Auf der Insel Charg, rund 30 Kilometer vom iranischen Festland im Persischen Golf gelegen, befinden sich die wichtigsten Anlagen der iranischen Erdölinfrastruktur.
Bisher blieb Charg von den Angriffen der USA und Israels verschont – gerade weil sie wirtschaftlich so bedeutend ist, sagt der Geopolitikexperte Nima Baheli gegenüber dem Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz (RSI).
«Die Insel Charg war in den 1970er-Jahren der Hafen mit dem grössten Verkehrsaufkommen weltweit. Das zeigt die Bedeutung der Insel bereits seit der Zeit der Monarchie.» Ihre Lage im Norden des Persischen Golfs habe die Insel zum wichtigsten Verladehafen für die iranischen Erdölexporte gemacht.
Angriffe auf Charg und die dortigen Öl-Terminals würden grundlegende Unwägbarkeiten mit sich bringen: «Die neue militärische Führung im Iran würde die ganze Region dafür bezahlen lassen.
Charg: Herzstück der iranischen Ölindustrie
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Bild 1 von 3. Auf dieser Satellitenaufnahme der Insel sind die Öl-Anlagen zu sehen. Bildquelle: Reuters.
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Bild 2 von 3. Fast alle iranischen Öl- und Gasexporte laufen über die Insel. Bildquelle: Keystone.
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Bild 3 von 3. Die Insel beherbergt mehrere Terminals, unter anderem für Supertanker. Bildquelle: Keystone.
Wenn der Iran sein Erdöl nicht mehr exportieren kann, könnte er dafür alle Energieinfrastrukturen der Länder am Persischen Golf angreifen und damit den Erdölpreis auf 200 Dollar pro Barrel und mehr treiben», sagt Baheli.
Zudem liege die Insel ziemlich nahe am iranischen Festland und sei somit für die Iraner leicht zu verteidigen, so der Experte. «Man riskiert erhebliche Verluste, was Trump dann seiner MAGA-Basis erklären müsste, die im Moment dieser Militäroperation sehr kritisch gegenübersteht», analysiert er die Gründe des US- Präsidenten, die Insel nicht anzugreifen.
Hören Sie das ganze Interview mit Nima Baheli (dt. Untertitel):
Auch beim israelischen Premierminister sieht er gute Gründe zur Zurückhaltung: «Der israelische Premierminister hat sich in früheren Konfliktphasen als Verbündeter der iranischen Opposition gegen das Regime angeboten. Aus seiner Perspektive würde die Zerstörung also zu Lasten einer künftigen demokratischen iranischen Führung gehen.»
Aus einer Perspektive der Vernichtung des Gegners könne Israel aber eher geneigt sein, diese Option zu verfolgen. Im Unterschied zu Trump, dessen regionale Verbündete Golfstaaten wie Saudi-Arabien und die Emirate seien, müsse Netanyahu diesen gegenüber keine Rechenschaft ablegen.