In welchen Bereichen dominiert China? Nicht mehr Tesla erzielt weltweit den grössten Absatz von Elektroautos: Seit vergangenem Jahr ist es die chinesische Marke BYD. Bereits zuvor arbeitete sich die chinesische Industrie in der Fotovoltaik an die Weltspitze. Auch in der künstlichen Intelligenz spielt das Land vorne mit. Vergangenes Jahr hat es mit «Deepseek» einen Chatbot vorgestellt, der ähnlich leistungsstark ist wie die US-Modelle und deutlich günstiger entwickelt wurde. Neu will China auch in der Quantentechnologie führend werden. Vollständig ist diese Aufzählung nicht.
Wie kam es dazu? Dieser technologische Aufstieg ist keine Überraschung, sondern im Gegenteil erklärtes Ziel der kommunistischen Regierung. Mit der Strategie «Made in China 2025» pumpt die Regierung immense Summen in ausgewählte Technologien. Historikerin Ariane Knüsel forscht an der Universität Freiburg zu den chinesisch-schweizerischen Beziehungen. Sie sagt, es gehe um wirtschaftliche Unabhängigkeit: «Man will technologisch auf einem Niveau sein, das die Welt hinter sich lässt.»
Wie viel exportiert China heute? Mehr als jemals zuvor. 2025 hat China Waren im Wert von 3.8 Billionen US-Dollar exportiert. Zwar brach wegen der Zolleskalation der Handel mit den USA um 20 Prozent ein. Dafür wuchs der Handel mit Südostasien, Afrika und Europa. Das Land mit 1.4 Milliarden Einwohnern und Einwohnerinnen ist zum grössten Exportland der Welt geworden, gefolgt von den USA und Deutschland.
Was heisst das für den Technologiestandort Schweiz? Momentan sei die Entwicklung für die Schweiz noch vorteilhaft, sagt Ariane Knüsel. «China braucht immer noch sehr stark Schweizer Know-how und Schweizer Technologie.» Allerdings werde sich das in fünf bis zehn Jahren ändern, wenn China seinen Plan einhalte: «Dann wird es sehr schwierig für Schweizer Unternehmen, sich in der Hochtechnologie in China zu behaupten.» Hinzu komme, dass China weltweit exportieren wolle. Damit würde die Konkurrenz weiter verstärkt.
Was bleibt zu tun? Man müsse sich unentbehrlich machen, sagt Knüsel. Dafür gäbe es für Unternehmen mehrere Möglichkeiten. «Man kann Kooperationen eingehen mit chinesischen Partnern oder mit Hochschulen.» Auch ein Joint-Venture sei denkbar. Schweizer Unternehmen dürften China nicht mehr nur als Markt sehen. Die Lage sei ernst: «Es ist fünf vor zwölf. Wer jetzt nicht aktiv wird und Vorkehrungen trifft, ist in zehn Jahren nicht mehr in China vor Ort.»