Sie gilt als die Ikone unter den Gitarren – die Fender Stratocaster. Musiker wie Jimi Hendrix und Eric Clapton spielten schon auf ihr. Hinter dem Kultobjekt steckt der US-Konzern Fender, der derzeit gegen Hersteller von E-Gitarren vorgeht, deren Instrumente der berühmten Stratocaster ähneln.
Betroffene Firmen wurden aufgefordert, die Produktion sofort einzustellen, bereits verkaufte Modelle zurückzurufen und zu zerstören. Teilweise fordert Fender zudem finanzielle Entschädigungen, wie die «NZZ» berichtet. Für viele kleinere Hersteller könnte dieses Vorgehen existenzbedrohend werden.
Grundlage dafür ist ein Urteil des Landgerichts Düsseldorf. Dieses erklärte den Korpus der Stratocaster zum «urheberrechtlich geschützten Werk der angewandten Kunst». Damit erhält Fender ein juristisches Druckmittel, das weit über klassische Markenrechte hinausgeht. Der Schutz soll, laut Urteil, noch bis 2041 gelten.
In der Branche sorgt das Vorgehen für Nervosität und Frust. Denn Gitarren im Stil der «Strat» gehören seit Jahrzehnten zum Standard. Viele Hersteller hatten die charakteristische Form längst übernommen. Nun drohen ihnen dafür juristische Konsequenzen.
Eine Gitarre, die Geschichte schrieb
Kaum eine Gitarre ist so eng mit der Geschichte der Rockmusik verbunden wie die Fender Stratocaster. Ihre geschwungene Form wurde über Jahrzehnte zum Synonym für die elektrische Gitarre.
Bereits 2009 scheiterte Fender in den USA mit dem Versuch, sich die Gitarrenform markenrechtlich schützen zu lassen. Die Gerichte argumentierten damals, die Silhouette sei längst allgemeines Kulturgut geworden und werde nicht mehr ausschliesslich mit Fender verbunden.
Vor Kurzem klagte Fender vor dem Landgericht Düsseldorf gegen einen chinesischen Anbieter von Kopien ihres bekannten Gitarrenmodells, die über Plattformen wie AliExpress vertrieben werden. Statt auf das Markenrecht setzte Fender dieses Mal auf das Urheberrecht und hatte damit Erfolg.
Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt die fast poetische Begründung des Gerichts. Die Juristen erkannten in der Stratocaster eine «zur Seite geneigte Tänzerin» mit weichen Rundungen und einer Form, die an einen menschlichen Körper erinnere.
Das Netz ist empört
Während Fender juristisch Rückenwind erhält, droht dem Unternehmen online ein massiver Imageschaden. Zahlreiche Nutzer werfen Fender vor, jahrzehntelang von der Verbreitung des Designs profitiert zu haben und nun plötzlich gegen kleinere Hersteller vorzugehen.
Auf Social Media machen Userinnen und User ihrem Ärger Luft. Besonders die Forderung nach dem Rückruf und der Vernichtung bereits gebauter Instrumente sorgt für Empörung.
Einige Reaktionen im Netz:
«Ich bin durch mit Fender.»
«Ich bin enttäuscht, dass sich ein Unternehmen, das ich so liebe, so verhält.»
«Alles, was an euch gut war, ist mit euren Unterlassungsaufforderungen gestorben. Eine Wiederauferstehung ist jedoch möglich. Ihr wisst, was zu tun ist …»
Auch bekannte Musiker meldeten sich zu Wort. Der US-Studiogitarrist Tim Pierce erklärte etwa, Fender müsse bessere Instrumente bauen, statt mit Anwälten gegen die Konkurrenz vorzugehen. Viele Fans sehen im Vorgehen deshalb weniger den Schutz kreativer Arbeit als vielmehr den Versuch, umfassende Kontrolle über ein Stück Musikgeschichte zurückzugewinnen. Wie konsequent Fender in dieser Angelegenheit tatsächlich durchgreifen wird, ist noch unklar.