Ein Bericht des US-Kongresses nennt offiziell 128 Stützpunkte in 51 Ländern. Fachleute halten diese Zahl jedoch für deutlich zu tief. Der Anthropologe David Vine, Autor des Buchs «Base Nation», verfolgt die Entwicklung seit 25 Jahren. Er geht von 750 bis 800 Standorten aus, verteilt über alle Kontinente.
Die USA und ihre Militärbasen (mit dt. Untertiteln)
«Einige Stützpunkte sind so gross wie Städte, etwa in Deutschland, Italien, Japan oder Südkorea», sagt Vine. Camp Humphreys in Pyeongtaek, Südkorea, ist der grösste US-Stützpunkt im Ausland. Er beherbergt über 40’000 Menschen und verfügt über eigene Schulen, ein Kino und einen Golfplatz.
Ein teilweise verborgenes System
Viele Einrichtungen sind nur teilweise öffentlich bekannt. «Immer mehr Anlagen werden so integriert, dass sie kaum sichtbar sind – sogar für Teile des US-Kongresses oder der Bevölkerung im Gastland», erklärt Vine.
Intransparente Abkommen
Die meisten US-Stützpunkte basieren auf bilateralen Abkommen, etwa im Rahmen der Nato. Trotzdem bleibt vieles undurchsichtig. Einige Länder wie Japan, Kuwait oder Südkorea zahlen für die Präsenz amerikanischer Truppen. Andere, wie Dschibuti, erhalten Geld dafür, einen Standort zu ermöglichen. Laut Vine sind auch Handelsbeziehungen und Waffenverkäufe oft eng mit solchen Vereinbarungen verknüpft.
Die lange vertretene Einschätzung, die USA böten damit einen kostenlosen Schutz, wird heute zunehmend hinterfragt. Fachleute betonen, dass diese Wahrnehmung während des Kalten Krieges nur teilweise zutraf.
Politischer Einfluss
Laut Militärhistoriker David Silbey von der Cornell University würden die USA ihre Stützpunkte als Mittel zur Stabilisierung nutzen. Er verweist auf den Tsunami von 2004 in Asien, als der Stützpunkt Diego Garcia als logistisches Zentrum für Hilfseinsätze diente.
Sie dienten aber auch als politisches Druckmittel. Laut David Vine kann schon die sichtbare Präsenz amerikanischer Militärmacht – etwa ein Flugzeugträger oder ein Stützpunkt im Land – Verhandlungen beeinflussen.
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Obwohl viele Anlagen als defensiv gelten, wurden sie mehrfach für offensive Einsätze genutzt, etwa im Iran oder im Jemen. Das kann Spannungen im Gastland erzeugen. Der Militärhistoriker David Silbey erinnert an Pakistan, wo US‑Drohnenangriffe 2008 und 2009 den Eindruck verstärkten, die Regierung habe solche Einsätze geduldet.
Zudem können US-Stützpunkte selbst zu Zielen von Angriffen oder Vergeltungsaktionen werden.
Neue Fragen in Europa
Die jüngsten politischen Spannungen sowie Äusserungen Donald Trumps über Grönland haben die Diskussion neu entfacht. Auf der Insel befindet sich mit Pituffik ein wichtiger amerikanischer Stützpunkt. Aufgrund eines Vertrags mit Dänemark aus dem Jahr 1951 verfügen die USA dort über weitreichende Rechte.
Das Online-Medium «Politico» berichtet, dass in Brüssel vertrauliche Gespräche stattfinden. Europäische Diplomaten sollen darin die Möglichkeit erwähnen, die Kontrolle über amerikanische Militärstützpunkte auf ihrem Territorium wiederzuerlangen.
Der britische Grünen-Vorsitzende Zack Polanski fordert laut «The Guardian» sogar offen, die US-Soldaten aus dem Land zu weisen. «Die Vereinigten Staaten würden nicht einfach abziehen. Es gäbe Gegenmassnahmen», warnt jedoch David Silbey.