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Zoll-Modell von der Schweiz abgeschaut
Aus Tagesschau vom 05.01.2021.
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Zölle nach dem Brexit Briten bauen Zollabfertigung nach Schweizer Vorbild auf

Seit dem 1. Januar müssen Lastwagen, die Waren nach Grossbritannien bringen, durch den Zoll. Das System funktioniert grösstenteils digital. Laut der britischen Botschafterin in Bern hatte das Schweizer System Vorbildcharakter.

Befürchtet wurde das grosse Lastwagen-Chaos. Doch der Warenverkehr von und nach Grossbritannien läuft seit dem 1. Januar erstaunlich reibungslos. Das hat mit dem allgemein ruhigen Januar zu tun. Vielleicht gibt es aber auch noch einen anderen Grund: Die Briten haben ihr neues Verzollungssystem nämlich von der Schweiz abgeschaut

Digitale Verzollung

Zwar benötigen die Lastwagenfahrer viele Papiere für die Einfuhr der Waren nach Grossbritannien. Die Formulare können die Transporteure aber schon vor der Abfahrt elektronisch ausfüllen. Die ganze Verzollung geschieht digital.

Am Zoll werden die Papiere von den Beamten nur noch gescannt. Kontrollen geschehen nur stichprobenartig. In Basel an der Schweizer Grenze funktioniert dieses System seit Jahren.

Britische Botschafterin besuchte Basler Zoll

Die britische Botschafterin in der Schweiz, Jane Owen, besuchte den Zoll in Basel und liess sich das System erklären. Es sei ein Vorbild für Grossbritannien. «Im Schnitt braucht es nur 90 Sekunden, um einen Lastwagen abzufertigen», resümiert Owen, «Das muss auch unser Ziel sein, so schnell müssen wir in Grossbritannien auch werden».

Im Schnitt braucht es nur 90 Sekunden, um einen Lastwagen abzufertigen, das muss auch unser Ziel sein, so schnell müssen wir in Grossbritannien auch werden.
Autor: Jane OwenBritische Botschafterin in Bern

Schweizer Zolldirektor gab Auskunft in London

Die Briten interessierten sich so sehr für das Schweizer Verzollungssystem, dass der Schweizer Zolldirektor Christian Bock mehrmals nach London vor Parlaments-Ausschüsse eingeladen wurde. Die Schweizer und die britischen Zollbehörden stehen in einem regelmässigen Austausch.

Beide Länder investieren viel Geld

Laut Botschafterin Jane Owen will Grossbritannien bis in fünf Jahren «das modernste Zollsystem der Welt» aufbauen. «Ein Ziel, das wir mit der Schweiz teilen. Denn auch die Schweiz investiert viel Geld in die digitale Verzollung». Bei der weiteren Digitalisierung könnten beide Länder viel voneinander lernen, ist Owen überzeugt.

Bewährungsprobe kommt erst

Grossbritannien investierte bisher umgerechnet rund 800 Millionen Franken in den Aufbau des Verzollungssystems nach Schweizer Vorbild. Wie gut das britische System jetzt schon funktioniert, wird sich wohl erst zeigen, wenn der Warenverkehr anzieht. Die britischen Behörden rechnen damit, dass der Zoll grosse Mengen erst im Februar bewältigen muss.

Tagesschau, 5.1.2021, 19:30 Uhr

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    "Doch der Warenverkehr von und nach Grossbritannien läuft seit dem 1. Januar erstaunlich reibungslos." Verwundert mich nicht. Die Briten können auch denken. Die haben sicher verschiedene Brexit-Szenarien vorbereitet. Nur die Brexit-Gegner haben immer auf Panik gemacht. Übrigens: Erinnere mich noch an die EWR-Abstimmung 1992. Da wurde der Untergang der Schweiz prognostiziert. Bei einem Nein würden wir zum Armenland Europas absteigen. Nun wissen wir: Das Gegenteil ist der Fall. UK wird uns folgen.
    1. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Nach dem EWR-Nein folgte ein wirtschaftlich gesehen mageres Jahrzehnt, das wohl einzig durch die Bilateralen gerettet werden konnte. Diese wurden von der gleichen Partei bekämpft, die schon den EWR bekämpft hatte. Der wirtschaftliche Aufschwung kam Anfang dieses Jahrhunderts infolge der trotz SVP-Blockade-Politik erfolgreich ausgehandelten Bilateralen. (Wobei natürlich immer auch die Weltkonjunktur mitspielt.)
    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Florian Kleffel: Die mageren Jahre nach dem EWR-Nein wurden nicht nur durch die bilateralen Verträge gerettet, sondern auch durch interne Deregulierungen und Liberalisierungen, welche die Marktkräfte entfalteten. Genau diese Massnahmen wollen jetzt die "jungen Linken", welche die Stagnationsphase der 90er Jahre nicht erlebt haben, wieder rückgängig machen.
    3. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      @Leu: Das stimmt sicher. Allerdings gibt es durchaus Probleme, die der zu recht kritisierte Standortwettbewerb mit sich bringen. Ohne internationale gemeinsame Regulierungen ist das für Mensch und Natur ein Wettlauf nach unten. Weiter sind Regulierungen ja nur ein Wettbewerbsnachteil, wenn sie von anderen Ländern unterboten werden. Der vernünftige Weg ist meiner Ansicht nach ein „level playing field“. Marktkräfte können da genau so spielen - aber zum Vorteil des Kontinents statt eines Landes.
    4. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Florian Kleffel: Mit Deregulierung ist nicht die "Cowboy-Wirtschaft" gemeint, sondern Straffung von unnötiger staatlicher Bürokratie. Dabei sollte sich der Staat auf seine Kernkompetenzen konzentrieren. Das sind: Einheitliche Rahmenbedingungen, Aufrechterhaltung des Wettbewerbs, damit die Firmen sich nicht auf Monopolen und Kartellen ausruhen und ganz wichtig: Korrektur von Marktversagen im Umweltbereich durch Internalisierung der externen Kosten. Der Staat sollte i.d.R. keine Betriebe führen.
  • Kommentar von andi capol  (-:) (:-)
    90 Sekunden für ein LKW? Soll das ein Witz sein? Ich bin schon zig male mit dem LKW über den gezeigten Zoll im Bild gefahren. Warum stauen sich auf deutscher Seite die LKWs regelmässig stundenlang zurück? Warum braucht es einen riesigen Parkplatz vor dem Verzollungsbüro? Warum braucht es einen sogenannten "Laufzettel"? Wisst ihr, dass z.B. T-Shirts mit angenähtem Kragen gemäss schweizer Zoll "Pullover" sind? Liebe Leute, das schweizer Zollsystem ist eines der kompliziertesten weltweit!
    1. Antwort von Martin J. Pérez  (MJP)
      Für die Bezeichnung der T-Shirts als Pullover kann der Zöllner an der Grenze wohl relativ wenig, die Bestimmungen machen schliesslich andere.
      Das mit dem Stau hat vermutlich mit der schieren Menge an Lastwagen zu tun. Rechnen Sie nur mal selber nach, wenn 1 Zöllner durchschnittlich 90 Sek. (1,5 Min.) zur Abfertigung eines Lastwagens benötigt, schafft er bestenfalls ca. 40 Lastwagen pro Stunde.
      Zählen Sie beim nächsten Mal nur einmal nach wieviel Lastwagen in 1 Stunde am Zoll vorbeifahren.
    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ andi capol: Wieviele Zollsysteme der Welt kennen Sie denn, dass Sie auf eine solche Aussage kommen?
    3. Antwort von andi capol  (-:) (:-)
      @Thomas Leu
      Wenn man mit denen vom Zoll redet, erfährt man einiges. Zudem durfte ich manche Kontrolle erleben.
      @Martin
      Wieso gibt es denn auf der Schweizer Seite Richtung Deutschland und Frankreich nie diese LKW-Staus? Weil weniger LKW wieder zurückkehren wohl kaum.
  • Kommentar von Hugo Kuhn  (Coco)
    Die Grenzen in Europa sind eigentlich willkürlich und könnten auch ganz anders verlaufen. Natürlich sind diese vielleicht höchstens in Grossbritannien oder anderen Inseln. Aber andererseits, warum gehört beispielsweise Korsika zu Frankreich und Sardinien zu Italien?
    Warum machen wir so ein Theater mit der Verzollung? Das war doch unmöglich, früher, als noch überall Kontrollen stattfanden. Wir alle sind Menschen die sich frei bewegen möchten. Grenzen zu anderen Menschen brauchen wir nicht.
    1. Antwort von Martin J. Pérez  (MJP)
      Herr Kuhn, mal abgesehen von Afrika beruhen genau genommen viele der heutigen Landesgrenzen auf historischen, natürlichen oder auf Sprachgrenzen, das gilt nicht nur für Inseln. Beispielsweise bilden oft Gewässer oder Gebirge die Grenze, zB. die Pyrenäen, der Rhein, etc.
    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Hugo Kuhn: Was verstehen Sie unter willkürlichen Grenzen? Die einzige willkürliche Grenze in Europa war nach dem 2. Weltkrieg bis 1989 der eiserne Vorhang quer durch Europa. Alle anderen Grenzen haben einen historischen Background. Natürlich könnte heute das Veltlin immer noch zur Schweiz gehören und das Südtirol zu Österreich, aber auch dafür gibt es Erklärungen.