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Das katholische Korsett
Aus Sternstunde Religion vom 31.01.2021.
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50 Jahre Frauenstimmrecht Der Knorz der Katholiken mit den Frauen

Erst vor 50 Jahren wurde den Frauen in der Schweiz das Stimmrecht zugesprochen. Ein neuer Dokumentarfilm zeigt: Widerstand kam bis zuletzt aus den katholischen Kantonen.

Wetterwolken jagen über den Vierwaldstättersee – wie eine kochende Ursuppe – und eine Frauenstimme aus dem Hintergrund hebt an: «Eine Ewigkeit hatte es gedauert – jedenfalls unglaublich lange – bis eine Mehrheit der Schweizer Männer im Februar 1971 den Frauen die politische Gleichberechtigung zugestand.»

Doch selbst dann, so heisst es weiter, konnten sich acht Kantone noch immer nicht zu diesem Schritt durchringen – darunter drei aus der konservativen Urschweiz.

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Kleider, Kant und Koitus

Hat vielleicht die katholische Tradition das negative Abstimmungsverhalten vielerorts beeinflusst? Mit dieser These beginnt der Film «Das katholische Korsett» von Beat Bieri und Jörg Huwyler.

Im Zentrum des Filmes stehen unter anderen Juristin und Politikerin Judith Stamm, Schriftstellerin Margrit Schriber, Juristin Ruth Wipfli Steinegger, ehemalige Ordensschwester, Theologin und Philosophin Imelda Abbt und Wirtin und Briefaktivistin Hanny Wallimann.

Sie tippen alle Themenkreise an, die indirekt oder direkt mit dem Katholizismus zu tun haben. Margrit Schriber beispielsweise wurde als Schülerin eingebläut, Sexualität sei eine Untat, Ruth Wipfli Steinegger berichtet über strenge Kleidervorschriften in ihrer Jugend.

Gesellschaftliche Strukturen müssen immer wieder neu hinterfragt werden: So bringt es die Philosophin Imelda Abbt auf den Punkt, wenn sie ihr geistiges Erweckungserlebnis – ausgehend von den Schriften Immanuel Kants – beschreibt: «Fange selbst an zu denken.»

Als sie dies verinnerlicht hatte, verliess sie ihren Orden, im vollen Bewusstsein, dass dies seinerzeit als «Schande» galt.

Eine Prozession mit katholischen Würdenträgern und Soldaten.
Legende: Männer, so weit das Auge reicht: Historische Aufnahme einer Prozession in Luzern. SRF / Lindenfilm GmbH / Beat Bieri

Hierarchische Weltsicht

Ein berührendes Statement liefert Franz Steinegger, der einzige Mann im Film. Es steht im krassen Widerspruch zu den vielen historischen Einspielungen von männlichen – im heutigen Verständnis wohl eher peinlich anmutenden – Meinungsäusserungen aus der Ecke: «Die Frau gehört an den Herd!»

Franz Steinegger, der frühere Urner FDP-Politiker und einst Fast-Bundesrat betont, dass für ihn nur eine Partnerin in Frage komme, die ein selbstbestimmtes Leben zu bestreiten in der Lage sei.

Hat nun die katholische Tradition das Abstimmungsresultat tatsächlich beeinflusst? Der Film antwortet darauf eher atmosphärisch als faktisch, indem er mit stimmungsvollen Bildern suggeriert: Die römisch-katholische Weltsicht ist mit Gott oben, danach folgt Adam und viel später Eva, streng hierarchisch geordnet.

Sendung: SRF 1, Sternstunde Religion, 31.1.2021, 11:00 Uhr

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Teil2: Jesus von Nazareth hat den Faden der "Befreiung" aufgenommen und hat vor allem das Mitgefühl mit den "Schwächeren" in der Gesellschaft gelebt.Gesetzlichkeit, die dem Menschen nicht eine Hilfe war,liebte er nicht.Frauen spielten auch eine grosse Rolle, z.B. Maria von Magdala, eine feinfühlige Frau, die später schlecht gemacht wurde (Hure). Es waren geistliche und weltliche männliche Machthaber,die irgendetwas zusammenhanglos aus der Bibel herauspflückten und zu eigenen Gunsten auslegten.
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Teil 1:Die biblischen Schriften sind eine Sammlung von Glaubenszeugnissen mit unterschiedlichem geschichtlichen Hintergrund.Der rote Faden der sich durch die biblischen Schriften zieht, ist nicht ein "Machtkampf" zwischen Männern und Frauen, sondern es ist Befreiuungsgeschichte - als Urgrund und Zielpunkt.Die Befreiung der Israeliten aus der Aegyptischen Sklavenschaft. Nicht nur Moses spielte da eine wichtige Rolle, sondern mindestens so sehr Mirjam; sie hat Mose übrigens vom Tod retten helfen.
  • Kommentar von Fritz Rueegsegger  (Matterhorn+234)
    Warum gibt es keine weibliche Priester, Bischöfe und Kardinäle. Weil die Frau in der katholischen Kirche eben nicht gleich gestellt ist. Ein Armutszeugnis.