Die erste Folge von «Euphoria» haute einen 2019 vom Hocker: Ohne Vorwarnung befand man sich mitten in einer dunklen Welt voller Drogen und Depressionen. Im Mittelpunkt: Rue (Zendaya), eine Schülerin, die gerade aus der Entzugsklinik kam.
Ihre beste Freundin Jules (Hunter Schafer), ein trans Mädchen, das sich heimlich mit alten Männern im Motel zum Sex traf. Und Nate (Jacob Elordi), der Footballstar der Schule, der mit Aggressionsproblemen zu kämpfen hatte.
Aufrüttelnd, wunderbar überzogen, zeitgeistig und provozierend ging es zu – und her. Das Leben der Teenager war bitter und brutal – ganz ohne Zuckerguss. Alles wirkte sehr real. Die Titel einzelner Folgen unterstrichen die Schlagrichtung.
Bestes Beispiel: «The Trials and Tribulations of Trying to Pee While Depressed». Zu Deutsch: «Die Schwierigkeiten und Herausforderungen beim Versuch, unter Depressionen auf die Toilette zu gehen.»
Vom Look erinnerte die Serie an teurere Arthouse-Filme: Unschärfen, viel Dunkelheit, Neonlichter. Die Bilder vermittelten das Gefühl, als würde es ständig regnen, was es nicht tat. Das Ganze spielte in einer fiktiven Kleinstadt im sonst so sonnigen Kalifornien.
Laut X war «Euphoria» 2022 die meistgetwitterte Serie des Jahrzehnts. Alleine in den USA gab es 34 Millionen Tweets dazu.
«Euphoria» als Karriere-Kickstarter
Drei Stars feierten mit der Serie ihren Durchbruch. Da ist Zendaya, die dieses Jahr gleich mit vier Filmen ins Kino kommt. Der Australier Jacob Elordi war dieses Jahr als Monster in «Frankenstein» (2025) bei den Golden Globes und den Oscars nominiert. Mit dem Liebesdrama «Wuthering Heights» (2026) hatte er gleich seinen Anschluss-Hit.
Und Sydney Sweeney startete mit «The Housemaid» ihre eigene Filmreihe. Der volle Terminkalender der drei und der Hollywood-Streik von 2023 sind der Grund, warum die Fans vier Jahre auf die dritte und vielleicht letzte Staffel von «Euphoria» warten mussten.
Neuer Sound mit altbekanntem Meister
Ein schwerer Verlust: Der britische Musiker Labrinth, dessen lässig-lethargische Musik so wichtig für die Stimmung war, ist nach einem Streit mit der Produktion nicht mehr für den Soundtrack verantwortlich. Neu an Bord: Allzweckwaffe Hans Zimmer.
Und inhaltlich? Die neuen Folgen spielen fünf Jahre nach der zweiten Staffel. Die Schule ist vorbei, das echte Leben ruft. Rue arbeitet Schulden bei einer Drogen-Dealerin ab, indem sie deren Produkte von Mexiko in die USA bringt.
Rues Klassenkameraden Cassie (Sydney Sweeney) und Nate (Jacob Elordi) sind verlobt und leben in einer grossen Villa. Er hat finanzielle Schwierigkeiten, sie fotografiert sich im Welpen-Kostüm für Social Media und denkt darüber nach, ein Onlyfans-Model zu werden, um ihre Traumhochzeit zu verwirklichen. Alleine die Blumenarrangements sollen 50'000 Dollar kosten.
Jugendzimmer und Schulräume sind passé. Ein Drogenlabor, ein Stripclub, Büros und Hollywoodstudios sind jetzt die Orte, an denen die Handlung stattfindet. Es geht nicht mehr um einen Schulabschluss, sondern darum, den Platz in der Erwachsenenwelt zu finden.
Ob all diese Änderungen der Serie guttun und den Fans gefallen? Das wird sich zeigen. Auf der anderen Seite: Wenn man durch die ersten Staffeln angefixt wurde, will man auch die dritte Dosis «Euphoria» nicht verpassen.
Streamingstart: 13. April 2026 auf HBO Max.