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Zeitverschobene Spiele Kinder und WM: Schauen lassen oder ab ins Bett?

Mitfiebern am Bildschirm bis spät, wie heute Abend beim Schweizer Spiel gegen Bosnien-Herzegowina. Und am nächsten Tag ist Schule. Für viele Eltern ein Dilemma – doch Fachleute geben Entwarnung und empfehlen: Locker bleiben!

Fussball und Kinder: Bei dieser WM kann das Eltern schon mal ins Dilemma führen. Immerhin dauern schon die früheren Spiele derzeit locker bis 23 Uhr, noch ganz ohne die Verlängerungen und Penaltyschiessen der K.o.-Runde.

Und am nächsten Tag ist Schule. Was also tun, gerade mit Kindern im Primarschulalter? Schauen lassen bis spät? Nur die erste Halbzeit? Oder gar nicht? Und wie soll man das entscheiden?

Vier Kinder sitzen auf einem Sofa und schauen auf einen Bildschirm.
Legende: Späte WM-Spiele: Eine Herausforderung für Eltern mit fussballbegeisterten Kindern. Keystone/Gaetan Bally

Fachleute, die sich mit dem Thema beschäftigen, geben Entwarnung. Lulzana Musliu, Mediensprecherin bei Pro Juventute, sieht vor allem eine Chance: «Gemeinsam WM-Spiele zu schauen, ist eine gute Möglichkeit für ein gemeinsames Medienerlebnis», sagt sie.

Natürlich sei es grundsätzlich wichtig, dass die Kinder fit seien für die Schule und den Alltag. Bei der WM gehe es aber auch darum, sich mit den anderen Kindern über die Spiele auszutauschen, also: um Teilhabe und Zugehörigkeit. «Es ist sicher schön, wenn Kinder da mitmachen können. In der WM-Zeit dürfen sicher auch mal etwas andere Regeln gelten», so Musliu.

Schlafen ist gut, keine Frage. Eine Ausnahme macht das aber nicht kaputt.
Autor: Ulric Ritzer-Sachs Bundeskonferenz für Erziehungsberatung

Auch der deutsche Sozialpädagoge Ulric Ritzer-Sachs plädiert für Lockerheit: «Da gibt es kein richtig oder falsch», sagt der Experte bei der deutschen Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Zwei Stunden vor dem Bildschirm, so spät am Abend, das sei zwar nicht ohne: «Regelmässiges, ausreichendes Schlafen ist gut, keine Frage», sagt Ritzer-Sachs. «Eine Ausnahme macht das aber nicht kaputt. Und auch fünf Ausnahmen machen das nicht kaputt.»

Eltern sollten sich trotz allem auch überlegen, ob man nicht in Kauf nehmen kann, dass ein Kind am nächsten Tag müde sei – das komme ja auch aus anderen Gründen mal vor.

Und wie sieht man das in den Schulen des Landes? «Die Lehrerinnen und Lehrer wissen, dass die WM für einige Schülerinnen und Schüler wichtig ist», sagt Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH. Sicher könne es in Einzelfällen ärgerlich sein, wenn Kinder nach den Matches unausgeschlafen im Unterricht sässen. «Kinder kommen aber nicht nur während der WM müde zur Schule, das kommt immer wieder vor.»

Müde Kinder: Für die oberste Lehrerinnen-Vertreterin also vielmehr ein soziales und sozioökonomisches Problem, das man auch regelmässig an Elternabenden und in Elterngesprächen anspreche.

Zur Fussball-WM sagt Dagmar Rösler: «Das Leben besteht nicht nur aus Schule. Leistung und Lernen sind wichtig, aber die WM oder andere Themen sollen auch Platz haben.»

Die Fachleute scheinen also eher entspannt. Wer als Eltern trotzdem hart bleibt und sein Kind ins Bett schickt, während alle anderen vor dem Bildschirm mitfiebern, dem ist Ärger gewiss. Und laut Erziehungsexperte Ritzer-Sachs hilft da nur eines: «Aushalten. Einfach aushalten.» So wie bei vielen anderen Themen wie «Handy weg» oder «Nein, kein zweites Glacé».

Und dann haben Eltern ja auch noch andere Karten als nur Rot oder Gelb. Wichtig sei das Aushandeln, sagt Lulzana Musliu von Pro Juventute. Klare Regeln: Schauen wir den ganzen Match? Nur die erste Halbzeit, und morgen den Rest? Machen wir heute eine Ausnahme, dafür morgen nicht?

Und zwar macht man das am besten gleich mit den Kindern: «Lösungen wirken besser, wenn man sie gemeinsam ausarbeitet», sagt Musliu. «Meist verstehen Kinder das sehr gut.»

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SRF zwei, sportlive, 17.06.2026, 2:50 Uhr;schc;noes

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