Bei den Usern von SRF News ist der Familienstreit der Beckhams auf reges Interesse gestossen. Lea Boecker ist Professorin für Psychologie. Sie erklärt, warum solche Geschichten Schadenfreude auslösen können und warum es in vielen Situationen sogar gute Gründe gibt, Schadenfreude zu empfinden.
SRF News: Können Sie nachvollziehen, warum der Familienstreit der Beckhams so viele Menschen interessiert?
Boecker: Ich kann sehr gut nachvollziehen, warum das Thema viele Menschen interessiert. Und zwar scheint diese Geschichte grosse Emotionen hervorzurufen, wie zum Beispiel Schadenfreude. Die Situation mit der Familie Beckham hat bestimmte Merkmale an sich, die typischerweise Schadenfreude auslösen. Menschen neigen dazu, sich mit anderen zu vergleichen. Das machen wir ganz automatisch und oft in Bereichen, die uns selber wichtig sind, wie zum Beispiel: Wie viel Erfolg oder Geld man hat, wie attraktiv man ist oder wie gut es in der Familie läuft. Wenn man sich die Familie Beckham anschaut, dann sind sie vermeintlich auf vielen Dimensionen überlegen.
Man vergleicht sich also psychologisch nach oben?
Wir nennen das Aufwärtsvergleiche. Und die fühlen sich meistens nicht gut an. Sie lösen Neid aus. Wenn jemandem ein Missgeschick passiert, fühlt sich das sehr belohnend an, weil die Person von ihrem hohen Status herunterfällt. Das kann kurzzeitig unseren Selbstwert erhöhen, wenn wir sonst keine andere Möglichkeit haben, uns in einer bestimmten Situation besser zu fühlen.
Schadenfreude ist rein körperlich gesehen eine positive Emotion.
Warum schauen wir denn so gerne zu, wenn andere scheitern?
Wenn ich das Gefühl habe, jemand hat es verdient, oder wenn ich die Person schlichtweg nicht mag, dann ist es oft so, dass dies kein Mitleid, sondern eher Schadenfreude auslöst. Rein psychologisch gesehen, fühlt sich das für uns gerecht an. Aber oft schliessen sich Mitleid und Schadenfreude gar nicht aus.
Was ist Schadenfreude für ein Gefühl?
Schadenfreude ist die Freude am Unglück oder Missgeschick einer anderen Person oder Gruppe. Es ist erstmal ein positives Gefühl. Es gibt Studien, in denen Hirnströme gemessen wurden, die gezeigt haben, dass, ähnlich wie bei purer Freude, das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert ist, wenn wir Schadenfreude empfinden. Bei einer meiner Studien habe ich bei Versuchspersonen die Gesichtsmuskeln messen lassen. Da kam heraus, dass man lächelt, wenn man Schadenfreude empfindet. Also, rein körperlich ist es eine positive Emotion, aber sie mischt sich mit negativen Gefühlen, weil Schadenfreude oft gesellschaftlich nicht so gerne gesehen wird.
Schadenfreude sagt eigentlich eher etwas über uns selber aus.
Wir Menschen brauchen die Schadenfreude also ein Stück weit auch?
Schadenfreude erfüllt wichtige Funktionen, zum Beispiel, dass ich mich im Moment selbst besser fühle. Und meistens empfindet man ja auch Schadenfreude bei kleinen Missgeschicken und nicht bei ganz schlimmen Ereignissen. Psychologisch macht es auf jeden Fall Sinn, dass man Schadenfreude empfindet.
Man sollte sich also nicht schlecht fühlen, wenn man Schadenfreude empfindet?
Man sollte sich eher hinterfragen: Warum empfinde ich das gerade? Ist mir das Thema, was gerade Schadenfreude ausgelöst hat, besonders wichtig? Schadenfreude sagt eigentlich eher etwas über uns selber aus. Es kann ganz informativ sein, mal in sich hineinzuhorchen, warum jetzt gerade diese Situation Schadenfreude oder Neid ausgelöst hat.
Das Gespräch führte Vanessa Ledergerber.