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Sonderfall Hahnenkammrennen Promis, Partys, Millionendeals: So tickt der Weltcup in Kitzbühel

Beim Hahnenkammrennen wird die Streif zur Kulisse für glamouröse Galas und grosse Geschäfte – und das aus Tradition.

Arnold Schwarzenegger lädt zum Dinner, Popstar Ronan Keating singt für Marco Odermatt – und im Zielraum der Streif zielen Kameralinsen fast öfter ins Publikum als aufs Podest. Beim Weltcup in Kitzbühel ist das Rennen gewissermassen Kulisse für ein Promi-Klassentreffen.

Rund um das Hahnenkammrennen bietet ein Event-Programm viel Glanz und Gloria. Kritische Stimmen sehen darin eine Kommerzialisierung des Sports nach amerikanischem Vorbild, bei der Entertainment den Kampf ums Edelmetall überlagert. Doch in Österreich gehört «sehen und gesehen werden» zur Kultur.

Mehr Stars als Startnummern

Auf den Tribünen tauchen regelmässig Weltstars auf. Prominentester Stammgast ist jedoch seit Jahren der Heimweh-Österreicher Arnold Schwarzenegger.

Zwei Männer bei einer Veranstaltung in Kitzbühel, einer trägt einen Hut, der andere eine Skijacke mit Sponsorenlogos.
Legende: Arnold Schwarzenegger unterhält sich mit dem norwegischen Skirennfahrer Aleksander Aamodt Kilde während der Herrenabfahrt auf der Streif am 21. Januar 2023 in Kitzbühel, Österreich. Getty Images / Alexander Hassenstein

Er verbindet das Wochenende mit seinem Charity-Dinner für Klimaprojekte. Sein ebenso muskulöser Kumpel Ralf Möller – seines Zeichens ebenfalls Hollywood-Star – begleitet ihn zuletzt regelmässig.

Den grössten Teil der Promi-Riege bildet aber das deutschsprachige Glamour-«Who-is-Who», das sich an jährlichen Fixpunkten wie der «Weisswurstparty» im Hotel Stanglwirt trifft.

Auch beim Charity-Rennen, bei dem Prominente für den guten Zweck auf die Ski steigen, haben Fans gute Chancen, ihre Stars aus der Nähe zu sehen.

Bling-Bling und Business in den Bergen

In Kitzbühel beginnt die Weltcup-Woche lange vor dem ersten Rennen. Rund um das Zielgelände reiht sich Anlass an Anlass – etwa im «Kitz Race Club», einem VIP-Bereich direkt beim Zielraum.

Zwei Männer sitzen bei Veranstaltung und unterhalten sich.
Legende: Niki Lauda (†70), österreichische Formel-1-Legende und Unternehmer, und Bernie Ecclestone, britischer Milliardär und langjähriger Formel-1-Besitzer, im Kitz Race Club am 22. Januar 2010 in Kitzbühel. Getty Images / Hannes Magerstaedt

Dort treffen sich nicht nur «Adabeis» – wie in Österreich Leute genannt werden, die stets «auch dabei sein wollen» – sondern auch Hochkaräter aus Politik und Wirtschaft. Man munkelt von Geschäften im Wert von hunderten Millionen, die dort bereits aufgegleist oder abgeschlossen wurden.

Trotz Alpenhöhen nicht abgehoben

In der Schweiz ist der Umgang mit Glamour spürbar zurückhaltender. Adelboden und Wengen gehören vielmehr als stimmungsvolle Volksfeste zu den beliebtesten Weltcup-Stationen überhaupt. VIP-Angebote gibt es auch hier – sie dienen aber vor allem der Sponsorenpflege, nicht der grossen Inszenierung.

Menschenmenge mit Schweizer Flaggen jubelt.
Legende: Scharen gut gelaunter Fans treffen am Wengener Lauberhorn zum Herren-Abfahrtsrennen vom 17. Januar 2026 ein. Getty Images / Julian Finney

Crans-Montana gilt als mondänster Schweizer Weltcup-Ort. Der Glamourfaktor ist entsprechend hoch – doch der Nobelort zieht eher den vermögenden Geld-Adel an anstatt die hiesige oder Hollywood entsprungene Prominenz.

«Stars sind ja auch nur Menschen», pflegt man in der Schweiz zu sagen – entsprechend werden sie auch nicht übermenschlich inszeniert. Aus Respekt vor der Brandkatastrophe vom 1. Januar wird das Rahmen- und Eventprogramm rund um den Weltcup in Crans Montana in diesem Jahr zudem stark reduziert.

Glamouröses Erbe

Der Glamour in Kitzbühel ist kein Zufall, er hat Tradition. Schon in der Monarchie gehörten pompöse Feste und Empfänge zur gesellschaftlichen Ordnung. Dieses Erbe wirkt bis heute nach: Österreich versteht sich gern als Bühne – mit Ritualen, glanzvollen Kulissen und einem «schönen Schein», der weniger oberflächlich ist als identitätsstiftend.

Nachtfestival mit Menschenmenge und Flagge.
Legende: Siegerehrung beim Weltcup-Abfahrtsklassiker der Herren in Kitzbühel 2024. Getty Images / Severin Aichbauer

Für die einen lenkt das vom Sport ab, für die anderen macht es ihn erst richtig gross. Denn «sehen und gesehen werden» ist in Österreich tief verankert – und in Kitzbühel sind Glamour, Glanz und Gloria deshalb weniger modischer Auswuchs als vielmehr gelebte Kultur.

Radio SRF 3, 23.1.2026, 7:15 Uhr

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