Dutzende Drohnen und Raketen auf Katar, Kuwait, Bahrain, Hunderte auf die Arabischen Emirate. Entlang der gesamten arabischen Küste des Persischen Golfs nimmt Iran seit dem Wochenende Ziele ins Visier.
Die Bilder von Bränden, Scherben und Trümmern in den Glitzermetropolen des Golfs, die Meldungen über Verletzte, einzelne Todesopfer gar – all das warf Schockwellen durch die erfolgsverwöhnten Ministaaten.
«Der Iran verfolgt eine klare Strategie», sagt die Politwissenschaftlerin Dania Thafer in Doha. «Er will die Kosten dieses Kriegs in die Höhe treiben und die Welt aufschrecken.» In der Hoffnung, der Druck auf die Angreifer steige so weit, dass sie diesen Krieg beenden.
Die Golfstaaten wirken dafür wie das ideale Ziel. In unmittelbarer Nachbarschaft Irans, eng vernetzt mit dem Westen, relevant für die Weltwirtschaft, und extrem verwundbar.
Der Hafen Dschabal Ali von Dubai, die Flughäfen in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Katar sind regionale Drehscheiben für Handel und Verkehr. Auch spielen die Golfstaaten eine Rolle in der Energieversorgung, als Finanzzentren, als Feriendestinationen. Die Strasse von Hormus ist ein Nadelöhr für den globalen Ölhandel.
Der Ruf der Stabilität inmitten einer Region in Dauerkrise – das ist das Alleinstellungsmerkmal am Golf, auf dem der ganze Wohlstand aufgebaut ist.
Nun warnen Aussenministerien in aller Welt vor Reisen in die Region. Krisenstäbe sind im Dauereinsatz. Evakuationsflüge werden geplant. Der Schock ist gross. Auch die Frustration in den Herrscherhäusern ist es.
Sie haben viel daran gesetzt, eine militärische Eskalation zu verhindern. Sie haben versucht, mässigend auf Trump einzuwirken. Auch mit Teheran pflegten sie seit einigen Jahren wieder eine Art konstruktiven Dialog. Wohlwissend, wie verwundbar sie sind.
Wohlstand unter US-Schutzschirm
Andererseits entwickelten die Kleinstaaten ihren Wohlstand explizit unter dem amerikanischen Schutzschirm, beherbergen US-Militärstützpunkte. So neutral, wie sie sich geben, sind sie nicht.
Die grösste dieser US-Militärbasen der Region liegt in Katar, ein paar Autominuten nur ausserhalb der Millionenstadt Doha. Anfangs war die Erwartung, die Angriffe würden sich auf die Militärbasis beschränken, sagt die Politikwissenschaftlerin Dania Thafer. Doch die iranische Führung hat auch in Katar die Angriffe auf zivile Infrastruktur ausgeweitet.
«Wie lange geht das noch gut?», fragt sich Thafer. Die Abfanggeschosse sind extrem teuer. Was ist, wenn sie zur Neige gehen? In Saudi-Arabien wurde am Montag eine Ölraffinerie getroffen. So werden die Kosten des Kriegs für die Golfstaaten noch einmal erhöht. Etwas müsse geschehen, ist der Tenor in den Herrscherhäusern.
Man fühlt sich von Iran verraten und von den westlichen Verbündeten alleingelassen. Einzelne wurden heute aktiv. Frankreich und Grossbritannien etwa erklären ihre Bereitschaft, an der Verteidigung militärisch mitzuwirken. Europa wird so langsam in diesen Krieg hineingezogen.
Teheran nimmt es zur Kenntnis, in seinem Streben, den Konflikt zu verteuern und zu internationalisieren. Indem es die zivile Infrastruktur angreife, habe Iran den Punkt des Erträglichen aus Sicht der Golfstaaten überschritten, sagt Thafer.
Auch eine Dringlichkeitssitzung der Golfstaaten machte das deutlich. Sie endete mit der Warnung an Teheran, man behalte sich vor, auf die Aggressionen zu antworten.