Zweimal deutlich Nein, zweimal leichter Nervenkitzel: Während die SRG-Initiative und die Klimafonds-Initiative eindeutig abgelehnt wurden, wurde es bei der Individualbesteuerung und der Bargeld-Initiative knapper.
Entsprechend sorgten vor allem diese beiden Initiativen – sowie der Gegenentwurf zur Bargeld-Initiative – für Gesprächsstoff.
Insbesondere die Individualbesteuerung wurde emotional diskutiert: «Die Schweiz war beschämenderweise eines der letzten entwickelten Länder, das Frauen erlaubte, bei Abstimmungen mitzureden. Nun ist es auch eines der letzten Länder, das eine gleichwertige finanzielle Behandlung gewährleistet», zeigt sich «Concerned Opposer» auf der Plattform «dialog» erleichtert.
Die Individualbesteuerung gibt einen guten Anreiz, wieder zu heiraten.
Auch für «Cinead -C» sei die Individualbesteuerung die nun «logische Folge eines langen Emanzipationsprozesses»: «Frauen sind nicht bloss Trabanten ihres Ehepartners. 2026 kann die Gerechtigkeit nicht mehr auf dem patriarchalischen Modell des Familienoberhaupts beruhen, sondern auf der Anerkennung jedes Bürgers als autonomes Rechtssubjekt.»
«Einfach super» findet ebenso «Fakten Fräse» das Abstimmungsresultat: «Es gibt einen guten Anreiz, wieder zu heiraten.»
Einzig die Sorge um den administrativen Mehraufwand beschäftigt auch Teile des Ja-Lagers. Hier beschwichtigt «Olivier Retraité»: «Später ist der Mehraufwand ein Gewinn.»
Und für «Kritikus Maximus» sei dieser Aspekt sowieso zweitrangig: «Die erste Frage sollte sein, welches Modell mehr Gerechtigkeit bringt, nicht, ob es Steuerausfälle oder mehr Aufwand bedeutet.»
Man sollte schauen, dass es für Doppelverdiener gerechter wird, aber nicht auf Kosten anderer.
Enttäuscht über das Abstimmungsresultat ist «Inspirierte Entdeckerin»: «Ich kann die Individualbesteuerung erst dann gutheissen, wenn Kinderabzüge beim grösseren Einkommen zu tragen kommen oder selbst bestimmt werden kann, wer sie bekommt. Man sollte schauen, dass es für Doppelverdiener gerechter wird, aber nicht auf Kosten anderer.»
Weiter fürchten sich nun viele Debattierende um Familien aus der Mittelschicht, «die mit oft erheblichen Einkommensunterschieden zwischen den Ehepartnern typischerweise negativ betroffen wären», sagt «Didier Schmassmann». Das beschäftigt auch «mirjammimihartmann» auf Instagram: «Für Familien wie bei uns, in denen ein Elternteil zu 100 Prozent zu Hause ist, ist es ein riesengrosser Nachteil.»
Es geht niemanden etwas an, wofür ich Geld ausgebe, Punkt!
Bei der Bargeld-Initiative und deren Gegenentwurf herrschte über den Kern des Anliegens mehr Einigkeit. Fast alle Kommentierenden wollen das Bargeld aus mehreren Gründen erhalten: «Digitale Systeme fallen immer häufiger aus und es ist unerlässlich, jederzeit über Münzen und Banknoten verfügen zu können», schreibt «Michéle Herzog». «Man lernt auch besser mit Geld umzugehen, wenn man das physisch tut», ergänzt «Doktor Müller».
Am meisten genannt wurde das Anliegen, beim alltäglichen Zahlungsverkehr anonym bleiben zu wollen: «Es geht niemanden etwas an wofür ich das Geld ausgebe, Punkt!», schreibt beispielsweise «Realist Go».
Uneins war man sich über den Weg dazu, die Bargeldversorgung zu gewährleisten: «Es gibt absolut Wichtigeres und Notwendigeres, das in der Bundesverfassung verankert werden sollte», schreibt beispielsweise «tho_ale».
Dass der Gegenentwurf Formulierungen aus bestehenden, bewährten Gesetzen übernimmt, war für die Community ein guter Kompromiss.