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800 Stützpunkte Wie die USA ihre Militärpräsenz weltweit ausweiten

Die USA betreiben weltweit ein ausgedehntes Netz von rund 750 Militärstützpunkten, das bis in den Kalten Krieg zurückreicht. Angesichts zunehmender Spannungen – etwa mit dem Iran und innerhalb der Nato – rückt diese Präsenz wieder stärker in den Mittelpunkt – auch in Europa.

Ein Bericht des US-Kongresses nennt offiziell 128 Stützpunkte in 51 Ländern. Fachleute halten diese Zahl jedoch für deutlich zu tief. Der Anthropologe David Vine, Autor des Buchs «Base Nation», verfolgt die Entwicklung seit 25 Jahren. Er geht von 750 bis 800 Standorten aus, verteilt über alle Kontinente.

Die USA und ihre Militärbasen (mit dt. Untertiteln)

«Einige Stützpunkte sind so gross wie Städte, etwa in Deutschland, Italien, Japan oder Südkorea», sagt Vine. Camp Humphreys in Pyeongtaek, Südkorea, ist der grösste US-Stützpunkt im Ausland. Er beherbergt über 40’000 Menschen und verfügt über eigene Schulen, ein Kino und einen Golfplatz.

Ein teilweise verborgenes System

Viele Einrichtungen sind nur teilweise öffentlich bekannt. «Immer mehr Anlagen werden so integriert, dass sie kaum sichtbar sind – sogar für Teile des US-Kongresses oder der Bevölkerung im Gastland», erklärt Vine.

Ausweitung im Kalten Krieg

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Die starke Ausweitung der amerikanischen Militärpräsenz begann nach dem Zweiten Weltkrieg. 1947 formulierte Präsident Harry Truman seine Doktrin, die darauf abzielte, «freie Völker» zu unterstützen. Ab den 1950er-Jahren entstanden Hunderte Stützpunkte, um die Sowjetunion einzudämmen.

Das Netz passte sich anschliessend geopolitischen Ereignissen an: Ausweitung während der Kriege in Korea und Vietnam, Reduktion nach dem Ende der UdSSR, erneute Umverteilung nach den Anschlägen vom 11. September sowie eine Verlagerung nach Nordeuropa im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine.

Intransparente Abkommen

Die meisten US-Stützpunkte basieren auf bilateralen Abkommen, etwa im Rahmen der Nato. Trotzdem bleibt vieles undurchsichtig. Einige Länder wie Japan, Kuwait oder Südkorea zahlen für die Präsenz amerikanischer Truppen. Andere, wie Dschibuti, erhalten Geld dafür, einen Standort zu ermöglichen. Laut Vine sind auch Handelsbeziehungen und Waffenverkäufe oft eng mit solchen Vereinbarungen verknüpft.

Grosses Militärflugzeug auf Rollbahn mit Gebäuden im Hintergrund.
Legende: Die Air Base Ramstein ist die grösste Einrichtung der US Air Force ausserhalb der Vereinigten Staaten. Keystone / Boris Roessler

Die lange vertretene Einschätzung, die USA böten damit einen kostenlosen Schutz, wird heute zunehmend hinterfragt. Fachleute betonen, dass diese Wahrnehmung während des Kalten Krieges nur teilweise zutraf.

Politischer Einfluss

Laut Militärhistoriker David Silbey von der Cornell University würden die USA ihre Stützpunkte als Mittel zur Stabilisierung nutzen. Er verweist auf den Tsunami von 2004 in Asien, als der Stützpunkt Diego Garcia als logistisches Zentrum für Hilfseinsätze diente.

Sie dienten aber auch als politisches Druckmittel. Laut David Vine kann schon die sichtbare Präsenz amerikanischer Militärmacht – etwa ein Flugzeugträger oder ein Stützpunkt im Land – Verhandlungen beeinflussen.

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Obwohl viele Anlagen als defensiv gelten, wurden sie mehrfach für offensive Einsätze genutzt, etwa im Iran oder im Jemen. Das kann Spannungen im Gastland erzeugen. Der Militärhistoriker David Silbey erinnert an Pakistan, wo US‑Drohnenangriffe 2008 und 2009 den Eindruck verstärkten, die Regierung habe solche Einsätze geduldet.

Zudem können US-Stützpunkte selbst zu Zielen von Angriffen oder Vergeltungsaktionen werden.

Neue Fragen in Europa

Die jüngsten politischen Spannungen sowie Äusserungen Donald Trumps über Grönland haben die Diskussion neu entfacht. Auf der Insel befindet sich mit Pituffik ein wichtiger amerikanischer Stützpunkt. Aufgrund eines Vertrags mit Dänemark aus dem Jahr 1951 verfügen die USA dort über weitreichende Rechte.

Gruppe von Menschen in Winterkleidung auf schneebedecktem Gelände.
Legende: Der US-Vizepräsident J.D. Vance (hier in der Bildmitte) bei einem Besuch auf dem Stützpunkt Pituffik am 28. März 2025. Keystone / Jim Watson

Das Online-Medium «Politico» berichtet, dass in Brüssel vertrauliche Gespräche stattfinden. Europäische Diplomaten sollen darin die Möglichkeit erwähnen, die Kontrolle über amerikanische Militärstützpunkte auf ihrem Territorium wiederzuerlangen.

Der britische Grünen-Vorsitzende Zack Polanski fordert laut «The Guardian» sogar offen, die US-Soldaten aus dem Land zu weisen. «Die Vereinigten Staaten würden nicht einfach abziehen. Es gäbe Gegenmassnahmen», warnt jedoch David Silbey.

RTS Tout un monde, 29.1.2026, 8:13 Uhr; wilh

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