringen Nebenwirkungen. Das könnte also durchaus eine prüfenswerte Option sein, auch wenn die Daten für Männer weniger klar sind als für Frauen. Am besten besprechen Sie diese Option mit Ihrem Urologen oder mit einem Infektiologen. Am USZ haben wir das schon für Patienten / Patientinnen gebraucht, es braucht teilweise eine Kostengutsprache der Krankenkasse. Ansonsten kann je nach Frequenz eine Dauer-Antibiotikaprophylaxe diskutiert werden (je nach Keimspektrum [immer die gleichen Bakterien oder immer andere etc.]). Dies hat aber natürlich ein gewisses Risiko für Nebenwirkungen oder Resistenzselektion. Zentral ist immer die Behebung von anatomischen Risikofaktoren soweit möglich – das hat Ihr Urologe aber sicher schon geprüft.

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Gibt es bei einer chronischen Pseudomonasinfektion der Lunge eine Möglichkeit, diese mit Phagen zu behandeln (Antibiotika bringen diese nicht mehr weg)? Gibt es Studien dazu? Ist dies in der Schweiz bereits möglich?

Alexander Harms: Theoretisch könnte das eine Möglichkeit sein, wobei man nie vorher sagen kann, ob die Behandlung erfolgreich wäre. In der Schweiz sind Phagentherapien nicht regulär zugelassen und daher nur als individuelle Heilversuche oder im Rahmen klinischer Studien möglich. Es gibt aber einzelne Patienten / Patientinnen, die in der Schweiz derartig behandelt worden sind. Einer davon wird in der SRF Puls-Sendung gezeigt. Weitere Informationen: https://www.srf.ch/wissen/gesundheit/chronische-infektionen-phagentherapie-mit-guten-viren-gegen-boese-bakterien

Immer häufiger, also fast jedes Jahr bekomme ich nach anfänglichen Halsschmerzen Schnupfen, der sich zu einer Stirnhöhlenentzündung entwickelt, dann Husten mit verhockter Bronchitis und am Schluss brauche ich Ventolin und Antibiotika. Was kann man anderes tun? Prophylaxe?

Lucas Boeck: Als Prophylaxe eignen sich bei gewissen Alters- und Risikogruppen Impfungen. Zudem stellt sich die Frage ob es ein Problem gibt dass das Risiko solcher Infektionen (z.B. anatomisch in der Nase, oder immunologisch, oder Erkrankungen wie Asthma) erhöht und ggf. behandelt werden kann.

Ich habe seit vielen Jahren so etwas wie einen chronischen Schnupfen. Ich hatte wegen einer Nasennebenhöhlenentzündung Antibiotika genommen seinerzeit; hatte dann aber einige Tage danach immer wieder Sekret im hinteren Rachenraum. Zwar kann ich gut atmen, aber insbesondere am Morgen muss ich doch eine Portion Sekret «abräuspern», das in den hinteren Rachen geflossen ist. Bisweilen wache ich auch mitten in der Nacht auf, wenn sich Sekret dort angesammelt hat (passiert allerdings eher selten, vielleicht einmal im Monat). Kann man gegen diesen Schleimfluss etwas machen? Ich bin mir keiner Allergien bewusst und nehme keine regelmässigen Medikamente, (männlich, 55 Jahre).

Silvio Brugger: Was Sie beschreiben, tönt nach einem «postnasal drip» – also Schleim der aus dem Nasen- oder Nebenhöhlenraum in den Rachen läuft. Das kann diverse Ursachen haben (wie zB chronische Nasennebenhöhlenentzündung, Reflux oder allergische Rhinitis). Wenn das schon Jahre besteht, würde ich Ihnen eine Abklärung bei einem Hals- Nasen- Ohrenarzt empfehlen, der dann auch eine genaue Untersuchung der Region mittels kleiner Kamera vornehmen kann. Aus der Ferne ist die Ursache leider nicht abschliessend bestimmbar. Die Behandlung richtet sich dann nach der ursächlichen Erkrankung und ist je nachdem mit Nasenspray oder Antiallergika verbesserbar (je nach Ursache).

Mein Mann aus Gambia hat seit über einem Jahr Schnupfen, der nie richtig abheilt. Malaria hat er schon lange nicht mehr gehabt, es scheint auch nicht im Hals, Lungen, oder Nebenhöhlen. Es plagt ihn einfach die Nase und der jahrelange Schnupfen, laufende und verstopfte Nase. Was könnte helfen? Könnt es noch etwas anderes sein als unsere bekannten Erkältungsviren?

Lucas Boeck: Besonders bei lange dauerndem Schnupfen kommen auch viele nicht-infektiöse – wie allergische oder entzündliche – Ursachen in Frage. Dies sollte abgeklärt werden.

Seit Februar war ich im Abstand von rund einer Woche wieder zwei Wochen erkältet. Durch den Einsatz von Kortison-Nasenspray, verordnet von der Hausärztin, ist die Nase jetzt grösstenteils frei. Immer wieder und abwechselnd ist jedoch ein Nasenloch zugeschwollen. Meist auf die Nacht hin. Woher kommt dieses ständige Anschwellen der Nasenschleimhäute?

Lucas Boeck: Es gibt eine Vielzahl von Ursachen, die aber oft nicht infektbedingt sind, wie zB allergische Ursachen.

Ich habe immer wieder langanhaltende Erkältungen mit Nebenhöhlenentzündungen etc. Wie stärke ich am besten mein Immunsystem neben Sport, Ernährung und wenig Stress? Welche Präparate werden in der Fachwelt empfohlen?

Silvio Brugger: Leider ist eine eigentliche Stärkung des Immunsystems durch Hausmittel ist nicht wirklich möglich. Natürlich ist es sinnvoll den generellen Gesundheitszustand durch ausreichend Schlaf, regelmässige Bewegung, ausgewogene Ernährung, Stressreduktion und Nichtrauchen zu unterstützen; zusätzlich lässt sich das Risiko schwerer Infektionen durch empfohlene Impfungen deutlich senken. Wenn Sie häufig Nasennebenhöhlenentzündungen haben, lohnt sich ev. eine Abklärung bei einem HNO-Arzt zur Beurteilung der Verbindungsgänge in die Nase, allenfalls kann abschwellendes Nasenspray bei Erkältungen vorbeugend helfen.

Bei einem entsprechenden Mangel sind ggf. Vitamin D und Zink Optionen. Die Evidenz ist aber sehr beschränkt. Andere Präparate sind nicht empfehlenswert – die meisten schaden aber auch nicht.

Was passiert eigentlich mit den Phagen, wenn sie alle Bakterien vernichtet haben? Gehen sie dann ein oder suchen sich andere Bakterienarten?

Alexander Harms: Ohne bakterielle Wirte können sich die Phagen nicht weiter vermehren und werden dann ausgeschieden und / oder im Körper zersetzt. Da die meisten Phagen sehr spezifisch für bestimmte Stämme einer Bakterienart sind, ist ein schädlicher Angriff auf andere Bakterien im Körper (z.B. des gesunden Mikrobioms) in der Realität keine relevante Gefahr.

In meinem Freundeskreis ging im Februar eine hartnäckige Grippe/Infektion um. Die immer zu ein paar Tagen starken Erkältungssymptomen und dann noch ein zwei Wochen Husten geführt hat. Ich wurde nie wirklich krank, doch habe seit einer Woche einen Husten. Anfangs hielt ich es für eine Allergie, da ich nur morgens Auswurf hatte. Doch jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher, da ich mittlerweile auch am Tag etwas Auswurf habe. Mein Hals juckt und ich habe Muskelkater beim Husten. Sonst geht es mir gut. Was könnte das sein? Finde es ziemlich ungewöhnlich. Sollte ich einen Arzt aufsuchen oder wäre das bei den begrenzten Symptomen verfrüht?

Lucas Boeck: Virale respiratorische Infekte führen meist zu akutem Husten, der oft noch wenige Wochen danach andauern kann. Erkrankungen (zB Asthma) können dies deutlich verlängern. Hier kann ein viraler Infekt zudem das Asthma verschlechtern und zu einem viel länger andauernden Husten führen, ähnlich kann es bei chronischen Nasenproblemen sein.

In langer Tradition meiner Famile gehe ich schon seit meiner Kindheit ganzjährig kalt schwimmen. (Schon mein Urgrossvater Urs Stengeli, der Erfinder der Schnapspraline hat dies so gemacht) Nun wird auf Social Media verstärkt dafür geworben, sein Immunsystem so zu stärken. Ist daran tatsächlich etwas dran?

Silvio Brugger: Wie häufig bei den Social-Media-Trends wird das übertrieben positiv dargestellt. Es gibt keine verlässlichen Untersuchungen, die klar zeigen, dass das Immunsystem so gestärkt wird. Wenn Ihnen das Schwimmen aber gut tut, hat es sicher auch generell positive Auswirkungen auf Ihr Wohlbefinden und somit auch auf Ihre Gesundheit!

Ich bin 47 Jahre alt und war immer sehr selten krank. Seit August letzten Jahres war ich nun bereits vier Mal richtig krank. Im August letzten Jahres sogar so schlimm, dass ich wirklich zwei Wochen mit starkem Fieber im Bett bleiben musste. Seitdem habe ich immer wieder Phasen in denen ich starken Schnupfen, Husten und leichtes Fieber habe. Wie kann ich mein Immunsystem am besten stärken?

Silvio Brugger: Leider ist eine eigentliche Stärkung des Immunsystems durch Hausmittel nicht wirklich möglich. Natürlich ist es sinnvoll den generellen Gesundheitszustand durch ausreichend Schlaf, regelmässige Bewegung, ausgewogene Ernährung, Stressreduktion und Nichtrauchen zu unterstützen; zusätzlich lässt sich das Risiko schwerer Infektionen durch empfohlene Impfungen deutlich senken. Wenn Sie nun häufig Symptome haben (>4x/J) lohnt sich ev. eine Abklärung beim Hausarzt. Bei einem entsprechenden Mangel sind ggf. Vitamin D und Zink Optionen. Die Evidenz ist aber sehr beschränkt. Andere Präparate sind nicht empfehlenswert – die meisten schaden aber auch nicht.

Guten Abend, Ich habe seit meiner Kindheit sicher schon 100 Blasenentzündungen durchstehen müssen und 70 mal Antibiotika geschluckt. Auch Resistenzen sind schon vorhanden. Ich habe mal bei phage 24 in Österreich Phagen bestellt Ich habe diese jedoch nicht genommen auf Anraten meiner Ärzte. Es wäre wunderbar, wenn es eine Versuchsgruppe gäbe, wo Phagen gegen HWI getestet würden, da wäre ich sofort dabei. Da die Lebendviren gezielt eingesetzt werden können, wäre das für alle die HWI geplagten Frauen, und das sind viele, eine gute Alternative zu den Antibiotika. Vielleicht wissen Sie mir einen Rat

Silvio Brugger: Das tut mir leid zu hören! Meine Kolleginnen und Kollegen im Balgrist in Zürich planen eine Studie mit Phagen bei Harnwegsinfekten. Gute Besserung!

Anfang März hatte ich einen Schnupfen, der nach knapp 2 Wochen abklang. 10 Tage später eine stärkere Erkältung mit Husten, Schnupfen, Schwäche/Energielosigkeit, was nach etwa 10 Tagen besser wurde. Seither habe ich fast durchgehend (zuerst v.a. Husten, nun v.a. Schnupfen) Erkältungssymptome, die sich immer wieder leicht bessern und dann wieder stärker werden. Ich unternehme aktuell nicht viel dagegen. Ich bin normalerweise selten und dann nur kurz krank/erkältet. Ist das eine neue, hartnäckige Corona-Variante? Oder könnte es eine Pollenallergie sein? Ist es wichtig dies abzuklären oder muss man es einfach aushalten, bis es weggeht? 2 Monate scheinen schon arg lange...

Lucas Boeck: Unter Umständen kommen sie in Kontakt mit unterschiedlichsten Erregern (meist Viren) die dann Erkältungen verursachen. Es ist durchaus möglich, dass eine zugrunde liegende Allergie und/oder Asthma die Symptomatik erschwert sowie das Risiko für solche Infekte erhöht. Eine Abklärung ist durchaus sinnvoll.

Hatte starke Muskelschmerzen im linken Deltamuskel. X Untersuchungen und am Schluss die lapidare Antwort eines Infekts ... Mit 10mg Spiricort am Morgen verschwinden die Schmerzen bis am Abend. Hätte mindestens erwartet, dass man mir sagte, wer die Schmerzen erzeugt und allenfalls den Erzeuger bekämpft ...! Sind diese Tabletten auf lange Sicht unbedenklich oder ergibt dies irgendwelche Konsequenzen? Bin 74 Jahre jung, männlich und treibe wöchentlich zwei Stunden Fussball

Silvio Brugger: Ich würde Ihnen sicher zu einer rheumatologischen Abklärung raten um auch Autoimmunerkrankungen wie z.B. Polymyalgie auszuschliessen. Spiricort ist ein Glucocorticoid (wie Cortison). Diese Medikamente wirken entzündungshemmend und immunsupprimierend. Zudem können sie bei langer Einnahme auch Nebenwirkungen machen (wie Blutzuckererhöhung, Knochenschwäche etc.).

Ich habe nach Einnahme von Immunsupressiva letzten Sommer einen Fusspilz entwickelt. Anfänglich hat der Pilz gut auf Terbinafin 250mg kombiniert mit Terbinafin Crème angesprochen. Vor der Knie TEP OP vor Weihnachten war die Haut praktisch gut und man hat für die OP pausiert. Nach der OP verschlechterte sich die Haut wieder und man hat ende Dezember die gleiche Therapie reaktiviert. Leider ohne Erfolg. Im März wurde eine Mykid Reaktion diagnostiziert und umgestellt auf Itraconazol 100mg Intervall gegen die zugrunde liegenden Onychomykose am anderen Fuss. Für das Mykid gab's Prednicutan und es hat gewirkt. Aktuell ist der Nagel nun gesund, aber das Mykid flammte wieder auf und es entwickelt sich neu wieder Fusspilz (trotz Itraconazol 100mg). Itraconazol seit heute gestoppt und neu wieder Terbinafin 250mg p.o. kombiniert mit Imacort Creme für 2 Wochen. Dann 3 Wochen Pause und Kontrolle beim Dermatologen. Er sagte mir, dass wir ein Problem haben, wenn diese Therapie nicht anschlagen sollte, weil er ausser den 3 angewendet Pilzmitteln keine Alternative mehr hat. Ausser den ganz alten Ansätzen mit Farbstoffen. Welche Möglichkeiten sehen Sie noch? Um Schuhe – die ich viel trage, frei von Pilzsporen zu bekommen – habe ich gehört, dass der Tiefkühler etwas bringt. Wie lange soll ich Schuhe und Socken im Tiefkühler (-18 Grad) lassen? Ganz herzlichen Dank für Ihre Einschätzung. Ich bin doch ziemlich besorgt, dass ich einen Pilzinfekt habe, der bereits auf zwei verschiedene Medikamente Resistenzen zeigt. Können die Pilzsporen auch ins Blut übergehen? Was ist dann? Freundliche Grüsse und Danke

Silvio Brugger: Eine Resistenz eines Dermatophyten gegen Terbinafin oder Itraconazol ist möglich, aber Rückfälle entstehen deutlich häufiger durch Nagelbefall als Reservoir oder ggf. bei Reinfektion.

Die Mykid-Reaktion erklärt das wiederkehrende Ekzem und verschwindet wahrscheinlich nur, wenn der eigentliche Pilz vollständig beseitigt ist. Tiefkühlen von Schuhen hilft kaum – besser sind gründliches Trocknen, Rotation und Waschen der Socken bei mindestens 60 °C mit Waschmittel.

Ein Übertritt ins Blut ist bei gewöhnlichem Fuss- oder Nagelpilz extrem aussergewöhnlich und tritt nur in sehr seltenen Fällen bei stark immungeschwächten Personen auf. Es wäre sicher wichtig, eine Kultur des Pilzes aus Nagelmaterial zu machen und danach ggf. eine Resistenzprüfung (ist nicht immer einfach).

Unser Sohn (geb. 2018) leidet seit Anfang Februar 2026 an einem hartnäckigen Infekt welcher eine starke Nasennebenhöhlenentzündung verursacht hat. Mehr als ein Monat war sein Gehör massiv eingeschränkt, weil die Flüssigkeit hinter den Trommelfellen nicht abfliessen konnte. Nach zwei Antibiotika-Kuren für jeweils 7 Tage ist das Gehör wieder besser geworden, die Nebenhöhlen sind aber weiterhin belegt (hörbares «näseln») und Abends/Nachts und am Morgen hustet unser Sohn viel. Gibt es etwas, was die Heilung zusätzlich unterstützen kann? Wir achten auf die Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer und darauf, dass er viel trinkt. Seit Mitte Februar verabreichen wir auf Anraten der Kinderärztin und des HNO ausserdem 1x täglich am Abend einen kortisonhaltigen Nasenspray.

Lucas Boeck: Es ist schwierig hier mit minimaler Information Empfehlungen abzugeben. Aber generell sind abschwellende und reinigende Massnahmen (das können Nasenspülungen sein) sinnvoll um das Sekret aus der Nase und den Nasennebenhöhlen zu bekommen. Unter Umständen fliesst das Sekret der Nase über den Rachen nach hinten und verursacht so den Husten.

Habe eine langwierige Lungenentzündung, ausgelöst durch Pseudomonas aeruginosa. Habe verschiedene Antibiotika bekommen, aber sie ist immer noch aktiv . Die Ärzte scheinen mir etwas ratlos im Moment. Inhaliere jeden Tag 3 x mit Pulmicort Budesonidum und blase durch das Acapellagerät. Was kann man noch machen ??

Lucas Boeck: Pseudomonas aeruginosa ist ein Erreger, der meist entweder im Spital im Rahmen einer schweren Erkrankung erworben wurde (zB auf einer Intensivstation) oder ein Erreger spezieller Lungenerkrankungen. Falls das zweite der Fall ist, ist es wichtig die zugrundeliegende Lungenerkrankung zu kennen und richtig zu behandeln (dies kann Sekretmobilisation mit Acapella sein, Pulmicort behandelt den Infekt nicht aber vielleicht eine Grunderkrankung). Die Frage stellt sich auch ob P. aeruginosa lediglich eine akute Infektion auslöste oder bereits lange vorhanden ist. Letzteres ist schwer zu behandeln. Ich würde (falls noch nicht stattgefunden) eine pneumologische Abklärung empfehlen.

Ich leide seit Jahren an ständigem Katarrh mit Auswurf. Mit Bewegung an frischer Luft bessert sich der Zustand, lässt sich aber nie ganz eliminieren. Was raten Sie mir?

Lucas Boeck: Ein chronischer Husten (über mehrere Monate) sollte immer abgeklärt werden. Ich empfehle ihnen deshalb eine pneumologische Vorstellung.

Ich leide an Schleimbildung und habe oft am Morgen Übelkeit, muss husten, bis es mich lupft! Muss aber nicht brechen

Lucas Boeck: Aufgrund der Intensität des Hustens, und ganz besonders falls dies schon länger andauert, empfehle ich ihnen dies abklären zu lassen.

Immer wieder habe ich starke Halsschmerzen, welche manchmal in die Ohren ausstrahlen. Wenn ich dann wegen den Schmerzen schlaflose Nächte habe, suche ich den Hausarzt auf. Meistens erhalte ich dann ein Antibiotikum, aber nach der effektiven Ursache wurde noch nie gesucht. Was raten Sie mir? Danke für die Unterstützung.

Silvio Brugger: Da der Nerv, der das Ohr als auch den Hals versorgt der gleiche ist, kann der Schmerz bei einer Entzündung im Rachen ins Ohr ausstrahlen. Wenn Sie dies aber immer wieder (und besonders häufig) haben, würde ich Ihnen (nach Besprechung mit dem Hausarzt) eine Abklärung beim HNO-Arzt mit Inspektion empfehlen, um der Ursache auf den Grund zu gehen (Infektion oder etwas anderes).

Habe seit einigen Jahren dauerhaft Blaseninfekte und Resistenzen gegen mehrere Bakterien. Könnten Phagen helfen?

Silvio Brugger: Wenn Sie immer wieder Infektionen der Harnwege haben, könnten Phagen ggf. eine Option sein. Meine Kolleginnen und Kollegen im Balgrist in Zürich planen eine Studie dafür. Natürlich müssten man Ihren Fall aber noch genau anschauen (insb. auch die verschiedenen Bakterien und deren Resistenzen gegen Antibiotika).

Genau das beschäftigt mich seit Wochen: was gibt es für Möglichkeiten, einen hartnäckigen Husten (gemäss Arzt «asthmaähnliche Bronchitis») wegzubringen? Welche Mittel sind geeignet? Dauer: seit 2.5 Monaten. Es war nicht richtig ausgeheilt, hat mich schon wieder die nächste Infektion erwischt. Ich hatte bis jetzt keine Antibiotika.

Silvio Brugger: 2.5 Monate sind (zu) lang, da würde ich Ihnen eine Abklärung bei einem Pneumologen empfehlen (auch um eine kleine Lungenfunktionsprüfung zu machen), damit die Ursache besser eruiert werden kann. Eine allergische Bronchitis würde man dann zB mit lokal entzündungshemmenden Substanzen (Inhalation) behandeln.

Bin seit meiner ersten diagnosdizierten Covid-Erkrankung im August 2025! im Schnitt alle 6-7 Wochen erneut erkältet. Bis heute bereits das 5. Mal. Ich bin normalerweise seher sehr selten krank, 50ig ,in Wechseljahren,sportlich aktiv, keine bekannten Allergien, gesunde Ernährung. Mein HA meint, das sei eher Pech, es seien viele verschiedene Viren um Umlauf. Kann diese Anfälligkeit einen Zusammenhang mit der letztjährigen Coviderkrankung haben?

Lucas Boeck: Der zeitliche Zusammenhang heisst nicht unbedingt dass dies ursächlich ist. Sehr schwere COVID Infekte können das, sonst ist es unwahrscheinlich. Wichtig ist vor allem auszuschliessen ob es nicht eine andere Erkrankung gibt die das Risiko erhöht. Aber es ist durchaus auch möglich dass sie aktuell vielen Viren exponiert sind ohne spezifische Ursache hierfür.

Wie war das: Phagen werden aus dem Abwasser gewonnen???

Alexander Harms: Phagen kommen grundsätzlich dort vor, wo auch ihre Wirtsbakterien leben. Viele Umweltkeime wie Pseudomonas aeruginosa scheinen in den Kläranlagen zu leben, sodass man dort auch ihre Phagen findet. Das gilt aber nicht für alle Bakterien.

Guten Abend – herzlichen Dank für dieses Angebot! An Ostern erkrankte ich im Ausland an einem Infekt (den ich aus der Schweiz mitgebracht hatte). Ein Arzt dort gab mir Antibiotika. Zuhause hiess es dann, es sei ein Virus-Infekt. Der sich bis heute hartnäckig hält, es taucht auch immer wieder neues Halskratzen auf. Kann es sein, dass das Antibiotikum mein Immunsystem geschwächt hat?

Silvio Brugger: Grundsätzlich schwächt eine einzelne Therapie mit einem Antibiotikum Ihr Immunsystem nicht – auch wenn es vielleicht nicht indiziert war. Allerdings können Antibiotika Veränderungen im Mikrobiom auslösen und resistente Keime fördern, weswegen wir sie immer sparsam einsetzen sollten. In Ihrem Fall könnte es sich noch um eine postinfektiöse Reizung der Schleimhäute handeln. Falls dieses Kratzen aber nicht mehr weggeht lohnt sich eine Inspektion durch einen HNO-Arzt zum Ausschluss einer lokalen Pathologie.

In unserem Badzimmerschrank steht seit einigen Jahren eine Tube Bepanthene, die wir ab und zu zur Wundheilung nutzen. Verliert die eigentlich mit der Zeit an desinfizierender Wirkung – und könnte sich die Wirkung irgendwann sogar umkehren?

Silvio Brugger: Bepanthen fördert primär die Wundheilung (die Salbe) mit dem Wirkstoff Dexpanthenol und wirkt eigentlich nicht desinfizierend (das wäre die Salbe mit zusätzlich Chlorhexidin). Auch wenn die Salbe nicht primär schädlich werden sollte, wenn die Öffnung von Schmutz und direktem Hautkontakt ferngehalten wird, würde ich diese wohl nicht über Jahre nutzen (wegen dem Risiko von Kontamination mit Mikroorganismen).

Vor drei Jahren habe ich fie Diagnose «Lady Windermere Syndrome» bekommen. Ich wurde nicht mit Antibiotikum behandelt, sondern lediglich mit schleimlösenden Mitteln. Gefunden wurden Pseudomonas und Streptokokken in Bronchiekstasen. Ich spüre, dass meine Bronchien mehr oder weniger verschleimt sind. Der Arzt meint, dass ich damit nun leben muss. Wären Phagen evtl. evtl. eine Therapiemöglichkeit.

Lucas Boeck: Lady Windermere Syndrome ist ein alter Name für eine Infektion bei schlanken, älteren Damen, mit nicht-tuberkulösen Mykobakterien. Diese (wenn überhaupt nachgewiesen) muss man wie Pseudomonas und Streptokokken bei Bronchiektasen nicht immer behandeln; nur wenn wir davon ausgehen, dass diese eine besondere Relevanz haben. Phagen wären hier nur in Ausnahmefällen aktuell eine Option. Bei Bronchiektasen hat eine Sekretmobilisation oberste Priorität (zb mit Kochsalzinhalation, Physiotherapie; schleimlösende Mittel helfen meist nur mässig). Wichtig ist die Bronchiektasen richtig zu behandeln, und da gehört die Behandlung der chronischen und akuten Infekte dazu.

Seit Juni 2025 habe ich täglich mehrmals einen schleimigen durchsichtigen Auswurf, den ich mit Husten rauskriege. Nach einem Artzbesuch wurde ein Röntgen der Bronchien angeordnet. Resultat kein Befund. Nun lebe ich schon fast 1 Jahr mit diesem Umstand und das Atmen macht mir bei Belastung Mühe. Ansonsten habe ich keine Schmerzen. Ich bin 75 Jahre alt. Was soll ich tun? Am 20.5.26 habe ich einen Termin beim Hausarzt.

Silvio Brugger: Ich würde mit dem Hausarzt eine pneumologische Abklärung besprechen (inkl. kleiner Lungenfunktion) zur Eruierung der Ursache Ihrer Symptome. Insb. sollte aber auch eine Untersuchung durch den Hausarzt erfolgen wegen der Schwierigkeit der Atmung bei der Belastung ggf. mit EKG und Blutuntersuchung.

Mein Mann (Jg 75) hat seit wir uns kennen, Probleme mit wiederkehrenden HWIs. Früher waren die Abstände der Infekte noch grösser (ca alle 2 Jahre). Der letzte ist jedoch besonders hartnäckig und er hat inzwischen das vierte! Antibiotika nacheinander. Eine allfällig vergrösserte Prostata ist laut Urologe nicht das Problem. Wir sind offen für Ideen und Anregungen, wie weiter…?

Silvio Brugger: Wiederkehrende Harnwegsinfekte bei Männern sollten immer auf eine zugrunde liegende Ursache abgeklärt werden, besonders wenn mehrere Antibiotikatherapien nötig sind. Wichtig ist, bei jedem Infekt eine Urinkultur mit Resistenztest zu machen, um zu sehen, ob immer derselbe Keim dahintersteckt. Zusätzlich sollten Restharn, Blase, Harnwege und ggf. Steine oder Engstellen gezielt untersucht werden, da solche Faktoren Infekte immer wieder auslösen können. Das hat wahrscheinlich der Urologe schon gemacht aber Sie können nochmals explizit fragen. Wenn eine chronische Ursache nicht erkannt und behandelt wird, führen wiederholte Antibiotika oft nur zu kurzfristiger Besserung ohne nachhaltige Lösung. Wenn immer die gleichen oder ähnliche Bakterien die Infektion verursachen, hilft ggf. eine Antibiotikaprophylaxe oder man könnte eine der verschiedenen Impfungen diskutieren (zB Uro-Vaxom).

Ich (80jährig) leide tagsüber unter einer übermässigen Schleimproduktion in den Nasenhöhlen. Schleim läuft fast dauernd in den Rachen hinunter. Oft nässen und röten sich zudem die Augen. Der HNO sagt, das dürfe nicht auf Dauer geschehen. Aber bereits vor zwei Jahren und schon früher wurden mir wie kürzlich wiederum Cortison haltige Nasensprays verschrieben und Inhalieren empfohlen. Inhalieren, weil die Mundhöhle nachts manchmal so stark austrocknet, dass die Zunge neuerdings manchmal am Rachen kleben bleibt, was mich schockartig aus dem Schlaf aufschreckt. Sehen Sie irgendeine Chance, diese Plage zu lindern? Ich bedanke mich bei Ihnen bestens für Ihre Rückmeldung.

Silvio Brugger: Soweit ich das aus der Ferne beurteilen kann, passen Ihre Beschwerden zu einer Kombination aus chronischer Nasenschleimhautreizung -oder entzündung und gleichzeitiger Trockenheit, die durch Mundatmung nachts verstärkt wird. Das ist sehr lästig und stört auch den Schlaf. Ggf. können auch Salbe / resp. Gele helfen, die Schleimhäute besser zu befeuchten. Für die Nase können Sie mit dem HNO Arzt auch Spülungen zusätzlich zum Spray diskutieren und die Raumluft zu Hause sollte auch nicht zu trocken sein.

Ich habe immer wieder Lungeninfekte. Jetzt hat man Pseudomonias aeruginos Bakterien in der Lunge gefunden. Behandelt im Februar mit 2 Wochen Antibiotika Infusion, nachher 12 Wochen Inhalation mit Bromitob300 4ml.. Nach 4 Wochen starke Atembeschwerden, starker Husten, daher wurde die Inhalation abgesetzt. Meine Frage gibt es Phagen gegen Pseudomonias aeruginosa Bakterien und werden sie schon eingesetzt.Ich bin in Behandlung im KSB Baden. Vielen Dank

Lucas Boeck: Ich gehe davon aus, dass sie an einer chronischen Lungenerkrankung leiden und jetzt erstmalig Pseudomonas aeruginosa nachgewiesen wurde. Die Therapie, intravenös und inhalativ hat das Ziel diese Bakterien wegzubekommen, was nicht immer gelingt und zu einem späteren Zeitpunkt schwieriger wird. Leider haben wir keine Therapie mit der wir zuverlässig und nebenwirkungsarm chronische P. aeruginosa Infekte eradizieren. In der Tat, viele aktuelle Phagentherapien werden für P. aeruginosa Infekte verwendet, und es wurde vor kurzem in einer kleinen Studie gezeigt, dass inhalierte Phagen in solchen Fällen sinnvoll sein könnten. Ich denke aber dass für sie andere Optionen (falls P. aeruginosa überhaupt noch vorhanden) sinnvoller sind, zB die Umstellung von Bramitob auf Colistin inhalativ.

Ich bin Jahrgang 1937 und war in jungen Jahren sehr oft erkältet. Da entdeckte ich in den 70er Jahren ein Medikament, das ich bei den ersten Vorzeichen einer Erkältung schluckte und das in den meisten Fällen halb. Sein Name war «Bactériophage» oder ähnlich, hergestellt in der Westschweiz. Es waren kleine Ampullen mit einer unangenehm schmeckenden Flüssigkeit, die man austrinken musste. Eines Tages war Bactériophage nicht mehr erhältlich. Ich erkundigte mich beim Hersteller nach den Gründen. Wenn ich mich recht erinnere, hiess die Antwort, es dürfe nicht mehr hergestellt werden. Wissen Sie Genaueres über dieses Medikament und die Gründe, dass es vom Markt genommen wurde?

Silvio Brugger: Sehr interessant! Das war vor meiner Zeit – aber es gab früher Phagenpräparate, die von Apotheken selber hergestellt wurden. Mit Aufkommen der verschiedenen Antibiotika und den strenger werdenden Regeln zur Produktion von Arzneimitteln sind diese verschwunden. Heute muss eine Phagentherapie Anforderungen von Swissmedic erfüllen und die Herstellung ist daher (noch) relativ teuer und nur an wenigen Orten für wenige Phagen möglich in Europa. Apotheken stellen deshalb keine solchen Produkte mehr her, auch weil in diesen Mischungen oft Schwierigkeiten bestehen, die strengen Qualitätsanforderungen an heutige standardisierte Medikamente zu erfüllen.

Ich habe Sarkoidose, Ashma und Heuschnupfen. Ich nehme OFEV 2 x täglich sowie Spiriva 1 x täglich (2 Hübe) und zusätzlich 1 x täglich Relvar 1 Hub. Zurzeit habe ich Husten mit Auswurf. Morgens nach dem Aufstehe ist es am schlimmsten, bis sich der erste Schleim gelöst hat. Könnte eine Phagentherapie helfen meinen Husten mit Auswurf zu verbessern und mein Lungenvolumen zu steigern?

Lucas Boeck: Nein, Phagen sind Viren die ganz spezifisch einzelne Bakterien angreifen und optimalerweise eliminieren, die gleichen Phagen machen das aber bei anderen Bakterien nicht. Ich kann aktuell nicht sagen, ob die Ursache ihres Hustens die Sarkoidose, das Asthma, ein Infekt, oder eine Kombination hiervon ist. Die Phagen helfen nicht gegen die Sarkoidose oder das Asthma. Die meisten Infekte sind viral (also ein Phage hilft auch nicht) und selbst wenn es ein Bakterium wäre (dies ist eher unwahrscheinlich) könnte dies viel einfacher mit einem Antibiotikum behandelt werden.

Seit Weihnachten bin ich immer wieder (z. T. stark) erkältet und habe Husten. Es verläuft wellenförmig. Mal sind die Symptome (fast) weg, dann kommen sie wieder. Nach Ostern hat es mich wieder fest erwischt. Bin dann auch zum Arzt, wo ich Antibiotikum bekommen habe. Jetzt geht es mir wieder ziemlich gut – es ist aber noch nicht alles weg. Ich nehme seit längerem wieder Vitamintabletten und Echinacea-Tropfen. Sollte ich mal einen Bluttest machen? Was könnte ich machen, damit die Infektion ganz weg geht und nicht wieder so schnell zurückkommt?

Silvio Brugger: Möglicherweise haben Sie jeweils postinfektiösen Reizhusten mit überempfindlichen Atemwegen, bei dem die Schleimhäute nach jedem Infekt erneut gereizt werden, statt dass eine dauerhafte Infektion besteht. Allerdings sollte das nicht länger als 3 Monate andauern, dann braucht es eine Abklärung. Ein Bluttest kann hilfreich sein, um eine aktive bakterielle Entzündung auszuschliessen – würde ich aber nur machen, wenn Sie wieder Symptome bekommen. Generell gibt es wenige gute Mittel um «das Immunsystem zu stärken», aber sicher hilft gute Händehygiene gegen Infektionen mit Viren, ebenso vermeiden von dichten Menschenansammlungen und ggf. impfen.

Meine Mutter hat seit Januar einen hartnäckigen Husten. Sie war bereits mehrmals beim Hausarzt und als es einmal ganz schlimm war und zu einer Panikattacke (wussten wir dann noch nicht) geführt hatte im Notfall, wir wissen noch immer nicht an was es liegt. Welches Vorgehen empfehlen sie?

Silvio Brugger: Wenn die Symptome so stark sind und seit Januar nicht bessern, würde ich Ihnen eine pneumologische Abklärung inkl. Lungenfunktionsprüfung empfehlen.

Ich leide an Schlafapnoe und brauche eine CPAP-Maske. Jedes Jahr im Sommer kommt es zu einer Antibiotika-Therapie, weil das Gerät trotz Befeuchtung Mund und Rachen austrocknet. Irgendwann reagiert der Körper wahrscheinlich nicht mehr auf die Antibiotika. Was kann ich tun?

Lucas Boeck: Ja eine CPAP Gerät kann Rachen austrocknen, dies könnte theoretisch (das Risiko ist ganz leicht erhöht) leichter zu Infekten wie Lungenentzündungen führen. Ob das praktisch wirklich der Fall ist, kann ich nicht sagen. Wichtig wäre noch andere Ursachen die häufige Antibiotikatherapien verlangen zu suchen. Jeder Antibiotikaeinsatz beschleunigt die Entstehung von Resistenzen. Wichtig ist, dass das Antibiotikum sinnvoll und nicht unnötig eingesetzt wird, und wenn möglich das Riskio für Infekte reduziert wird. Aktuell sind in der Schweiz Infekte, für welche wir keine aktiven Antibiotika haben, glücklicherweise sehr selten.

Infektionsgefahr bei Kathetereinsatz. Muss dieser wirklich alle 4-6 Wochen gewechselt werden. Meine Hausärztin hat ihn dieses Mal infolge Ferienabwesenheit erst nach 8 Wochen gewechselt und es ist nichts passiert. Besten Dank für Ihre Auskunft.

Silvio Brugger: Das ist etwas individuell, es ist aber nicht zwingend, dass man alle 4-6 Wochen wechseln muss, teilweise werden auch 12 Wochen gut toleriert. Auch ist die Datenlage aus Studien nicht eindeutig, so dass durchaus ein «Wechsel nach Bedarf» erfolgen kann.

Mich würde es interessieren, weshalb westliche Länder wie die Schweiz sich bei der Phagen Therapie nicht vermehrt mit Ländern wie Georgien austauschen. Dort ist die Phagen Therapie etabliert und über Jahre eingesetzt und somit müssten dort doch auch bereits mehr Langzeiterfahrungen und Studien existieren.

Alexander Harms: Der Austausch findet durchaus statt (in beide Richtungen) und die langjährigen Erfahrungen aus Georgien werden auch beim Einsatz von Phagen in Europa berücksichtigt. Die Studien und Berichte dazu sind allerdings nicht auf die Weise durchgeführt worden, wie in der westlichen Medizin klinische Studien zur Zulassung von Medikamenten aufgesetzt werden. Daher sind sie sicherlich interessant (sofern sie z.B. auch auf Englisch vorliegen), können eine reguläre Zulassung z.B. in der Schweiz aber nur bedingt beeinflussen.

Ich habe seit der Geburt meines ersten Kindes im Januar 2025 in regelmässigen Abständen eine Sinusitis. (Ca. Alle 6 Wochen seit Oktober). Die Sinusitis musste auch bereits mit Antibiotika behandelt werden. Ich bin ansonsten gesund und habe vor der Geburt und in der Schwangerschaft auch keine Erkältungen und Sinusitis gehabt. Kann das nach einer Schwangerschaft gehäuft vorkommen? Was kann ich dagegen tun?

Silvio Brugger: Rezidivierende Sinusitis nach der Schwangerschaft ist nicht ungewöhnlich, aber die Häufigkeit in Ihrem Fall (alle 6 Wochen seit Oktober) ist ungewöhnlich und eine Abklärung der zugrunde liegenden Ursachen bei einem HNO Arzt ist sicher empfehlenswert. Schwangerschaft und die postpartale Phase können durch hormonelle Veränderungen, Immunmodulation und Schleimhautveränderungen die Anfälligkeit für Nasennebenhöhlenentzündungen erhöhen, aber eine Abklärung ist bei dieser Häufigkeit sicher sinnvoll.

Ich habe immer wieder über eine längere Zeit (mehrere Wochen) folgendes Symptom: kitzeln in den Bronchien und leichter Hustereiz beim Sprechen. Ich war nicht erkältet und fühle mich sonst fit, mache viel Ausdauersport. Kann das doch ein verschleppter Infekt sein? Ich habe auch schon an Pollenallergie oder stillen Reflux gedacht.

Lucas Boeck: Es kann durchaus sein, dass sie diese Symptome nach einem viralen Infekt verspüren, könnte auch Ausdruck eines Asthmas sein. Es muss aber nicht sein, dass dahinter einer Erkrankung steht. Ein längerdauernder Husten sollte jedoch abgeklärt werden.

Vor 8 Jahren hatte ich eine Blasenuntersuchung wegen Reizblase im Hirslanden Zürich. Dabei kam es zu einem Krankenhauskeim und nur noch wenige Antibiotika helfen Die brauche ich jetzt leider öfter, denn seit dieser Untersuchung habe ich dauernd Blasenentzündungen, die ich früher nicht hatte. Woher kommen die und was kann ich dagegen tun?

Silvio Brugger: Leider kann es auch bei korrekten und vorsichtigen Untersuchungen zu Infektion kommen. Oft ist es nicht einfach zu sagen, warum es zu wiederkehrenden Infektionen kommt, das können zum Beispiel lokale Schwächen / Atrophien der Schleimhäute sein, oder Veränderungen der Harnwege wie eine Beckenbodenschwäche oder Uterusveränderungen. Es wäre sicher wichtig zu wissen, ob Sie immer den gleichen Keim haben oder ob es immer andere sind, weswegen in Ihrem Fall sicher immer eine Urinkultur gemacht werden sollte. Danach kann eine interdisziplinäre Abklärung mit Urologie/Gynäkologe/Infektiologie sinnvoll sein.

Guten Abend. Vor anderthalb Jahren habe ich eine Epsteinbarrvirus-Infektion gehabt mit mildem Verlauf, ca. Monate. Ich habe mich davon gut erholt. Letzten Winter hatte ich eine Meningitis (viral – Enteroviren-Infektion), auch davon habe ich mich gut erholt. Jetzt habe ich seit einem Monat das Gefühl wieder „abgeschlagen“ und weniger kräftig zu sein, habe manchmal am Abend ein Fieber-Gefühl, jedoch nichts hartnäckiges. Macht ein Blutbild hier Sinn oder ist es einfach zu unbestimmbar, von was die Nacheffekte stammen? Kann eine allgemeine Immunschwäche vorliegen und lässt sich dies allenfalls diagnostizieren?

Silvio Brugger: Da kann ein Blutbild sicher sinnvoll sein zusammen mit einer ausführlichen klinischen Untersuchung und Anamnese. Eine Immunschwäche kann prinzipiell vorliegen, muss aber nicht – das müsste man aber genauer abklären im Rahmen einer Untersuchung – am besten zuerst beim Hausarzt/Hausärztin

Haben Adoptionskinder seit Geburt häufiger ein schwächeres Immunsystem oder ein erhöhtes Risiko?

Silvio Brugger: Interessante Frage – Adoptionskinder haben kein grundsätzlich schwächeres Immunsystem; je nach Situation können natürlich aber Faktoren vorliegen / vorgelegen haben, die auch eine Schwächung des Immunsystems verursachen (wie zB Mangelernährung) – das ist aber unabhängig von der Adoption.

Ich (30) leide seit jahren an einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung. Freies Atmen durch die Nase ist selten, was Sport etc. sehr mühsam macht. Nach zwei Operationen (Polypen und Schleimhaut entfernen) will es einfach nicht besser werden und kehrt wieder zurück (Staphylokokken). Was bleibt mir noch übrig als mögliche Lösung?

Silvio Brugger: Je nach Typ/Pathophysiologe der chronischen Rhinosinusitis könnten ev. Biologika helfen (zB Dupilumab) – dazu müssten Sie aber mit dem HNO Arzt die Art der NNH Entzündung nochmals besprechen. Grundsätzlich kann man für Staphylokokken (S. aureus) eine Dekolonisation versuchen.

Ich habe seit 2019 Probleme beim Atmen. Selbe Sympthome und chrosen/pfeiffen wie bei Asthma. So belastend dass ich 1-2x täglich Symbicort brauche. Der eine Arzt/Pneumologe sagt sie haben nurnoch 85% Lungenfunktion oder sagen es sei alles im Normbereich. Wen ich eine Erkältet bin mit Husten oder zuletzt Angina hatte dann sind die Atemprobleme wie weg in dieser Zeit. Da brauch ich dann 1-2 Wochen auch keinen oder nur 1 x pro Woche den Symbicort. Ich bin verzweifelt da jeder nur Symbicort verschreibt aber nur für 1-2x und danach aber sagt ich weiss nicht was sie haben ich kann ihnen nicht weiterhelfen. Auf Asthma deute nichts oder zu wenig hin.

Lucas Boeck: Wenn sie meinen, dass sie 1-2x Symbicort brauchen, dann gehe ich davon aus, dass sie hiervon profitieren. Sollte dies der Fall sein deutet das schon sehr stark auf ein Asthma hin (gemeinsam mit Pfeifen), untypisch ist, dass dies bei einer Erkältung besser wird. Wichtig ist wie die Symptome / Probleme unter Symbicort Therapie sind. Sind diese weiterhin vorhanden sollte evtl eine weitere Abklärung stattfinden.

Ich bin seit anfangs märz immer wieder erkältet, teils stark mit hustenreiz, schnupfen, hals- und schluckweh und teilweise erhöhter temperatur. beim husten kommt ständig sekret hoch. sobald ich das gefühl habe, das ganze ist abgeklungen, beginnt es wieder von vorne. ich kenne eine so hartnäckige sache nicht, habe es noch nie erlebt. ich lebe sonst gesund, bin 61-jährig. was empfehlen sie mir? herzlichen dank für ihr feedback.

Silvio Brugger: Teilweise kann es nach einer Atemwegsinfektion noch einige Woche zu postakutem Husten und gereizten Atemwegen kommen. Wenn dies aber >12 Wochen geht oder schlimmer wird oder immer wieder aufflammt (wie bei Ihnen), würde ich (wenn Sie schon beim Hausarzt/Hausärztin waren) eine pneumologische Abklärung empfehlen – sonst bitte erst zum Hausarzt.

Mmeine Mutter hat seit Januar einen Reizhusten und war beim Arzt und hat auch Antibiotika bekommen und es wurde besser aber der Husten kehrt immer wieder zurück muss man sich da sorgen machen oder kann das manchmal länger dauern

Silvio Brugger: Husten kann einige Wochen nach einer Infektion noch vorhanden sein. Januar ist aber etwas lange her – hier lohnt sich eine Abklärung.

Seit Dezember leide ich nach erhöhter sportlicher Belastung (z.B. Rennen) für zwei bis drei Wochen an starkem Husten. Zudem fühle ich mich generell in meiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Es fühlt sich wie eine abgeschwächte Version meiner Lungenentzündung während der Coronainfektion an. Die Hausärztin hat ein EKG sowie ein Röntgenbild der Lunge gemacht, ohne Auffäligkeiten. Zudem wurde ein Lungenvolumentest vorgenommen und auf Allergien getestet, ebenfalls ohne Auffälligkeiten. Am Freitag bin ich nach einer langen Wartefrist beim Lungenspezialist. Momentan leide ich wieder an starkem Reizhusten mit Schleim am Morgen und trockenem Husten gegen Abend. Zudem fühle ich mich generell etwas krank, allerdings ohne Fieber.

Lucas Boeck: Eine pneumologische Vorstellung ist sicher sinnvoll. Hier könnte auch ein Asthma oder ein anderes Lungenproblem zugrunde liegen, was unter Umständen gut behandelt werden kann.

Ich leide seit ca. 3 Jahren an einer hartnäckigen Fusswarze (Humane Papillomaviren). In dieser Zeit habe ich bereits verschiedene Behandlungsmethoden ausprobiert, darunter Guttaplast, mechanisches Abschaben, Acetocaustin sowie Kryotherapie. Trotz dieser Massnahmen besteht die Warze weiterhin (fast) unverändert und verursacht teilweise auch Schmerzen, insbesondere beim Auftreten (Ich spiele Fussball). Mich würde interessieren, welche weiteren Behandlungsmöglichkeiten in einem solchen chronischen, therapieresistenten Fall sinnvoll wären.

Silvio Brugger: Das ist leider typisch und oft frustran – bei diesen Fällen ist oft eine dermatologische Therapie (ggf. chirurgisch, oder intraläsionäre Immuntherapie) empfehlenswert. Gute Besserung!

SRF 1, Puls, 4.5.2026, 21:05 Uhr ; 

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