Nach fast drei Wochen Krieg im Iran steht Donald Trump vor einer Grundsatzfrage: Führt er den Krieg fort und versucht, sein von ihm am ersten Kriegstag erklärtes Ziel eines Machtwechsels zu erreichen?
Oder versucht er, sich aus einem Konflikt herauszuwinden, der immer grössere militärische, diplomatische und wirtschaftliche Schockwellen zu entwickeln droht? Beide Optionen bergen Gefahren für die USA und Donald Trump, die die amerikanische Regierung seit Kriegsbeginn herunterspielen.
Maximalforderung zu Beginn
Donald Trump begann den Krieg mit einer maximalen Forderung: Regimewechsel. Doch 19 Tage nach Kriegsbeginn haben die USA statt eines Machtwechsels lediglich eine «Ayatolla-Anpassung oder Mullah-Modifikation produziert», wie es Brian Katulis vom Nahostinstitut in Washington ausdrückt. «Dadurch haben wir diejenigen, die im Iran an der Macht sind, nur noch härter und noch unberechenbarer gemacht», so Katulis.
Wenn der US-Präsident nun voreilig den Sieg erklärt und sich die USA zurückziehen, dann bliebe Trump weit hinter seinem ursprünglichen Ziel zurück. Amerikas Sicherheit – und der Sicherheit der Welt – dient dies nicht. Der diplomatische, militärische und wirtschaftliche Schaden, den der Krieg schon angerichtet hat, kommt hinzu.
Keine Verbündete für Hormus
Gleichzeitig wird dieser Schaden immer grösser, je länger der Krieg andauert. Die Kosten steigen für die Trump-Regierung politisch und wirtschaftlich in den USA und auf der ganzen Welt. Ausdruck ist die Schwierigkeit Trumps, Verbündete zu finden für die Sicherung der Strasse von Hormus.
Es stimmt, dass die USA ihre militärischen Ziele mit grosser Wirksamkeit verfolgen. Die USA schwächen zweifelsohne gerade Irans Fähigkeit, eine Bedrohung für die Region darzustellen. Doch ohne politischen Plan für das Danach drohen diese Gewinne zunichte gemacht zu werden.
«Trump sucht Ausweg»
Brian Katulis schätzt, dass der US-Präsident den Krieg lieber heute als morgen beenden würde. Trump, so Katulis, suche wohl «nach einem Ausstiegsplan, der vernünftig und realistisch» sei. «Aber weil sich seine Ziele seit Beginn des Krieges bis heute permanent ändern, weiss er nicht, wohin er eigentlich will.»
Für das iranische Regime ist die Ausgangslage anders: Überlebt es, kann es sich zum Sieger erklären.