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Gewalt nach Tod von Drogenboss Wie Auslandschweizer in Mexiko den Zorn des Kartells erlebt haben

Nach der Tötung des mächtigsten Drogenbosses Mexikos haben Bandenmitglieder Brände gelegt und Strassenblockaden durchgeführt. Schweizerinnen und Schweizer in Mexiko erzählen, wie sie diese Zustände vor Ort erleben.

Wer seinen Wohnort in Mexiko wählen kann, endet nicht selten in der modernen Grossstadt Guadalajara. Auch viele Schweizerinnen und Schweizer wohnen hier, da die Stadt beispielsweise im Vergleich zu Mexiko-Stadt weniger dicht besiedelt ist und eine bessere Luftqualität hat.

Aber Guadalajara ist auch mitten im Einflussgebiet des Drogenkartells «Jalisco Nueva Generación», der mächtigsten kriminellen Organisation Mexikos. Für gewöhnlich ist das Wirken der Kartelle für die Stadtbevölkerung nicht besonders gefährlich.

Bis am vergangenen Sonntag.

Der Tod «El Menchos»

Im Morgengrauen des 22. Februars hatte eine mexikanische Militäreinheit «El Mencho», den Chef des Jalisco-Kartells, in seinem Versteck südlich der Stadt aufgespürt.

Bei einem Schusswechsel wurde er verletzt und starb noch während des Flugs Richtung Mexiko-Stadt.

Der Angriff auf einen Mann dieses Kalibers wird von seinen Gefolgsleuten nicht stumm hingenommen. Noch während des Vormittags verwandelte sich Guadalajara in eine Kriegszone.

Geschäfte, Tankstellen und Banken wurden in Brand gesetzt. Bandenmitglieder schossen auf Sicherheitskräfte und zahlreiche Autos, Busse und Lastwagen wurden auf wichtige Strassenverbindungen gestellt und angezündet.

Verlassen und gleichzeitig aufgeladen

«Als alle diese Nachrichten von Blockaden und Unruhen auf unseren Handys eintrafen, dachte ich mir erst nichts weiter», erzählt die Schweizerin Zarina García-Camou gegenüber dem SRG-Nachrichtenportal Swissinfo.

«Solche Vorfälle gibt es in Mexiko. Doch dann ging alles sehr schnell. Restaurants und Läden schlossen. Ich fuhr mit dem Auto nach Hause und habe die Strassen noch nie so verlassen und gleichzeitig so aufgeladen erlebt.»

Im Laufe des Tages überquerten die Nachrichten der Eskalation den Atlantik. Der aus Vevey stammende Jean-Marc Wintgens informierte umgehend sein Umfeld in der Schweiz. «In der Schweiz hören sie diese Meldungen und denken, wir leben im Bürgerkrieg. Sie sollen wissen, dass es mir gut geht.»

Der Tag nach dem Chaos

Dann kam der Montag. Die Brände waren gelöscht, der Tumult war vorbei.

Sicherheitskräfte hatten die meisten Blockaden wieder entfernt. Doch der Reporter, der am Montagmorgen im Fernsehen aus Guadalajara berichtete, stand in einer leeren Stadt.

Ein Soldat räumt eine Strassensperre auf einer Strasse nach Tapalca, Mexiko
Legende: Ein Soldat räumt eine Strassensperre auf einer Strasse nach Tapalca, in der Nähe von Guadalajara, am Tag nachdem die mexikanische Armee den Anführer des «Jalisco Nueva Generación»-Kartells getötet hatte. Keystone / AP Photo / Marco Ugarte

Ebenso erlebten es Jounalistinnen und Journalisten in anderen Landesteilen, in denen zuvor Chaos geherrscht hatte.

Schulen blieben geschlossen, Geschäfte öffneten nicht, die Menschen gingen nicht zur Arbeit.

Die Schweizerin Valentina Krucker meldet sich am Montag aus ihrem Haus in Guadalajara, das sie über 24 Stunden nicht verlassen hatte: «Ich sah die Rauchsäulen der brennenden Strassenblockaden von meinem Fenster aus und hörte dazu ständig von überall Warnungen über mögliche Gefahren.»

Mit ihrem kleinen Sohn im Haus verschanzt, musste sie Ruhe bewahren, damit das Kind nicht noch mehr Angst bekam. «Auch nach all den Jahren, die ich in Mexiko wohne – es gibt Dinge, an die gewöhnt man sich einfach nicht.»

An ihrer Pressekonferenz am Montag lobte Präsidentin Claudia Sheinbaum die erfolgreiche Operation und betonte, der Schutz der Bevölkerung habe Priorität.

Doch noch kann sich Mexiko nicht zurücklehnen. Denn gerade hat ihnen ein Kartell gezeigt, dass es auch mit abgeschlagenem Kopf voll funktionsfähig ist.

News Plus, 23.2.2026, 16 Uhr; wilh

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