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Kardinalstreffen in Rom Das Warten auf die ersten Weichenstellungen von Papst Leo

Papst Leo hat diese Woche alle Kardinäle nach Rom gerufen – zu einem zweitägigen ausserordentlichen Konsistorium, das bis Donnerstag dauerte. Gespannt wird nun erwartet, ob sich daraus erkennen lässt, welche Richtung Leo mit seinem Pontifikat einschlägt.

Die Wahl des neuen Papstes Leo XIV. im vergangenen Mai sei im Zeichen der Kontinuität gestanden. Laut dem Kirchenhistoriker Alberto Melloni von der Universität Modena und Reggio Emilia habe der Auftrag der Kardinäle gelautet: «Das Pontifikat mit möglichst niedriger Temperatur und minimaler Selbstdarstellung beginnen.»

Leo habe sich «perfekt» daran gehalten. «So sehr, dass sich viele fragen, wann sein Pontifikat eigentlich beginnt. Denn der Eindruck ist, dass der Papst bisher die Agenda Bergoglios weitergeführt und seine eigene noch nicht begonnen hat», sagte Melloni gegenüber dem Radio und Fernsehen der italienischsprachigen Schweiz (RSI)

Die Aussagen des Historikers Melloni im Beitrag von RSI:

Deshalb richtet sich nun alle Aufmerksamkeit auf das Konsistorium – einen Moment des Dialogs und der Reflexion über die Zukunft der Kirche. Der Papst habe vier Themen gesetzt, die eine Vorstellung davon geben, was seine innere Agenda des Pontifikats sein könnte. Diese sind laut Melloni: Mission, das Verhältnis zwischen Weltkirche und Ortskirchen, Synodalität und schliesslich die Frage von Tradition und Liturgie.

Die Kirche in einer Welt der Grossmächte

Die Kirche muss sich in einer Welt zurechtfinden, die sich in tiefgreifendem Wandel befindet. «Es geht um die Idee, dass Grossmächte grossen Raum brauchen – und ihn sich nehmen, wenn er ihnen nicht gegeben wird», führt Melloni weiter aus. «Das kann die Ukraine sein, Venezuela, Grönland, Taiwan oder jedes andere Land.» In einer solchen Welt trage die Kirche eine enorme Verantwortung, «weil sie die einzige globale Gemeinschaft ist, die diesen Grossmächten entgegentreten kann».

Papst Leo XIV. mit Kardinälen bei einer Messe im Petersdom in Rom.
Legende: Papst Leo XIV. mit Kardinälen bei einer Messe im Petersdom in Rom. KEYSTONE/EPA/VATICAN

Das sei die Herausforderung für Leo. «Einer seiner Vorgänger hat Attila aufgehalten – er hat gleich mehrere vor sich», ergänzt Melloni. «Mal schauen, was er tun wird.»

Wichtige Personalentscheidungen stehen bevor

Grosse Aufmerksamkeit gelte nun den nächsten Schritten des Papstes – insbesondere den bevorstehenden Ernennungen für die Schlüsselposten im Vatikan. «Er muss eine Kurie neu gestalten, der er stark vertraut», betont Melloni. Das sei ein weiteres zentrales Merkmal des Pontifikats.

«Wojtyla mochte die Kurie nicht und hielt Abstand zu ihr», führt der Kirchenhistoriker weiter aus. «Ratzinger mochte sie ebenfalls nicht und blieb ihr so weit wie möglich fern – bis sie sich am Ende gegen ihn stellte. Franziskus mochte die Kurie nicht und kritisierte sie jeden Morgen. Leo hingegen sagt – und das hat er auch zu Beginn betont –, dass er Rat für sich und die Kurie einholt, als wären sie eins.»

Doch dafür brauche Leo Leute, die seine Linie vertreten und nicht nur ihre eigene. Sonst werde sein Pontifikat in Teile zerfallen und nicht die zentrale Steuerung sein, die die Kirche brauche.

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RSI Telegiornale 08.01.2026, 20 Uhr; noes

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