Jean-Yves Fournier, heute Chefarzt der Neurochirurgie am Kantonsspital Wallis, wirkte bereits in den 1980er-Jahren an einer Studie über Schädel-Hirn-Traumata nach Skiunfällen mit. Dafür wurden hundert Patienten über elf Jahre hinweg beobachtet.
«Wir hatten damals vor allem Schädelfrakturen oder Hämatome, die operiert werden mussten. Die Patienten gingen nach einer Woche oder zehn Tagen nach Hause», sagt Fournier gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).
Schwere und irreversible Hirnschädigungen – Fournier spricht von «diffusen axonalen Läsionen» – habe es nur wenige gegeben, bei Skifahrern, die keinen Helm trugen.
Zahl geht trotz Helmen nicht zurück
Obwohl inzwischen, knapp 40 Jahre später, fast alle Wintersportlerinnen Helme tragen, ist die Zahl der diffusen axonalen Läsionen nicht zurückgegangen. Ganz im Gegenteil.
Als Fournier 2018 nach einigen Jahren im Ausland ins Wallis zurückkehrte, beobachtete er in einer einzigen Saison so viele schwere Verletzungen wie damals in den ganzen elf Jahren.
Es gebe mehrere Ursachen, sagt Fournier. Mit dem Aufkommen von Carvingski könnten Anfänger nach nur wenigen Tagen anspruchsvolle Pisten bei sehr hoher Geschwindigkeit fahren. Dazu kommen härtere Pisten, oft künstlich beschneit, die im Schnitt deutlich höhere Geschwindigkeiten erlauben als früher.
Neurochirurg Jean-Yves Fournier im Interview (dt. Untertitel):
Kein absoluter Schutz
Und ein Helm sei kein absoluter Schutz, sagt Fournier: «Helme schützen das Gehirn nicht über bestimmte Geschwindigkeiten hinaus.» Die aktuellen Modelle, die oft aus einer starren Kunststoffschale mit Polystyrolschaum bestehen, kommen bei 35 oder 40 Stundenkilometern an ihre Grenze, so der Neurochirurg.
Eine Helmpflicht wie in Italien würde deshalb laut Fournier kaum etwas ändern. Das Wesentliche sei, dass die Skifahrerinnen und Skifahrer die Grenzen erkennen.
Langfristig brauche es eine «Revolution», wie Fournier sich ausdrückt: Völlig neue Schutzsysteme, wie Airbags, die Kopf, Nacken und Rumpf umhüllen. Noch klingt das futuristisch, aber vielleicht können solche Hilfsmittel dereinst helfen, schwere und irreversible Hirnläsionen zu vermeiden.