Im US-israelischen Krieg gegen den Iran zeigt sich eine bisher beispiellose militärische Zusammenarbeit und Koordination zwischen den beiden Armeen. Doch wie steht es um strategische Fragen und Kriegsziele, etwa einen Regimewechsel in Teheran?
Sowohl in den USA als auch in Israel gab es Warnungen vonseiten der Armeespitze: Allein mit militärischen Mitteln könne die Islamische Republik nicht ausgeschaltet werden.
Diese Warnungen hätten sowohl US-Präsident Donald Trump als auch Israels Premierminister Benjamin Netanjahu bewusst missachtet, sagt der israelische Strategie-Experte und ehemalige Diplomat Eran Etzion.
Nur schlechte Szenarien
«Der Krieg begann ohne glaubwürdigen Weg zu einem politischen oder strategischen Sieg. Und es scheint im Moment, als ob jene, die auf einen sauberen, raschen Regimewechsel im Iran hofften, enttäuscht werden», sagt Etzion.
Das Szenario eines demokratischen Übergangs sei wenig wahrscheinlich. Hingegen sei zu befürchten, dass das Regime künftig noch stärker von den radikalen Revolutionsgarden gestützt werde. Oder gar, dass es zu einem Staatszerfall komme.
«Beide Szenarien sind alles andere als optimal. Und hier zeigt sich eine Differenz zwischen Netanjahu und allen anderen Akteuren: Netanjahu sieht ein Auseinanderbrechen des Iran als gutes Szenario.»
Aufruhr, Bürgerkrieg, Chaos: All dies sei dem israelischen Premierminister lieber als ein starker Iran mit einem Mastermind in Teheran, der die Zerstörung Israels plane.
Stabilität als gemeinsames Interesse
Etzion findet diese Haltung kurzsichtig. «Wir wünschen uns einen demokratischen Iran, Freiheit für die Iranerinnen und Iraner. Sollte das nicht möglich sein, ist es besser für Israel, wenn ein Regime an der Macht ist, das das Land unter Kontrolle hat.»
Das sei in erster Linie auch für die arabischen Golfstaaten gut, so Etzion. «Wir haben dieselben Interessen: Stabilität, freier Schiffsverkehr, stabile Ölpreise, eine stabile Sicherheitslage, keine Stellvertreter-Milizen. Kein Terrorismus. Diese Interessen teilt Israel mit praktisch allen arabischen Ländern.»
Die USA dürften das ähnlich sehen. So planlos sie auch in diesen Krieg eingestiegen sind: Einen totalen Zerfall des riesigen Landes mit über 90 Millionen Einwohnern scheinen sie nicht anzustreben. Das zeigt die Konsternation, die in Washington laut Medienberichten herrschte, nachdem Israel iranische Öllager bombardierte.
Sogar Senator Lindsey Graham, ein Falke, der seit vielen Jahren die Kriegstrommel schlug, kritisierte Israel: Man wolle nicht die Chancen des iranischen Volkes zerstören, nach dem Kollaps des Regimes ein besseres Leben aufzubauen.
Die Spannungen zwischen Trump und Netanjahu könnten noch zunehmen. «Wahrscheinlich will Trump den Krieg früher zu Ende bringen als Netanjahu», sagt Eran Etzion. Israel aber brauche US-Unterstützung. Einen Abnützungskrieg gegen den Iran könne es nicht lange allein durchhalten.