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Homosexualität Heated Rivalry: Kann die Serie das grosse Tabu im Sport brechen?

Jesse Kortuem hat sich geoutet. Auch, weil dem früheren US-Eishockeyspieler die Serie «Heated Rivalry» Mut gemacht hat. Die Serie bricht ein grosses Tabu, die Realität bleibt jedoch kompliziert.

Was als kleine Produktion mit wenig Budget begann, ist zum Hit geworden: «Heated Rivalry» erzählt die Geschichte zweier rivalisierender Eishockey-Profis, deren Liebe abseits des Eises leidenschaftlich entflammt. Aus der sechsteiligen Produktion aus Kanada ist innert Wochen ein internationaler Banger geworden.

Die beiden Serienhelden im Anzug, die Köpfe innig aneinander gelehnt.
Legende: «Heated Rivalry», eine Eishockeyliebe zum Dahinschmelzen: Da bahnt sich was an zwischen Shane Hollander (Hudson Williams) und Ilya Rozanov (Connor Storrie). Sabrina Lantos/HBO MAX

Hot und schwul: Serie bricht grosses Tabu

«Die Serie bespielt ein Thema, das nach wie vor ein grosses Tabu ist», sagt SRF-Sportmoderator Olivier Borer: «Homosexualität im Männersport und besonders im Mannschafts-Männersport.» Borer arbeitet seit zwanzig Jahren als Sportjournalist und lebt selbst seine Homosexualität offen. Mittlerweile wagten einige Profis ihr Coming-out, die einen während, die anderen nach ihrer Karriere, beobachtet Borer. «Nach wie vor ist es aber nicht selbstverständlich, schwuler Spitzensportler zu sein.»

Profisportler fürchten um Anerkennung

Olivier Borer verortet verschiedene Ängste, die einem Coming-out im Weg stehen: «Es gibt bei den Profisportlern die Angst, Anerkennung zu verlieren. Die Angst vor gegnerischen Fans, die diese vermeintliche Schwäche dann allenfalls ausnutzen, etwa mit homophoben Sprüchen.» 

Und dann gebe es die Angst, vom eigenen Team ausgegrenzt zu werden: Wie geht ein Team mit einem schwulen Spitzensportler um? Verändert es das Gefüge? Das tägliche Auskommen miteinander? «Ich glaube, da sind viele diffuse Ängste auf beiden Seiten da, die es abzubauen gilt», sagt Olivier Borer.

Auch Geld spielt eine Rolle

Aber es gehe auch ums Geld: Es gebe natürlich die schwulen Spitzensportler, die sich geoutet haben, auch in grossen Ligen, in den USA etwa im Basketball oder auch im American Football. Die gebe es immer mehr. Es gebe auch vereinzelt Tennisspieler, die den Schritt gewagt hätten.

«Gerade im Fussball oder im Eishockey ist sehr viel Prestige drin. Da geht es um sehr viel Geld. Es gibt Menschen, die sagen, dass man als geouteter Spieler nicht mehr transferierbar oder vermarktbar sei. Ich würde entgegenhalten, dass man es umso mehr wäre, würde man zu sich stehen: Weil man ein neues Marktfeld bearbeiten kann und die Klientel umso grösser würde.»

Sichtbarkeit hilft immer

Olivier Borer ist überzeugt, dass Hits wie «Heated Rivalry» einen Unterschied machen können. Ein Beispiel dafür ist Jesse Kortouem.

Nie in meinem Leben hätte ich gedacht, dass etwas so Positives und Liebevolles aus einem so maskulinen Sport hervorgehen könnte.
Autor: Jesse Kortuem Ex-Eishockeyprofi

Der frühere US-Eishockeyprofi sagte dem Magazin «Out», dass er viele ungeoutete Männer in der Hockeywelt kenne, die vom Erfolg von «Heated Rivalry» schwer berührt seien: «Nie in meinem Leben hätte ich gedacht, dass etwas so Positives und Liebevolles aus einem so maskulinen Sport hervorgehen könnte.» 

Es braucht die Eishockeyspieler aus dem richtigen Leben, die hinstehen und diese Vorbildrolle übernehmen wollen.
Autor: Olivier Borer SRF-Sportmoderator

Sichtbarkeit sei das A und O, sagt Sportjournalist Borer: Serien wie «Heated Rivalry» zeigten etwa jungen Homosexuellen, dass sie nicht allein sind. Was es aber brauche, um das Tabu zu brechen, seien die Spitzensportler: «Es braucht die Eishockeyspieler aus dem richtigen Leben, die hinstehen und diese Vorbildrolle übernehmen wollen.»

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