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25 Jahre Weltwissen «HaDi» gibt der Schweizer Wikipedia ein Gesicht

«HaDi» gibt seit über 20 Jahren der Schweizer Wikipedia ein Gesicht. Er gibt Kurse für Einsteigerinnen und Einsteiger und sorgt dafür, dass Schweizer Themen auf der digitalen Enzyklopädie qualitativ einwandfrei und toll bebildert sind. Wenn das kein Grund zum «Apéröle» ist?

Diego Hättenschwiler in den Ferien in London, als es ihm den Ärmel bei Wikipedia hineinzog. Er stellte fest, dass es auf Wikipedia viele Artikel über die Stadt gab, denen es an Fotos mangelte. Also lud er kurzerhand eigene Aufnahmen hoch. Das Benutzerkonto «HaDi» war geboren. Am 2. September 2004, drei Jahre nach dem Start der Wikipedia.

Dass Wikipedia in den Jahren darauf sein ganzes Leben verändern und prägen würde, war dem Historiker und wissenschaftlichen Bibliothekar damals noch nicht bewusst.

Was ist Wikimedia?

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Im Zusammenhang mit Wikipedia liest man allenthalben den Begriff «Wikimedia Schweiz». Das ist der Förderverein für die Schweizer Community.

Er sorgt für die Mittelbeschaffung, unterstützt finanziell und logistisch und propagiert die Bedeutung der Wikipedia und ihrer Schwester-Plattformen für eine informierte Gesellschaft. Auf die Inhalte von Wikipedia nimmt der Verein keinen Einfluss.

Mehr als 20 Jahre später darf er sich mit Fug und Recht «Wikipedianer» nennen. Die offiziell erforderlichen fünf Artikelbearbeitungen pro Monat, sogenannte «Edits», übertrifft HaDi spielend. In der Schweiz erreichen diesen Status rund 850 Personen – weltweit sorgen rund 280'000 freiwillige Wikipedianer für die Qualitätssicherung der Artikel – mehrheitlich Männer. Diego Hättenschwiler kümmert sich vor allem um Artikel mit Schweizer Bezug.

HaDi vor einer Leinwand, auf der u.a. steht, dass er über 12000 Edits gemacht hat in 16 Jahren.
Legende: Diego Hättenschwiler bei der Verleihung der «WikiSwiss Awards», ein Schweizer Ehrenpreis, um langjähriges und engagiertes Mitwirken an Wikipedia und deren Projekten zu würdigen. Kerstin Sonnenkalb, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Diego Hättenschwiler ist kein unsichtbares Heinzelmännchen, wie viele seiner Wikipedianer- Kollegen und Kolleginnen. Seit er Kurse rund um Wikipedia gibt, Veranstaltungen organisiert, für dieses Engagement 2021 den «WikiSwiss Award» erhielt und 2022 zum einzigen Schweizer «Wikipedia Kulturbotschafter» gekürt wurde, ist er auch zum Gesicht der Schweizer Wikipedia geworden.

Es sei schön, dazu beitragen zu können, das Weltwissen möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen, sagt der heute 63-jährige Hättenschwiler. Was rät er jenen, die bei dieser Wissensvermittlung mithelfen möchten?

Wie kann man Wikipedia-Artikel bearbeiten?

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Es sei ganz einfach und man müsse sich nicht einmal anmelden auf Wikipedia: Bei einem Artikel auf «Bearbeiten» klicken und dann eine Korrektur reinschreiben oder einen Satz ergänzen.

Danach der wichtigste Schritt: Einen Beleg dazufügen. Dazu oben links auf den Knopf drücken, eine Art Anführungszeichen, und dann einen Link angeben oder ein Bild oder Dokument anfügen als Beleg. Zum Schluss auf «veröffentlichen» klicken.

Nicht immer bierernst

Auch wer einen neuen Artikel erstellen möchte, sei willkommen – und dabei müsse es auch nicht immer bierernst zu und her gehen. Beispielsweise der Artikel zu «Apéro». Den habe ein Deutscher erstellt, dem in der Schweiz aufgefallen sei, dass es hierzulande dauernd Apéros gäbe – und in Deutschland nicht. Nur kurze Zeit nach der Publikation des Artikels kam aus Deutschland der Kommentar «Was soll denn das sein?» zusammen mit einem Löschantrag.

Frisst die KI die Wikipedia?

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Vermehrt beantworten KI Chatbots unsere Fragen, statt dass wir auf der Wikipedia nachschauen. Das bringt für die Online-Enzyklopädie verschiedene Risiken:

  • Weniger Bekanntheit führt zu weniger Spenden und weniger Freiwilligen
  • Steigende Kosten durch Bot-Abfragen

Umgekehrt finden sich auch immer mehr Inhalte, die von Chatbots generiert wurden, auf der Wiki. Laut einer Studie waren 5 Prozent der neuen Einträge auf der englischsprachigen Wiki von der KI geschrieben. Auch das birgt Probleme:

  • Die Qualität leidet und damit das Vertrauen in die Wikipedia
  • Aufwand für die Freiwilligen, die KI-Beiträge aufspüren und löschen müssen
  • Zirkularität wenn die KI, die auf der Wikipedia trainiert wird, die Wikipediabeiträge schreibt

Nicht zuletzt birgt die KI aber auch Chancen für die Wikipedia – als Werkzeug, das die menschlichen Autorinnen und Admins nutzen können, zum Beispiel:

  • Probleme finden und markieren
  • Übersetzungen, insbesondere in Sprachen mit weniger Wikipedianern

Zusammen mit anderen Schweizer Wikipedianern verteidigte Diego Hättenschwiler den Beitrag, unter anderem dem Argument, dass die Schweizer Nationalbank einen Geldmarkt-Apéro durchführe. Das zeige die Wichtigkeit des «Apéros». Die Argumentation überzeugte die Wikipedia-Community und der Artikel durfte bleiben.

Es ist ein Beitrag unter 66 Millionen Artikeln der grössten Wissens-Sammlung, die Menschen je aufgebaut haben und und damit zu einem der erfolgreichsten Projekte der Internetgesellschaft zählt.

Creative Commons-Videos von SRF, RTR, RSI und RTS

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Mit dem Projekt «Wissen für alle» stellt SRF in Zusammenarbeit mit Wikimedia Schweiz seit 2024 Erklärvideos zu Wissensthemen bereit – verständlich aufbereitet und für alle frei nutzbar. Seit 2025 beteiligen sich auch RTR, RSI und RTS mit eigenen Videos an diesem Angebot.

Die Videos sind auf Wikipedia passenden Artikeln zugeordnet und auch auf www.srf.ch/creativecommons abrufbar.

Radio SRF 3, 15.1.2026, 7:10 Uhr

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