«Marty Supreme» ist ein rasantes Porträt des Schuhverkäufers Marty Mauser (Timothée Chalamet). Er lebt in den 1950er-Jahren in New York und ist wild entschlossen, der weltweit beste Tischtennisspieler zu werden. Damit er das Geld dafür auftreiben kann, wettet, trickst und betrügt er ständig. Am dem Tisch und daneben. Zudem hat er eine schwangere Freundin (Odessa A’zion) und eine Affäre mit einer ehemaligen Filmdiva (Gwyneth Paltrow).
Wie gut gelungen ist der Film aus Sicht eines Tischtennisprofis? Elia Schmid, Schweizer Tischtennis-Nummer-Eins, findet den Film sehr sehenswert: «Egal, ob man nun Tischtennisspieler ist oder einfach unterhalten werden will.»
Der 29-Jährige spielt als Profi in der zweiten deutschen Bundesliga, arbeitet als Trainer in der Schweiz und ist Teilhaber diverser Pingpong-Lounges. Mit diesen drei Standbeinen kann er vom Sport leben.
Weltweit gehört Schmid zu den 200 Besten – das erfordert vielfältige Fähigkeiten: «Es braucht eine Supertechnik, gute, präzise Schläge, mentale Stärke und Kondition», sagt der Profi. Auch die Entscheidungsfindung sei extrem wichtig: «Innert Hundertstelsekunden musst du dich entscheiden und die richtige Lösung suchen.»
Tischtennislegende als Filmvorlage
«Marty Supreme» basiert lose auf dem Leben der New Yorker Tischtennislegende Marty Reisman. Er gewann fünf Bronzemedaillen an Weltmeisterschaften – und 1949 das renommierte British Open.
Er war die schillernd-exzentrische Figur der Tischtennisszene und ein genialer Trickser und Showman – eine Steilvorlage für die Filmfigur Marty Mauser.
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Bild 1 von 3. Marty Reisman war in den 1950er-Jahren ein amerikanisches Tischtennis-Ass ... Bildquelle: GettyImages/Jacobsen.
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Bild 2 von 3. ... und ein begnadeter Showman. Der erfolgreiche Sportler gewann fünf WM-Bronzemedaillen. Bildquelle: GettyImages/Jacobsen.
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Bild 3 von 3. Reisman war Dandy, beliebtes Sujet auf Titelseiten – und auch das Enfant terrible der Tischtennisszene. Weil er sich nicht immer regelkonform verhielt, sperrte ihn der US-Tischtennisverband mehrmals. Bildquelle: GettyImages/New York Daily News.
Lob vom Profi
Hollywoodstar Timothée Chalamet («Dune», «Wonka», «Like a Complete Unknown») spielte alle Tischtennis-Szenen selbst. Sechs Jahre lang trainierte er heimlich, nahm sogar eine Tischtennisplatte mit auf andere Filmsets und feilte in den Drehpausen an seinem Stil.
«Er hat sicher einiges gelernt», lobt Schmid: «Er ist sehr beweglich und superschnell auf den Beinen. Die Schläge sind auch einigermassen so, wie sie sein sollten. Taktisch aber steht er oft viel zu weit hinten und bringt sich dort zu fest in Bedrängnis.»
Bei gewissen Spielszenen sei technisch nachgeholfen worden, so der Tischtennis-Profi: «Es ist definitiv digital bearbeitet worden. Die Flugkurve wird zum Teil dramatischer gezeigt, der Ball springt höher als in der Realität.» Er sei gespannt, wie das dann die Laien beurteilten: «Aber auf jeden Fall hat man gesehen, dass es nicht ganz real ist.»
Auf Timothée Chalamet gesetzt
Das tut der Qualität des Films keinen Abbruch. «Marty Supreme» ist toll gefilmt, fulminant geschnitten und mitreissend erzählt. Und setzt auf das Charisma von Timothée Chalamet. Er gibt Marty charmant und geistreich, aber auch grossspurig und egoistisch.
Marty Mauser erfindet den orangenen Tischtennisball namens «Marty Supreme» und mischt damit die Szene auf. Und auch Timothée Chalamet erfindet sich in der Rolle des Tischtennis-Champions einmal mehr neu: Einen Golden Globe hat er dafür schon gewonnen, und er ist für einen Oscar nominiert.
Hat er den laut dem Experten verdient? «Für das Tischtennisspiel wird es knapp», schmunzelt Elia Schmid, «aber für die schauspielerische Leistung auf jeden Fall. Mich hat sehr überzeugt, wie er gespielt hat.»
Kinostart: 26. Februar