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Achse Teheran-Moskau So blickt Russland auf den Krieg gegen seinen Verbündeten

SRF-Korrespondent Calum MacKenzie erklärt, warum der Kreml einen Sturz des Regimes in Teheran verkraften könnte – und trotzdem mit Argusaugen auf die Entwicklungen schaut.

Calum MacKenzie

Russland-Korrespondent

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Calum MacKenzie ist Russland-Korrespondent von Radio SRF. Er hat in Bern, Zürich und Moskau Osteuropa-Studien studiert.

Wie reagieren die Menschen in Russland auf die Geschehnisse?

Das Thema beschäftigt die Leute. Was vor allem ankommt, sind die Bilder der iranischen Drohnen und Raketen, die in den Golfstaaten einschlagen. Dubai etwa ist ein beliebtes Ferienziel in Russland – für diejenigen, die es sich leisten können. Auch viele russische Influencer oder Sportlerinnen und sogar Politiker urlauben gerne dort. Jetzt werden die bei ihnen beliebten Hotels und Restaurants vom Iran beschossen, den man eigentlich als Verbündeten von Russland sah. Das sorgt bei den Leuten für kognitive Dissonanz.

Treffen der Krieg und der Tod von Ajatollah Chamenei Russland direkt?

Vieles hängt davon ab, wie der Krieg ausgeht – ob das Regime in Teheran tatsächlich fällt und was darauf folgt. Das iranische Regime ist zwar ein Verbündeter Russlands. Aber in vielerlei Hinsicht ist das ein Zweckbündnis, das ausgedient hat. Zu Beginn des Krieges gegen die Ukraine hat der Iran Drohnen und Munition an Russland geliefert, aber diese Drohnen stellt Russland inzwischen selbst her. Dazu hat die russische Armee auch andere Munitionslieferanten. Der Iran mag ein wichtiges Kettenglied in der Nord-Süd-Route sein, die Russland mit Asien verbindet und die für den russischen Aussenhandel wichtig ist. Aber es gibt auch andere Routen.

Zwei Männer im Anzug und traditioneller Kleidung beim Handschlag in einem Raum.
Legende: Putin besuchte den getöteten Ajatollah Chamenei im Juli 2022 in Teheran – nur wenige Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Keystone/AP/Büro des iranischen Revolutionsführers

Der Kreml dürfte sich jetzt darauf konzentrieren, welchen Nutzen es aus diesen Entwicklungen ziehen kann. Da wäre zum einen der gestiegene Ölpreis – das russische Budget hat jüngst stark unter dem tiefen Ölpreis gelitten. Und sollten die USA ihre gesamten Flugabwehrsysteme zum Schutz der Golfstaaten einsetzen müssen, werden die europäischen Länder wenige solcher Systeme für die Ukraine kaufen könne. Auch wenn das Regime in Teheran fällt, dürfte Russland das also verkraften können. 

Warum kritisiert der Kreml den Angriff trotzdem?

Russland kritisiert den Angriff als völkerrechtswidrig und ungerechtfertigt. Da ist zweifellos etwas dran. Bekanntlich hat Russland aber nicht generell etwas gegen völkerrechtswidrige und ungerechtfertigte Kriege. Einerseits schmerzt es, dass man schon wieder nicht in der Lage ist, einem Verbündeten zu helfen. Das haben wir schon mit Syrien und Venezuela gesehen. Aber jetzt ist die Empörung in Moskau grösser. Zur Entführung von Maduro hat sich Putin nie wirklich geäussert, aber zur Tötung von Ajatollah Chamenei hat er sofort sehr scharfe Worte gefunden. Solche US-amerikanische Regimewechsel gehen Putin offenbar nahe. Er hat schon oft darüber gesprochen, weil er wohl befürchtet, der Westen könnte auch ihn zu stürzen versuchen – auch wenn es solche Versuche soweit wir wissen noch nie gegeben hat.

Zwei Männer schütteln sich feierlich die Hände vor einem Flugzeug.
Legende: «Die Ereignisse haben dem Kreml wieder vor Augen geführt, dass Trump komplett unberechenbar ist», schätzt SRF-Korrespondent Calum MacKenzie. Keystone/EPA/SPUTNIK

Jetzt haben die USA und Israel ein anerkanntes Staatsoberhaupt sogar getötet. Die Schlüsselfigur in dem Ganzen ist Trump. Er ist für Russland einerseits die grösste Hoffnung darauf, die Ukraine bezwingen zu können. Auf dem Schlachtfeld kommt Russland viel zu langsam voran, aber Trump kommt Putin entgegen und macht Druck auf die Ukraine. Gleichzeitig stellt sich Trump nun in die Reihe bisheriger US-Präsidenten – er geht gegen autokratische Regimes vor, die mit Russland befreundet sind. Das ist genau das, was Russland gehofft hatte, würde er nicht tun. Im Kreml glaubte man bis vor kurzem, Trump betrachte Russland als ebenbürtige Grossmacht und gestehe Moskau eine Einflusssphäre zu. Das gilt jetzt nicht mehr.   

Echo der Zeit, 03.03.2026, 18 Uhr ; 

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