«Man darf junge Ernten nicht verkaufen»: Mit diesem Bild beschrieben chinesische Analysten in den vergangenen Wochen den geplanten Kauf des KI‑Start‑ups Manus durch den US‑Konzern Meta. Gemeint ist: Was zu früh abgegeben wird, könnte später viel wertvoller sein. Diese Sichtweise erklärt das entschiedene Eingreifen der chinesischen Regierung in das wohl meistdiskutierte Geschäft der letzten Monate im Bereich der künstlichen Intelligenz.
Die Nationale Kommission für Entwicklung und Reform in Peking kündigte an, «ausländische Investitionen in die Übernahme des Manus‑Projekts zu verbieten» und «von den beteiligten Parteien zu verlangen, die Transaktion zurückzuziehen». Wenige Stunden später bestätigte Meta den Rückzug aus dem im Dezember angekündigten Deal im Umfang von über zwei Milliarden US‑Dollar. Der Fall könnte weitreichende Folgen haben.
Meta, der Mutterkonzern von Whatsapp, Facebook und Instagram, versucht seit Jahren, seine Position im Markt für künstliche Intelligenz auszubauen. Mit der Manus-Übernahme wollte der Konzern seine Angebotspalette deutlich ausbauen.
Ende März wurden jedoch die beiden Mitgründer von Manus, Xiao Hong und Ji Yichao, nach Peking vorgeladen. Ihnen wurde untersagt, China während der Prüfung des Geschäfts zu verlassen. Im Abschlussbericht der Behörden war schliesslich von einem «verschwörerischen Versuch» die Rede, «China einer fortgeschrittenen technologischen Basis im Bereich der künstlichen Intelligenz zu berauben».
Beobachter Lamperti im Interview
Der Eingriff erinnert an den Herbst 2020, als Peking in letzter Minute den Börsengang der Ant Group, des Fintech‑Arms von Alibaba, stoppte. Damals leitete die Regierung eine umfassende Korrekturkampagne gegen die Tech‑Branche ein. Nun scheint China auch den KI‑Sektor gezielt absichern zu wollen – eine Schlüsselindustrie im geopolitischen Wettbewerb mit den USA.
Im Zentrum steht dabei auch das sogenannte «Singapore Washing»: die Praxis, dass chinesische Start‑ups ihren rechtlichen Sitz ins Ausland verlegen, um ausländische Investitionen zu erleichtern. China betrachtet diese Entwicklung zunehmend als Risiko.
Die staatliche chinesische «Global Times» schreibt, entscheidend sei nicht der formelle Sitz eines Unternehmens, sondern «das Ausmass seiner technologischen, personellen und datenbezogenen Verbindungen zu China» sowie die Frage, ob ein Geschäft die industrielle Sicherheit gefährde.
Mit dem Stopp des Deals sendet Peking ein klares Signal: In strategischen Bereichen wie künstlicher Intelligenz ist eine Internationalisierung nur in Absprache mit der politischen Führung möglich. Berichten zufolge bereitet China weitere Regeln vor, um US-Investitionen in Tech-Start-ups noch strenger zu regeln.
Das ist auch als Reaktion auf jüngste Vorwürfe aus Washington zu verstehen, chinesische Firmen würden systematisch KI‑Technologien stehlen. Der Fall Manus scheint die Tendenz zu einer Art technologischer Spaltung zwischen den beiden Mächten zu beschleunigen.