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Glücksspiel Der Iran-Krieg als Spielfeld für Online-Wetten

Der Iran-Krieg sorgt nicht nur für internationale Spannungen – sondern auch für ein lukratives Onlinegeschäft. Mit Wetten im Internet wurden bereits über 500 Millionen Dollar eingestrichen.

Internetwetten sind in den USA zunehmend beliebt. Man kann im Netz Geld auf Sportresultate oder Wahlergebnisse setzen – oder auf internationale Krisen, bis hin zum Ausbruch eines Krieges.

Führend dabei ist die Website Polymarket. Das Prinzip ist simpel: Man wettet auf die Wahrscheinlichkeit eines zukünftigen Ereignisses, in dem man auf ein Ja oder Nein setzt. Tritt das Ereignis ein, erhalten diejenigen, die auf das richtige Ergebnis gesetzt haben, den Gewinn.

Laut Reuters ist die Frage «Greift die USA den Iran an bis zum …?» zu einer der grössten Wette in der Geschichte der Seite geworden – mit 529 Millionen Dollar Einsatz. Einige Wetten wurden zudem nur wenige Stunden vor den ersten Angriffen platziert – was den Verdacht auf Insidergeschäfte nährt.

Anonymität und Kryptowährungen

Das Analyseunternehmen Bubblemaps hat sechs Konten identifiziert, die in den Stunden vor den ersten US-Luftangriffen einen Gewinn von 1.2 Millionen Dollar auf Polymarket erzielt haben. Auf die meisten dieser Konten wurde erst in den letzten 24 Stunden vor den Angriffen eingezahlt. Sie wetteten gezielt auf den 28. Februar als Kriegsbeginn – und setzten erst kurz vor den Angriffen auf «Ja», so Bubblemaps auf X.

Das Profil eines anonymen Gewinners lautet auf das Pseudonym «Magamyman». Er investierte 87’000 Dollar auf einen Angriff im Iran nur 71 Minuten bevor dieser stattfand – und gewann damit 515’000 Dollar. Die Anonymität der Konten und die Verwendung von Kryptowährungen als Zahlungsmethode machen die Transaktionen schwer nachvollziehbar.

Verbindungen in die Regierung

In den USA lösen diese Wetten im demokratischen Lager Empörung aus. Einige der Wetten gehen soweit, dass sie auf den Einsatz einer Atombombe im Iran bis 2027 spekulieren. «Sie profitieren von Krieg und Tod. Ich werde so schnell wie möglich ein Gesetz vorlegen, um das zu verbieten», schreibt beispielsweise der demokratische Senator Chris Murphy auf X.

Diagramm zeigt Wahrscheinlichkeit von 14% für Iran-Nuklearwaffen vor 2027.
Legende: Auf der Website von Polymarket kann auch darauf gewettet werden, ob im Iran Atomwaffen zum Einsatz kommen oder nicht. Screenshot Polymarket

Die Kontroverse wird umso grösser, da Polymarket enge Verbindungen zur Trump-Regierung unterhält. Donald Trump Jr., Sohn des US-Präsidenten, gehört zu den strategischen Beratern des Unternehmens und hat in die Firma investiert.

In der Schweiz verboten

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Leute vor grosser Werbetafel mit Konterfeis und Text 'Okay Trade'.
Legende: KEYSTONE / FR172242 / AP / OLGA FEDOROVA

Es ist nicht das erste Mal, dass Onlinewetten zu geopolitischen Ereignissen für Aufmerksamkeit sorgen: Im Januar dieses Jahres strich ein anonymer Wetter mehr als 400’000 Dollar ein, indem er auf den Sturz des venezolanischen Machthabers Maduro wettete – auch hier nur wenige Stunden, bevor die USA ihn gefangen nahm.

In der Schweiz ist die Plattform Polymarket seit November 2024 verboten. Sie steht auf der schwarzen Liste der Interkantonalen Geldspielaufsicht Gespa.

Zudem wurden kürzlich mehrere Untersuchungen auf Bundesebene gegen die Plattform eingestellt. Das US-Justizdepartement und die Commodity Futures Trading Commission hatten beide Untersuchungen gegen Polymarket eröffnet, die im Sommer 2025, kurz nach Trumps Amtsübernahme, eingestellt wurden

Wette auf Chameneis Schicksal

Auch ein Konkurrent von Polymarket, Kalshi, geriet in die Kritik, nachdem dort eine Wette lanciert wurde, bei der man auf die Absetzung des mittlerweile verstorbenen Revolutionsführers Ali Chamenei bieten konnte. Nach dem Tod des Ajatollahs durch israelisch-amerikanische Luftangriffe machte die Plattform schliesslich einen Rückzieher.

«Wenn es Wetten gibt, bei denen der Tod ein mögliches Ergebnis ist, werden wir nun Regeln ausarbeiten, welche die Nutzerinnen und Nutzer daran hindern, vom Tod zu profitieren», erklärte der Kalshi-Chef Tarek Mansour. Den Wettenden, die auf den Tod von Ali Chamenei gewettet hatten, wurden ihr Einsatz und die Transaktionsgebühren zurückerstattet.

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SRF Rundschau, 11.3.2026, 20:10 Uhr; wilh

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