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An der Grenze zu Südkorea Nordkorea will wieder Militärübungen durchführen

  • Einen Tag nach der Sprengung eines innerkoreanischen Verbindungsbüros hat Nordkoreas Armeeführung angekündigt, Truppen an die Grenze zu Südkorea zu verlegen.
  • Zudem sollen in der militärischen Pufferzone auch wieder Wachposten aufgebaut werden.
  • Südkorea sieht darin einen Verstoss gegen das innerkoreanische Friedensabkommen.
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Aus dem Archiv: Neuer Tiefpunkt zwischen Nord- und Südkorea
Aus Tagesschau vom 16.06.2020.
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Gegen Südkorea sollen zudem Flugblattaktionen gestartet werden, wurde der Generalstab der nordkoreanischen Volksarmee von den Staatsmedien zitiert. Das wegen seines Atomwaffenprogramms isolierte Land hatte zuvor mit solchen Schritten gedroht.

Das Angebot der Regierung des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-In, Sondergesandte für eine Deeskalationsmission zu schicken, lehnte die kommunistische Führung nach eigenen Angaben entschieden ab. Kim Yo-Jong, die einflussreiche Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-Un, warf der südkoreanischen Seite vor, einen «taktlosen und dunklen Vorschlag» gemacht zu haben.

Sprengung eines Gebäudes
Legende: Dieses Foto, bereitgestellt von der nordkoreanischen Regierung, soll die Sprengung des innerkoreanischen Verbindungsbüros zeigen. Keystone/Korean Central News Agency

Südkorea müsse erst die «Worte und das Verhalten solcher Dummköpfe kontrollieren, die uns weiter provozieren», erklärte Kim Yo-Jong in Anspielung auf die Propaganda-Flugblattaktionen südkoreanischer Aktivisten und nordkoreanischer Flüchtlinge an der Grenze.

Seit der jüngsten Aktion, bei der die Gruppen Ende Mai etwa 500'000 in Ballons verpackte Flugblätter mit Kritik an der autokratischen Führung in Pjöngjang in Richtung Nordkorea geschickt hatten, verschärfen sich die Spannungen wieder. Pjöngjang wirft Seoul vor, diese Aktionen zu tolerieren.

Einheiten in Regimentsstärke sollen in den Industriepark von Kaesong sowie in das Erholungsgebiet am Kumgang-Gebirge geschickt werden. Der Industriekomplex in Kaesong ist seit 2016 nicht mehr in Betrieb.

Touristische Reisen von Südkoreanern in das Diamanten-Gebirge sind seit 2008 nicht mehr möglich. Seoul hatte ein gemeinsames Reiseprogramm auf Eis gelegt. Grund dafür waren tödliche Schüsse eines nordkoreanischen Soldaten auf eine südkoreanische Touristin in einem Sperrgebiet in der Region.

Mit der Umsetzung der nun angedrohten militärischen Schritte würde Nordkorea bilaterale Vereinbarungen von 2018 über vertrauensbildende Massnahmen unterlaufen. Damals hatten sich beide Seiten unter anderem auf die Einstellung von Schiessübungen an der Grenze geeinigt. Zudem sollten Kontrollposten innerhalb der demilitarisierten Zone aufgehoben und Landminen an bestimmten Stellen der Pufferzone geräumt werden.

Der Nordkorea-Konflikt: Eine Chronologie der Ereignisse

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Süd- und Nordkoreanische Staatschefs auf einem Plakat
Legende:Keystone

1910: Japan annektiert das Kaiserreich Korea.

1945: Nach der Kapitulation Japans am Ende des Zweiten Weltkriegs wird Korea auf dem 38. Breitengrad in zwei Besatzungszonen geteilt. Die damalige Sowjetunion besetzt das nördliche Gebiet, die USA das südliche.

1950: Mit dem Ziel einer gewaltsamen Wiedervereinigung greift die Demokratische Volksrepublik Korea (Nordkorea) die Republik Korea (Südkorea) an.

1950-1953: Der Koreakrieg zwischen dem Norden mit der verbündeten Volksrepublik China gegen den Süden mit Hilfe der USA schürt die Angst vor einem dritten Weltkrieg.

Nach 1953: Die mehreren Millionen Todesopfer des Koreakriegs zementieren die Spaltung des einstigen Kaiserreichs bis heute.

10.02.2005: Nordkorea räumt erstmals offiziell den Besitz von Nuklearwaffen «zur Selbstverteidigung» ein.

17.12.2011: Kim Jong-Un kommt nach dem Tod seines Vaters Kim Jong-Il an die Macht. Sein Grossvater, der 1994 gestorbene Staatsgründer Kim Il-Sung, ist «Ewiger Präsident».

Dezember 2012: Trotz internationaler Warnungen schiesst Nordkorea einen Satelliten ins All. Die USA und Südkorea befürchten, dass damit eine Interkontinentalrakete getestet werden sollte.

25.08.2015: Vereinbarung zur Beendigung der eskalierten Spannungen.

06.01.2016: Nordkorea meldet den Test einer Wasserstoffbombe als vierten unterirdischen Kernwaffentest.

09.09.2016: Nordkorea behauptet, es habe erstmals atomare Sprengköpfe auf ballistische Raketen montiert. Der Test wird international verurteilt, auch von China.

3.9.2017: Sechster unterirdischer Kernwaffentest, worauf der UNO-Sicherheitsrat einstimmig die bis dato schärfsten Sanktionen gegen Nordkorea beschliesst.

1.1.2018: Kim Jong-Un kündigt in seiner Neujahrsansprache überraschend Dialogbereitschaft mit Südkorea an. Gleichzeitig bekräftigt er gegenüber den USA, Nordkorea sei 2017 endgültig zur Atommacht aufgestiegen

05.03.2018: Kim Jong-Un empfängt erstmals seit seinem Amtsantritt 2011 eine Regierungsdelegation aus Südkorea.

21.04.2018: Nordkorea erklärt, keine Atom- und Raketentests mehr durchzuführen.

27.04.2018: Kim Jong-Un trifft mit dem neuen südkoreanischen Staatspräsidenten Moon Jae-In zusammen. In der «Panmunjom-Erklärung» bekennen sich beide Seiten zu einer «kompletten Denuklearisierung» und zu einem Friedensvertrag.

12.06.2018: Historisches Gipfeltreffen zwischen Kim Jong-Un und Donald Trump in Singapur als erste Begegnung eines nordkoreanischen Staatsführers und eines US-Präsidenten.

18.-20.9.2018: Fünftes innerkoreanisches Gipfeltreffen in Pjöngjang zur Wiederbelebung der ins Stocken geratenen Atomwaffen-Diplomatie zwischen Kim Jong-Un mit Moon Jae-In.

16.06.2020 Nordkorea sprengt als Vergeltungsaktion für wiederholte Flugblattaktionen von nordkoreanischen Überläufern das gemeinsame Verbindungsbüros, das während des Friedensprozesses 2018 eingerichtet worden war. Nordkorea will in der Grenzregion wieder Truppen zu stationieren.

(Munzinger, Wikipedia)

SRF 4 News, 17.6.2020, 07:30 Uhr;

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Drago Stanic  (drago stanic)
    Jeder der sich mit diesen Konflikt ausseinander gesetzt hat, weiss, dass aus paar Schlagzeilen von SRF sich ein Bild von diesen Konflikt nicht machen kann. Seit 20 Jahren USA vereinbart etwas und kurz später Beschlüsse ignoriert. Frustrationen in Nord Korea sind verständlich. Südkorea ist eine Kolonie welche in diesen Konflikt nicht zu sagen hat. USA solte zuerst ihre Versprächungen erfüllen und dann sehen wir weiter.
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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    "Südkorea müsse erst die «Worte und das Verhalten solcher Dummköpfe kontrollieren, die uns weiter provozieren". Der klare Beweis, dass repressive Staaten über andere Menschen "herrschen" wollen. In einem Rechtsstaat kann man niemandem verbieten Flugblatt zu verteilen. Und - von Dummköpfen zu sprechen zeugt auch nicht von viel Toleranz gegenüber dem Mitmenschen im Süden. Kimi ist wohl NICHTS von seinem Aufenthalt in der Schweiz geblieben.
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  • Kommentar von Christa Wüstner  (Saleve2)
    Logischer Weise ist das die Antwort auf die Militärübungen Südkoreas mit den USA vor den Küsten. Deshalb hat er auch Militär an den Küsten stationiert. Er will zeigen, was Ihr
    Könnt kann ich auch. Wie ich schon im anderen Beitrag schrieb, Trump soll sich jetzt sehr
    genau überlegen, wie er reagiert.
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    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Donald Trump plagen andere Sorgen.
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    2. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Abwarten Herr Planta und einfach hoffen, dass er es nicht verschlimmert,
      durch seine plötzlichen unkontrollierten Reaktionen aus dem Bauch heraus, ohne das Hirni einzuschalten.
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