Zum Inhalt springen

Header

Video
Bizarre Szenen an Grenzübergängen
Aus 10 vor 10 vom 18.01.2021.
abspielen
Inhalt

Ärger an der EU-Aussengrenze Sandwich-Knatsch bei der Zollkontrolle

Der bürokratische Aufwand ist wegen des Brexit-Abkommens für Exportunternehmen um ein Vielfaches gestiegen.

Es war ein guter Start ins neue Jahr. Nach der sehr späten Einigung auf einen umfassenden Freihandelsvertrag zwischen der EU und Grossbritannien erwarteten viel Beobachter chaotische Szenen auf beiden Seiten des Ärmelkanals. Das befürchtete Chaos zu Jahresbeginn blieb auf den ersten Blick allerdings aus. Weder im britischen Dover noch im französischen Calais kam es dank gut gefüllten Warenlagern nicht zu den erwarteten kilometerlangen Staus der Lastwagen.

Diese aktuellen Szenen können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der bürokratische Aufwand wegen der neuen Zollformalitäten für Exportunternehmen um ein Vielfaches gestiegen ist. Bei Zollkontrollen kommt es wegen fehlenden oder nicht korrekt ausgefüllten Dokumenten zu langen Wartezeiten und unangenehme Situationen. Ganz so reibungslos wie gedacht, funktioniert der Handel zwischen der EU und Grossbritannien noch nicht.

Fehlende Kenntnisse der neuen Zollregeln

Grossbritannien gilt seit dem 1. Januar 2021 als Drittland für die Europäische Union. An den EU-Aussengrenzen werden folglich wieder Zollkontrollen durchgeführt. Einen Einblick über die neuen Herausforderungen gewährt der niederländische Zoll in der Ortschaft Hoek van Holland bei Rotterdam.

Auf der britischen Seite wird kaum über die Fortsetzung der Zollverfahren informiert.
Autor: Rien de RuijterTeamleiter Zoll Hoeck van Holland/NL

In Grossbritannien würden Lastwagenchauffeure oft einfach losgeschickt, ohne die Zollformalitäten zu kennen, berichtet Rien de Ruijter. Er ist Teamleiter bei Zollstelle in Hoek van Holland. Auf der britischen Seite werde kaum über die Fortsetzung der Zollverfahren informiert, was vor allem Auswirkungen auf die kleineren Transportbetriebe habe. Diese seien sich der neuen Regeln oft weniger bewusst als die grossen Betriebe.

Die Regeln sind im Moment klar: Wenn du die Bedingungen nicht erfüllst, wirst du vom Fährterminal weggschickt.
Autor: Rien de RuijterTeamleiter Zoll Hoek van Holland/NL

Die ersten Tage, seit Grossbritannien den EU-Binnenmarkt verlassen hat, zeigen, dass an den EU-Aussengrenzen die neuen Zollformulare äusserst genau kontrolliert werden. «Die Regeln sind im Moment klar: Wenn du die Bedingungen nicht erfüllst, wirst du vom Fährterminal weggeschickt. Du musst dann zu einem speziellen Parkplatz fahren und bekommst 24 Stunden Zeit, um deine Formalitäten in Ordnung zu bringen», erzählt Rien de Rujter. Diese neue Form der Bürokratie hat dann unter anderem zur Folge, dass verderbliche Produkte wie Fische oder Meeresfrüchte nicht zeitgerecht zu den Abnehmern in der Europäischen Union geliefert werden können.

Sandwich-Knatsch bei der Zollkontrolle

Die Regeln haben sich durch das Brexit-Abkommen aber nicht nur für die Transportunternehmen geändert, sondern auch für Privatpersonen. Seit dem 1. Januar 2021 ist es nicht mehr möglich, Produkte wie Fleisch, Gemüse oder Früchte aus Grossbritannien ohne die nötigen Dokumente in die Europäische Union einzuführen. So kann als Folge auch ein mit Fleisch belegtes Sandwich aus Grossbritannien von niederländischen Zöllnern konfisziert werden.

Zu den bereits bestehenden Schwierigkeiten kommt in den kommenden Tagen noch ein weiteres Hindernis hinzu. Reisende sowie auch Lastwagenchauffeure, die aus Grossbritannien kommen, müssen bei der Abreise einen Schnelltest machen und ein negatives PCR-Test-Ergebnis vorweisen können, das nicht älter als drei Tage sein darf. Nur dann ist die Einreise in die Niederlande und somit auch in die Europäische Union möglich.

10vor10, 18.01.21

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

28 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Monika Mitulla  (momi)
    Es geht hier nicht um die Erstellung ernstzunehmenden Regeln, sondern um reine Schikanen. Man will ein Exempel statuieren: Niemand soll ungestraft die EU verlassen dürfen.
    1. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      Nein, es geht jetzt darum, das BJ nun seinen Landleuten erklären muss, was genau er mit der EU vereinbart hat, und was folgen davon sind.

      Jetztmuss man nicht mehr darüber spekulieren, wie es nach dem Austritt aussieht. Es sieht so aus, wie es jetzt ist, und damit müsse nun beide Seiten zurechtkommen (oder aber gemeinsam den Vertrag nachjustieren)
  • Kommentar von Peter Zuber  (Hä nuuh)
    Anlaufschwierigkeiten kann man das wohl nennen.
    Wer nicht in der Lage ist Zollpapiere auszufüllen ist allerdings wirklich selber schuld.
    Wer aber wegen eines Sandwichs einen Fahrer schickaniert handelt gleich kindisch wie die Italiener die den Schweizern 300€ Busse abnehmen wegen nicht vorhandenem CH Kennzeichen.
  • Kommentar von Werner Gerber  (1Berliner)
    Das war klar, jetzt jammern die Brexiteers, weil das eintritt, was angesagt war und ihnen ihr blonder (Ver-) Führer verschwiegen hat. Bitter ist es für die normalen Menschen, die LKW Fahrer, Fischer und wer nun einen Klempner sucht, der ist zurück nach Osteuropa und der Notstand bei Pflegekräften wird auch nicht besser
    1. Antwort von Paul Wagner  (päule)
      Und Ihre Schadenfreude wird auch nicht angebrachter. Und ihre Behauptungen auch nicht wahrer.
    2. Antwort von Werner Gerber  (1Berliner)
      @ Päule: die Nöte der LKW Fahrer und Fischer sind ja wahr und, dass die EU Arbeitskräfte aus Osteuropa fehlen ist auch eine Tatsache. Das ist keine Schadenfreude sondern Mitgefühl für die Opfer der verantwortungslosen Brexiteers und EU Basher Was nicht heißt, dass man die EU nicht kritisieren und verbessern darf.!
    3. Antwort von Claudia Beutler  (Claudia)
      Welche Behauptungen denn?
    4. Antwort von Paul Wagner  (päule)
      @Gerber/Beutler:
      1."Jetzt jammern die Brexiteers" schlicht leere Behauptung, verfolgen Sie UK-Medien? Haben Sie Kontakte in UK? Dann wissen Sie das.
      2."Bitter ist es für die normalen Menschen" wieder eine plakative Behauptung. Die LKW-Fahrer haben gleich viel zu tun wie vorher, die nerven ein paar neue Formulare/Prozesse und Corona. Fischer haben kurzfristig ein Problem.
      Der Kommentar erweckt den Eindruck, dass in ganz UK keine Klempner und Pflegekräfte mehr gibt.
      -> Leere Behauptungen.
    5. Antwort von Paul Wagner  (päule)
      ...ach ja, noch was. Die UK-Regierung hat schon unter May den EU-Bürgern ein Bleiberecht in UK zugesichert. Etwas, das die EU lange nicht gemacht hat - ich weiss nicht genau wie das heute aussieht.
      Also folglich sind die meisten rumänischen Klempner und polnischen Pflegekräfte noch in UK.
      Zuwanderung war übrigens 2016 einer der Hauptgründe für den Brexit, weil UK gleichzeitig die historische Commonwealth-Zuwanderung, die EU-Ost-Zuwanderung und die afro-/arabische Flüchtlingswelle 2015 hatte.