Das Umfeld für die amerikanischen Medien ist geprägt von regulatorischen Drohungen, wirtschaftlichem Druck und einer strukturellen Neuordnung der Medienlandschaft.
Im Zentrum steht die Federal Communications Commission (FCC). Die Regulierungsbehörde für audiovisuelle Medien vergibt die Sendelizenzen. Ihr Präsident Brendan Carr, ein Vertrauter von Donald Trump, fährt eine zunehmend harte Linie gegen traditionelle Medien.
An einer konservativen Veranstaltung sagte er etwa: «Die Amerikaner vertrauen den Sushi‑Theken von Tankstellen mehr als den traditionellen Fake‑News‑Medien.» Kürzlich sprach der FCC-Chef zudem davon, Lizenzen bestimmter Sender auszusetzen, denen er eine negative Berichterstattung über den Krieg im Iran vorwirft.
So geraten die US-Medien unter Druck (mit dt. Untertiteln)
Anschliessend erinnerte Carr an die Macht seiner Behörde: «Wenn Sie ein Sender sind, besitzen Sie eine Lizenz. Sie müssen im öffentlichen Interesse handeln. Wenn Sie das nicht tun, könnten Sie diese Lizenz verlieren. Sie ist kein Eigentumsrecht.»
Die Aussagen fügen sich in eine breiter angelegte Strategie ein, Druck auf audiovisuelle Konzerne auszuüben, die regelmässig mit Sanktionen bedroht werden.
Zunehmend aufdringliche Behörde
Carrs Vorgänger Tom Wheeler, der die FCC von 2013 bis 2017 leitete, sieht einen tiefgreifenden Wandel. «Die unternommenen Anstrengungen zielen darauf ab, zu kontrollieren, was Menschen hören, indem man zu kontrollieren versucht, was Menschen sagen», sagt er gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).
«Die Rolle der FCC hat sich zweifellos verändert. Unter der Trump‑Administration ist sie aufdringlicher und repressiver geworden und respektiert den ersten Verfassungszusatz deutlich weniger», fügt Wheeler hinzu. Er betont, dass die Statuten der Behörde jede Form der Zensur ausdrücklich verbieten.
Der Fall des Moderators Jimmy Kimmel zeigt die Spannungen deutlich. Seine Sendung war nach einer Sequenz, die Missfallen ausgelöst hatte, suspendiert worden. FCC-Chef Carr hatte daraufhin Sanktionen gefordert und Kimmels Sender ABC gewarnt.
ABC und der Mutterkonzern The Walt Disney Company setzten die Sendung zunächst aus, lenkten aber angesichts der Kontroverse wieder ein.
Medienkonzentration
«Das amerikanische Mediensystem ist aussergewöhnlich stark kommerzialisiert. In den meisten Demokratien gibt es starke öffentlich‑rechtliche Medien. In den USA ist das nicht der Fall», sagt Victor Pickard, Professor an der Universität Pennsylvania.
Öffentliche Medien wie der Radiosender NPR oder der Fernsehsender PBS blieben Randerscheinungen. Die Trump‑Administration hatte zudem versucht, ihre Bundesmittel zu streichen – eine Entscheidung, die ein Bundesrichter als verfassungswidrig einstufte, ohne jedoch ihre Finanzierung langfristig zu sichern.
Vor diesem Hintergrund sorgten die Konzentration im Mediensektor ebenso wie umfangreiche Finanztransaktionen für Besorgnis. Der Ex-FCC-Chef Wheeler kritisiert «illegale Geschäfte zwischen grossen Medienkonzernen, die Donald Trump unterstützen, und dabei ihre eigenen Regeln missachten».
Ein oft genanntes Beispiel ist die Übernahme des Senders CBS durch den Unternehmer und Produzenten David Ellison, der Trump nahesteht. Beobachter sehen seither einen erkennbar konservativeren Kurs beim Sender. Auch die mögliche Übernahme von CNN durch denselben Akteur im Rahmen einer Mega‑Fusion löst Besorgnis aus.