Vor sechs Jahren verkaufte Tulsi Gabbard T-Shirts mit der Aufschrift «Kein Krieg mit dem Iran». Damals war sie noch eine Demokratin – und wollte Präsidentin werden. Als Präsident Trump damals den iranischen General Qassem Soleimani umbringen liess, nannte sie das einen Kriegsakt, illegal und verfassungswidrig.
Aber später: eine Wandlung. Gabbard schloss sich dem Trump-Lager an und erklärte, Trump werde das Land vom «Rand eines Krieges» wegführen.
Ob vom Iran eine unmittelbare Bedrohung ausgegangen sei, wurde Gabbard im Kongress gefragt. «Nur der US-Präsident kann entscheiden, was eine unmittelbare Bedrohung darstellt», antwortete sie.
«Falsch», sagte der demokratische Senator John Ossoff. «Sie haben heute erklärt, das iranische Atomprogramm sei vernichtet, Iran habe keine Anstrengungen unternommen, um wieder Uran anzureichern. Kamen die Geheimdienste trotzdem zum Schluss, es bestehe eine unmittelbare nukleare Bedrohung – ja oder nein?»
Eine solche Schlussfolgerung sei nicht die Aufgabe, der Geheimdienste, so Gabbard. «Doch, es ist exakt ihre Aufgabe festzustellen, was für die USA eine Bedrohung ist!», befand Ossoff.
Das ist eine Friedensmission! Wir müssen Waffengewalt anwenden, weil die andere Seite Atomwaffen bauen will, um uns vom Angesicht der Erde zu tilgen!
Gabbard antwortete ausweichend, wohl um Trump nicht direkt zu widersprechen. Und selbst Joe Kent, der ehemalige Direktor des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung, gibt Trump nicht direkt die Schuld, obwohl er den Krieg scharf kritisiert.
Kent, bis jetzt ein enger Mitarbeiter von Tulsi Gabbard und Teil der MAGA-Bewegung, erklärte in seinem Rücktrittsschreiben, Israel und dessen Lobby hätten Trump mit der Lüge der unmittelbaren Bedrohung in den Krieg hineingezogen:
«Die Israelis haben die Entscheidung anzugreifen, vorangetrieben»
Den USA sei klar gewesen, dass das eine Kette von Ereignissen auslösen würde, dass die Iraner zurückschlagen würden, sagte Kent im Interview mit Tucker Carlson, einem sehr prominenten rechten Kommentator.
Völlig anderer Meinung sind rechte Kommentatoren wie Mark Levin. Dieser sagte zu Fox News: «Das ist eine Friedensmission! Wir müssen Waffengewalt anwenden, weil die andere Seite Atomwaffen bauen will, um uns vom Angesicht der Erde zu tilgen!»
Der Iran-Krieg – speziell die Haltung zu Israel – macht Gräben in der Welt der rechten Kommentatoren sichtbar. Und er führt zu heftigen Schlagabtauschen. Megyn Kelly, ehemals Fox News-Moderatorin, erklärte in ihrer «Megyn Kelly Show»: «Mark Levin wollte den Krieg, ebenso Ben Shapiro, Lindsey Graham, Miriam Adelson. Das ist offensichtlich.»
Megyn Kelly und Joe Kent über den Iran-Krieg
Kelly zählte prominente, rechte Figuren auf, fast alle davon Jüdinnen und Juden. Einer der Angesprochenen, der konservative Kommentator Ben Shapiro, beschimpfte sowohl Tucker Carlson als auch Megyn Kelly. «Das ist der Krieg von Donald J. Trump! Er ist der Präsident, der Oberbefehlshaber: Sie ist so ein unglaublicher Feigling. Du magst nicht, was der Präsident sagt? Dann sag doch seinen Namen! Tucker und Megyn: Unglaubliche Feigheit. Sagt seinen Namen!»
Kein Frontalangriff
Tatsächlich, scheinen die Kriegsgegner Trump nicht frontal angreifen zu wollen. Und Umfragen zeigen, dass auch die MAGA-Anhänger sich nicht von Trump abwenden. Die Unterstützung ist gross, gerade bei jenen, die sich als MAGA-Republikaner sehen – bis jetzt auch für einen Krieg, den Trump entgegen allen Versprechungen begonnen hat.
Vielleicht stimmt also, was Trump Anfang Jahr nach dem Angriff auf Venezuela sagte: «MAGA-Anhänger lieben alles, was ich tue. Ich bin MAGA».