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Terroranschlag: Ein Land steht unter Schock
Aus 10vor10 vom 15.03.2019.
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Anschläge in Neuseeland Terrorforscher kritisiert Internetkonzerne

  • Nach dem tödlichen Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch hat der Terrorismus-Experte Peter Neumann mehr Hilfe von Internetkonzernen im Anti-Terror-Kampf eingefordert.
  • Dem Attentäter von Christchurch ging es nach Einschätzung von Neumann mehr um Identität und Rasse als um Religion.

Zwar sei eine hundertprozentige Live-Überwachung von YouTube, Facebook und anderen Online-Plattformen zum Aufspüren blutrünstiger Terrorpropaganda unrealistisch, erklärte der Wissenschaftler den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Dennoch könnten die Unternehmen mehr tun als bislang, um etwa die Übertragung von Attentaten zu erschweren. «Gegen die rasante und massenhafte Verbreitung lässt sich nur mit mehr Einsatz von Personal und Technik vorgehen, mit deren Hilfe diese brutalen Videos gelöscht werden», sagte Neumann, der am Londoner King's College zu Extremismus und Radikalisierung forscht.

«Verantwortung der Unternehmen»

«Die brutale Tat live zu übertragen dient zum einen einer narzisstischen Selbstinszenierung des Täters», erklärte Neumann. «Zum anderen soll die Tat so medial verbreitet werden. Das ist neben Manifest und Verweisen durch den Attentäter Teil der Propaganda-Strategie.»

Die einschlägigen Online-Plattformen könnten dies mit geeigneten Mitteln durchkreuzen «und so auch ihrer Verantwortung als global agierende Unternehmen» gerecht werden.

Bei dem Doppelanschlag in Christchurch hatte der Täter während des Freitagsgebets wahllos auf Moschee-Besucher geschossen. Er tötete 49 Menschen, mehr als 40 wurden verletzt. Nach bisherigen Erkenntnissen handelte der Australier vermutlich als Einzeltäter.

Mit einer Helmkamera filmte er auch, wie er die Menschen erschoss. Die Bilder übertrug er live ins Internet.

Christchurch-Attentäter vor Gericht

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  • Der Moschee-Attentäter von Christchurch ist am Samstag erstmals einem Richter vorgeführt worden. Der neuseeländische Richter legte dem 28-jährigen Australier in der Anhörung offiziell Mord zur Last.
  • Er stellte keinen Antrag auf Freilassung gegen Kaution und bleibt weiter in Gewahrsam. Am 5. April soll er wieder vor Gericht erscheinen.
  • Der Rechtsextremist und frühere Fitnesstrainer erschien in Handschellen und in einem weissen Gefängnishemd vor dem Richter. Die Anhörung verfolgte er ohne erkennbare Regung.

«Neu-rechte Verschwörungstheorie»

Dem Attentäter von Christchurch ging es nach Einschätzung von Neumann mehr um Identität und Rasse als um Religion. «Die Tat beruhte auf der neu-rechten Verschwörungstheorie, dass westliche Länder systematisch ihre weissen, europäischen Bevölkerungen mit Nicht-Europäern, vor allem Muslimen, 'austauschen würden'», sagte Neumann der «Rhein-Neckar-Zeitung».

Und weiter: «Das ist natürlich Unsinn, ist aber in rechten und auch populistischen Kreisen eine sehr populäre These. Da hat sich nicht die Religion radikalisiert, sondern die Rechte. Das ist purer Rassismus.»

«Teilweise weit unter dem Radar»

Der Terrorismusforscher vom Londoner King's College sieht eine wachsende Polarisierung von Islamophoben und Islamisten. In Deutschland sei die «offene rechtsextreme Szene» den Behörden gut bekannt.

Dagegen liefen Internet-Foren, in denen auf rechte Attentäter Bezug genommen werde, «teilweise weit unter dem Radar» der Ermittler. «Mein Rat an die Behörden wäre daher, vor allem in diesem Bereich kräftig aufzurüsten und die Überwachung von islamophoben Internetforen auszuweiten.»

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Harald Buchmann  (Harald_Buchmann)
    Es freut mich zu sehen, dass die chinesische Version des Internets auch im Westen immer mehr Anklang findet: die Sozialen Medien sollen system- und menschenfeindliche zensieren und Terrorverdächtige der Polizei melden. Kampf gegen Fake News ist vergleichbar mit dem Gesetz gegen das streuen von falschen Gerüchten in China. Das Netz ist öffentlicher Raum und da braucht es Regeln.
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  • Kommentar von Rudi Hardy  (Wombat)
    Ist was aehnliches was in Norwegen vor ein paar Jahren geschah. Ein geplanter Angriff auf die neue Gesellschaft die ein kranker Kopf nicht begreifen kann. Leider kann das ueberall in der Welt geschehen. Neuseeland war unter dem Radar der Sicherheitskraefte.
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  • Kommentar von Alex Moser  (AM)
    Ein trauriger Tag für Neuseeland, ein trauriger Tag für die Menschheit - und speziell für dien Angehörigen! Sofort wird nach "Verantwortlichen" gesucht - nicht nach dem Täter, den hat man - aber nach "moralisch Verantwortlichen." Und da sind die milliardenschweren Internetkonzerne natürlich schnell am Pranger - zu Recht oder zu Unrecht, denn dort ist noch Geld zu holen. Doch wer zeigt einmal auf die Politiker, die seit Jahrzehnten Probleme nur schönreden, anstatt zu lösen? Niemand!
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    1. Antwort von Hanspeter Müller  (HPMüller)
      Welche Probleme sollten denn "die Politiker" Ihrer Meinung nach "seit Jahrzehnten" in Neuseeland lösen? Die Muslimischen Zuwanderer sind sehr gut integriert, es gibt kaum Extremisten, es gibt keine religiös motivierten Probleme. Man kann Probleme auch daherreden und politisch motiviert aufbauschen um mit Hass und Verunsicherung popullistische Ziele zu verfolgen.
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    2. Antwort von Alex Moser  (AM)
      @HPMüller: Ich bin kein Neuseelandspezialist, ich war auch noch nie dort... Wenn ich aber meinen Australischen und Neuseeländischen Freunden zuhöre, scheinen die dort die selben Probleme zu haben wie wir: für die "Integration" wird alles getan, keine Kosten gescheut - nur für die eigenen Leute reichts halt nicht mehr, wie bei uns (z.B. Rentner). DAS sind Probleme, die die Politiker seit Jahrzehnten schönreden anstatt zu lösen! Mit populistischen Zielen hat das nichts zu tun - aber mit VERSAGEN!
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    3. Antwort von Charles Dupond  (Egalite)
      Die Musels wurden auch in NZ vor allem als zu billige und willige Lohndoemper ins Land geholt, statt aus familiaeren Gruenden mit automatischer Intergration in die Familie eines Staatsbuergers. Erfolgreiches Lohndoemping und erfolgreiche Integration sind zwei paar ganz verschiedene Stiefel. Nicht nur in Neuseeland....
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    4. Antwort von Hanspeter Müller  (HPMüller)
      @ Moser: Es gibt jährliche Umfragen vom Wirtschaftsministerium. 74% der Einwohner finden es wichtig in einer Multikulturellen Gesellschaft zu leben. Die Arbeitslosenrate ist 4,3% und seit 2012 immer weiter fallend. @ Dupond: Sie projizieren Europäische überlegungen auf NZ. Die Zuwanderung aus Pakistan, UAE, etc ist vernachlässigbar. Zuwanderer in NZ kommen aus GB, AUS, Indien und China.
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