Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Angriffe auf Golfstaaten Raketen auf die Glitzermetropolen: Irans zynisches Kalkül

Die schwerreichen Golfstaaten sind mitten in den Strudel des Krieges geraten. Teheran verfolgt eine klare Strategie.

Dutzende Drohnen und Raketen auf Katar, Kuwait, Bahrain, Hunderte auf die Arabischen Emirate. Entlang der gesamten arabischen Küste des Persischen Golfs nimmt Iran seit dem Wochenende Ziele ins Visier.

Satellitenansicht der Palm Jumeirah in Dubai.
Legende: Die meisten der Geschosse wurden abgefangen, doch nicht alle. Bild: Rauch über dem Dschabal-Ali-Hafen in Dubai, wo ein Anlegeplatz von Raketentrümmern getroffen wurde. Reuters/Planet Labs PBC

Die Bilder von Bränden, Scherben und Trümmern in den Glitzermetropolen des Golfs, die Meldungen über Verletzte, einzelne Todesopfer gar – all das warf Schockwellen durch die erfolgsverwöhnten Ministaaten.

Nächtliche Skyline von Dubai mit beleuchteten Gebäuden und Strassen.
Legende: Dubai (im Bild), Abu Dhabi, Doha ziehen Millionen Ferienhungrige und Geschäftsleute an. Die Golfmonarchien locken mit Luxus und Glitzer und dem Versprechen: Hier bei uns ist es sicher. Getty Images/Rustam Azmi

«Der Iran verfolgt eine klare Strategie», sagt die Politwissenschaftlerin Dania Thafer in Doha. «Er will die Kosten dieses Kriegs in die Höhe treiben und die Welt aufschrecken.» In der Hoffnung, der Druck auf die Angreifer steige so weit, dass sie diesen Krieg beenden.

Die Golfstaaten wirken dafür wie das ideale Ziel. In unmittelbarer Nachbarschaft Irans, eng vernetzt mit dem Westen, relevant für die Weltwirtschaft, und extrem verwundbar.

Der Hafen Dschabal Ali von Dubai, die Flughäfen in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Katar sind regionale Drehscheiben für Handel und Verkehr. Auch spielen die Golfstaaten eine Rolle in der Energieversorgung, als Finanzzentren, als Feriendestinationen. Die Strasse von Hormus ist ein Nadelöhr für den globalen Ölhandel.

Der Ruf der Stabilität inmitten einer Region in Dauerkrise – das ist das Alleinstellungsmerkmal am Golf, auf dem der ganze Wohlstand aufgebaut ist.

Vier Männer im traditionellen Gewand vor einem Gucci-Laden.
Legende: Die Malls (wie hier in Doha), Wolkenkratzer und Luxushotels der Golfmetropolen sind gebaut, um Selbstvertrauen auszustrahlen, und nicht, um Angriffen standzuhalten. Getty Images/Nadine Rupp

Nun warnen Aussenministerien in aller Welt vor Reisen in die Region. Krisenstäbe sind im Dauereinsatz. Evakuationsflüge werden geplant. Der Schock ist gross. Auch die Frustration in den Herrscherhäusern ist es.

Sie haben viel daran gesetzt, eine militärische Eskalation zu verhindern. Sie haben versucht, mässigend auf Trump einzuwirken. Auch mit Teheran pflegten sie seit einigen Jahren wieder eine Art konstruktiven Dialog. Wohlwissend, wie verwundbar sie sind.

Wohlstand unter US-Schutzschirm

Andererseits entwickelten die Kleinstaaten ihren Wohlstand explizit unter dem amerikanischen Schutzschirm, beherbergen US-Militärstützpunkte. So neutral, wie sie sich geben, sind sie nicht.

Die grösste dieser US-Militärbasen der Region liegt in Katar, ein paar Autominuten nur ausserhalb der Millionenstadt Doha. Anfangs war die Erwartung, die Angriffe würden sich auf die Militärbasis beschränken, sagt die Politikwissenschaftlerin Dania Thafer. Doch die iranische Führung hat auch in Katar die Angriffe auf zivile Infrastruktur ausgeweitet.

Himmel mit Kondensstreifen, Teil eines Gebäudes sichtbar.
Legende: Wie schon in Dubai und Abu Dhabi kam am Montag in Doha der internationale Flughafen unter Beschuss. Die Geschosse wurden abgefangen, versichern die Behörden Katars. Bild: Abgefangene Raketen über Doha (28.2) Getty Images/Anadolu/Ali Altunkaya

«Wie lange geht das noch gut?», fragt sich Thafer. Die Abfanggeschosse sind extrem teuer. Was ist, wenn sie zur Neige gehen? In Saudi-Arabien wurde am Montag eine Ölraffinerie getroffen. So werden die Kosten des Kriegs für die Golfstaaten noch einmal erhöht. Etwas müsse geschehen, ist der Tenor in den Herrscherhäusern.

Dichter schwarzer Rauch über städtischem Gebiet.
Legende: Ein iranisches Geschoss traf ein Industriegebiet von Dubai (1. März) Keystone/AP/ALTAF QADRI

Man fühlt sich von Iran verraten und von den westlichen Verbündeten alleingelassen. Einzelne wurden heute aktiv. Frankreich und Grossbritannien etwa erklären ihre Bereitschaft, an der Verteidigung militärisch mitzuwirken. Europa wird so langsam in diesen Krieg hineingezogen.

Teheran nimmt es zur Kenntnis, in seinem Streben, den Konflikt zu verteuern und zu internationalisieren. Indem es die zivile Infrastruktur angreife, habe Iran den Punkt des Erträglichen aus Sicht der Golfstaaten überschritten, sagt Thafer.

Auch eine Dringlichkeitssitzung der Golfstaaten machte das deutlich. Sie endete mit der Warnung an Teheran, man behalte sich vor, auf die Aggressionen zu antworten.

Echo der Zeit, 02.03.2026, 18 Uhr

Meistgelesene Artikel