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10-Millionen-Schweiz Migrationshintergrund – und trotzdem uneins über die Initiative

Zuwanderung sorgt für Streit – auch unter Menschen mit Migrationshintergrund.

Nur weil seine bosnischen Eltern in den 90ern in die Schweiz geflohen sind, heisst das für Mihajlo Mrakic nicht, dass er sich für eine «sinnlose Migrationspolitik» einsetzen muss. Denn: «Von den Folgen einer masslosen Zuwanderung bin ich genauso betroffen.»

Die Zuwanderung muss in allererster Linie denjenigen Leuten dienen, die bereits hier sind.
Autor: Mihajlo Mrakic Vize-Präsident der SVP Schmerikon

2008 wurde der heute 25-Jährige eingebürgert, heute setzt er sich als Vizepräsident der SVP Schmerikon für die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» seiner Partei ein.

«Die Zuwanderung muss in allererster Linie denjenigen Leuten dienen, die bereits hier sind», findet Mrakic. «Wenn wir jedes Jahr eine Stadt St. Gallen aus dem Boden stampfen müssen, dann ist das definitiv nicht der Fall.»

Alte Debatte

Ganz anders sieht dies Aina Aliotta, Künstlerin aus Zürich. Ihre Grosseltern kamen aus Italien und Spanien in die Schweiz und erlebten schon damals eine ähnliche Diskussion. «Man tut jetzt so, als wären diese Argumente neu. Fakt ist: Seit den 70ern wird immer wieder das Gleiche gesagt. Und ich kann das langsam nicht mehr hören.»

Menschen sitzen am Seeufer, Möwen fliegen über das Wasser.
Legende: Ob die Schweiz eine Obergrenze für Migranten braucht, darüber sind sich auch viele nicht einig, deren Eltern oder Grosseltern in die Schweiz eingewandert sind. KEYSTONE/Andreas Becker

Ihre Eltern haben sich zur Zeit der Schwarzenbach-Initiative einbürgern lassen. Diese wollte 1970 die Schweiz vor «Überfremdung» bewahren. Bei Annahme der Initiative hätten über 300'000 ausländische Arbeitskräfte das Land verlassen müssen.

Die Initiative «Keine 10-Mio-Schweiz» der SVP verfolgt einen anderen Ansatz. Sie möchte keine Ausländer des Landes verweisen, sondern begrenzen, wie viele noch ins Land kommen. Demnach dürften bis 2050 in der Schweiz nicht mehr als 10 Millionen Menschen leben. Aktuell sind es etwas über 9 Millionen – ab 9.5 Millionen fordert die Initiative Massnahmen im Asylwesen und beim Familiennachzug.

Politologe: «Wechsel von der Outgroup zur Ingroup»

Politologe Michael Hermann geht davon aus, «dass Menschen mit Migrationshintergrund der Initiative gegenüber insgesamt skeptischer eingestellt sind.» Viele Menschen, die aus Südeuropa zugewandert sind, hätten eine eher linke Grundhaltung und sind bei Migrationsfragen gar nicht auf SVP-Linie.

Menschen aus dem Westbalkan hingegen tickten politisch oft anders. «Sie vertreten eher konservativere Positionen, stehen eher der SVP nahe.»

Sie haben sich etabliert und können sich nun konkurrenziert fühlen von anderen, die nachkommen.
Autor: Michael Hermann Politologe

Dass Zugewanderte selbst migrationsskeptisch sind, sei kein Widerspruch in sich. «Es geht ja um diejenigen, die eingebürgert sind und ein Stimmrecht haben. Diese haben den Wechsel von der sogenannten Outgroup zur Ingroup geschafft. Sie haben sich etabliert und können sich nun konkurrenziert fühlen von anderen, die nachkommen.»

Mihajlo Mrakic stört es, dass er oft gefragt wird, wie seine politische Meinung mit seinem Migrationshintergrund vereinbar ist. «Man spricht mir damit ab, dass ich eigene Gedanken formulieren kann. Dass ich eine Werthaltung habe, die unabhängig ist von meinem Hintergrund.» Viel prägender sei für ihn seine Sozialisierung in der Schweiz gewesen.

Aina Aliotta hingegen wurde durch ständige Diskussionen über Migrationspolitik stark politisiert. «Mir wurde in meiner Familie beigebracht, dass Solidarität unter migrantischen Gemeinschaften sehr wichtig ist.»

Club, 28.04.2026, 22:25 Uhr; noes

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