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Abstimmungen vom 30. November Deutliches Nein: Es gibt keinen Bürgerdienst für alle

  • Die Schweiz hat über die Service-citoyen-Initiative abgestimmt. Die Initiative ist am Ständemehr gescheitert.
  • Lediglich knapp 16 Prozent der Stimmberechtigten legten ein Ja in die Urne – 84.1 Prozent stimmten gemäss offiziellem Schlussresultat gegen die Initiative.
  • Aus keinem Kanton und selbst aus keiner einzigen der rund 2100 Gemeinden im Land erhielt die Initiative Zustimmung.
  • Diese hätte einen Bürgerdienst für alle Schweizer Staatsangehörigen verlangt. Auch für Ausländerinnen und Ausländer wäre eine Dienstpflicht nicht ausgeschlossen gewesen.

Service-citoyen-Initiative

Eidg. Vorlage: Volksinitiative «Für eine engagierte Schweiz»

  • JA

    15.9%

    379'595 Stimmen

  • NEIN

    84.1%

    2'014'638 Stimmen

Standesstimmen

  • JA

    0.0

  • NEIN

    23.0

Das Nein an den Urnen ist noch deutlicher als es die letzten Hochrechnungen hätten erwarten lassen: In der letzten SRG-Trendumfrage vor der Abstimmung waren 64 Prozent der Stimmwilligen gegen die Initiative. Politologe Lukas Golder von GFS Bern sprach im SRF-Abstimmungsstudio von einem «klaren Absturz» der Initiative. Die Abstimmenden hätten den Problemdruck nicht gespürt, am Schluss hätte man nur noch die Schwächen der Initiative wahrgenommen, sagte Golder im SRF-Abstimmungsstudio.

Noémie Roten, Initiantin und treibende Kraft hinter der Initiative, gibt unumwunden zu, dass das Abstimmungsresultat «heftig» ausgefallen sei. Aber: «Es zeigt auch, wie schwierig es für ein kleines Komitee aus der Zivilgesellschaft ist, gegen das gesamte politische Establishment anzutreten.»

Werner Salzmann (SVP/BE) vom Gegenkomitee zeigte sich erleichtert über das Resultat. In dieser Klarheit hätte er das jedoch nicht erwartet, wie er im Abstimmungsstudio von SRF sagte.

Die Vorlage hätte laut Salzmann «zementiert», dass die Armee keine Priorität habe. Andererseits habe die Gleichberechtigungsfrage auch die Linken mobilisiert. Man sehe, dass die Zeit noch nicht reif sei für ein solches Anliegen, so Salzmann. Frauen sollen laut dem SVP-Politiker freiwillig in die Armee kommen.

Nein-Lager verlangt nun Sicherheitsdienstpflicht

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Nach der Ablehnung der Initiative fordert das Nein-Komitee Massnahmen zur Stärkung der Armee. Es liege nun am Bundesrat, eine langfristig wirksame Lösung für die personelle Sicherstellung von Armee und Zivilschutz erarbeiten. 

«Wir erwarten nun den Vorschlag des Bundesrates für die Umsetzung der Sicherheitsdienstpflicht», liess sich Nationalrat Reto Nause (Mitte/BE), Präsident des Vereins Allianz Sicherheit Schweiz, in einer Mitteilung vom Sonntag zitieren. 

Der nächste Schritt ist für die Allianz Sicherheit Schweiz das bereits durch das Parlament beratene Massnahmenpaket zur Stärkung des Zivilschutzes. «Zur langfristigen Sicherung der Bestände brauchen wir aber die Sicherheitsdienstpflicht», sagte Nationalrat Michael Götte (SVP/SG). 

Die Ablehnung zeige, dass ein beliebiger Dienst auf Kosten der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler nicht erwünscht sei. Die Sicherheit werde in Mitleidenschaft gezogen, da Dienstleistende ihre Pflicht «mit Einsätzen als Pausenaufsicht in einer Schule, mit dem Mähen von artenreichen Wiesen oder mit Gartenarbeiten erfüllen», hielt das Komitee fest. 

Die bürgerliche Allianz Sicherheit Schweiz budgetierte 275'000 Franken für die Nein-Kampagne. Die Gelder kommen unter anderem von Economiesuisse, Swissmem und dem Verband Militärischer Gesellschaften.

Bürgerdienst für Männer und Frauen

Die Volksinitiative «Für eine engagierte Schweiz (Service-citoyen-Initiative)» hätte einen Bürgerdienst für alle Schweizer Männer und Frauen gefordert, im Namen von Allgemeinheit und Umwelt. Das hätte ein Dienst bei der Armee wie auch im Zivilschutz oder ein anderer gleichwertiger und gesetzlich anerkannter Milizdienst sein können. Wer Dienst geleistet hätte, hätte einen angemessenen Erwerbsersatz bekommen sollen.

Mann auf Treppe.
Legende: Der Bürgerdienst – für die Initiantinnen und Initianten hätte es den Einsatz aller gebraucht. Die Gegner hatten einen Schaden für die Wirtschaft und die Armee befürchtet. Keystone/CHRISTIAN BEUTLER

Jede Person solle sich dort einsetzen können, wo sie gebraucht wird, forderten die Initianten. Die Bedürfnisse von Armee und Zivilschutz hätten dabei aber erfüllt sein müssen. Gegolten hätte die Pflicht für Schweizerinnen und Schweizer. Doch im Gesetz hätte später festgelegt werden sollen, ob und – falls ja – wie auch Menschen ohne Schweizer Pass einen Bürgerdienst leisten müssen.

Heute werden nach Angaben des Verteidigungsdepartements jedes Jahr rund 35'000 Personen dienstpflichtig. Rund 28'000 verpflichten sich bei Armee, Zivilschutz oder Zivildienst. Wären alle Schweizer Männer und Frauen dienstpflichtig, erhöht sich die Zahl der Rekrutierten auf rund 70'000 im Jahr.

Wer ist heute dienstpflichtig?

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Schweizer Männer müssen heute in der Armee oder im Zivilschutz Dienst leisten. Wer den Dienst nicht mit dem Gewissen vereinbaren kann, kann einen zivilen Ersatzdienst leisten, der länger dauert als der Militärdienst. Wer den Dienst nicht leisten kann und zwischen 19 und 37 Jahre alt ist, schuldet in der Regel eine Ersatzabgabe. Frauen können freiwillig Dienst leisten.

Laut dem Verteidigungsdepartement ist mittelfristig die Alimentierung und Einsatzbereitschaft der Armee gefährdet, unter anderem wegen Wechseln zum Zivildienst.

Wie die Dienstpflicht künftig aussehen soll, wird in Bern zurzeit diskutiert. Der Bundesrat schlägt zwei Varianten vor: Eine ist eine Sicherheitsdienstpflicht für Männer, die beim Militär oder in einer künftigen Katastrophenschutz-Organisation geleistet werden müsste – in ihr würden Zivilschutz und Zivildienst vereint. Die zweite Variante ist eine «bedarfsorientierte Dienstpflicht», die neu auch für Frauen gelten würde. Allerdings müsste nur antreten, wer bei Armee und Zivilschutz tatsächlich gebraucht wird. Der Zivildienst würde bestehen bleiben.

Der Erwerbsersatz kostet für die aktuell geleisteten rund acht Millionen Diensttage im Jahr rund 800 Millionen Franken und die Militärversicherung rund 160 Millionen Franken.

Kosten würden sich laut dem Bund verdoppeln

Würden auch Frauen dienstpflichtig, wie dies die Initiative gefordert hatte, würden sich beide Posten etwa verdoppeln auf 1.6 Milliarden respektive 320 Millionen Franken. Dies ginge beim Erwerbsersatz zulasten der Lohnbeiträge und bei der Militärversicherung zulasten des Bundes.

Abstimmungsdossier

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Legende: SRF

News und Hintergründe zu den eidgenössischen, kantonalen und kommunalen Abstimmungen vom 30. November 2025.

SRF 4 News, 30.11.2025, 8 Uhr ; 

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